Katja Beyer
Mittwochabend, 19 Uhr. Der kleine Raum hat sich nach und nach mit jungen Menschen gefüllt. Um die 20 sind heute gekommen. Als der Pfarrer den Raum betritt, verstummen die Gespräche, der Gottesdienst beginnt. Es ist aber keine übliche Feier. Das Thema der Predigt trifft bei vielen Anwesenden ins Schwarze: Mobilität und Immobilität.
Für viele Studenten ist dies ständiger Bestandteil ihres Alltags, und das weiß auch der Pfarrer der katholischen Hochschulgemeinde Jürgen Weber. "Die Themen sind nicht konservativ, nicht langweilig. Sie betreffen die Studenten", sagt Benedict Fehler, Mitglied der katholischen Hochschulgemeinde.
"Seit dem Bologna-Prozess ist der Beratungsbedarf stark angestiegen", sagt Weber. Dies sei auf einen erhöhten Leistungsdruck zurückzuführen. Die Religion könne hier Stütze und Gegengewicht zum Studienalltag sein. "Die Studenten können sich durch die Religion selbst erleben. Zur Ruhe kommen und Stärke finden", so Weber, "allerdings predige ich nicht Themen wie Prüfungsangst." Die studentischen Sorgen fänden Platz in den Predigten, würden aber nicht direkt angesprochen. "Es passt aber trotzdem", sagt Benedict Fehler.
Für Hochschulgemeinden bestünde die besondere Herausforderung darin, sich bei der Studentenschaft bekanntzumachen. Viele Studenten wüssten nämlich gar nicht, dass es eine Hochschulgemeinde gibt, oder könnten sich nur wenig darunter vorstellen. "Wenn ich merke, dass Kommilitonen vom Studium gestresst sind, dann schlage ich ihnen vor, einmal bei uns vorbeizuschauen. Oder andersherum. Gestresste Studenten sprechen mich an, ob sie mitkommen können", erzählt Benedict Fehler. Die Rückmeldungen dieser Studenten seien durchweg positiv. Manche würden nach schwierigen Phasen fester Bestandteil der Hochschulgemeinde, andere nähmen nur für kurze Zeit an den Gottesdiensten teil. "Ich habe für ein Stipendium ein Gutachten vom Hochschulpfarrer gebraucht und bin erst dadurch auf die Gemeinde aufmerksam geworden", sagt Patrick Seidel. Der Elektrotechnikstudent besucht seitdem regelmäßig die Andachten, die für ihn eine willkommene Abwechslung zum Lernen seien.
Beratung in allen Lebenslagen
Die Hochschulgemeinde ist aber mehr als gemeinsamer Gottesdienst. Hochschulpfarrer Weber begleitet die Studenten durch den Universitätsalltag. "Ich habe keine festen Sprechstunden. Wenn meine Tür offen steht, bin ich jederzeit zu sprechen", erklärt der Hochschulpfarrer. Weber ist nicht nur für Studenten da, wenn sie seelische Unterstützung brauchen. Auch bei Diplomarbeiten berät er gerne. Selbst an Praktika können die Studenten über den Pfarrer kommen, der durch ehemaligen Mitglieder der Hochschulgemeinde über zahlreiche Kontakte verfügt. Für Weber steht fest: "Es gibt keinen besseren Job. In den 14 Jahren ist mir noch nie langweilig geworden."
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