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Klassik: David Garrett gibt im ausverkauften Mozartsaal des Rosengartens einen ziemlich routinierten Mendelssohn-Versteher ab:

Archiv-Artikel vom Freitag, den 22.01.2010

Hans-Günter Fischer

Wenn man Virtuosität tatsächlich mit der Stoppuhr messen kann, ist David Garrett äußerst virtuos. Man findet ihn sogar im Guinness-Buch skurriler Weltrekorde vor: In einer Fernsehshow entwich der ganze "Hummelflug" von Rimski-Korsakow in 66,6 Sekunden seiner schmucken Guadagnini-Geige. Das sind 13 Noten pro Sekunde, eine Bestmarke, die Garrett wenig später nochmals überbot, die Latte liegt seither bei 65,3 Sekunden. Aber jetzt ist erst mal Schluss mit "Virtuoso", wie ein Albumtitel Garretts lautete. Auf seiner aktuellen Tour, die ihm in Mannheim wieder einen restlos ausverkauften Mozartsaal des Rosengartens einträgt, tritt der Geiger mehr als Schmusekater auf, als Softie. Und auch dem Crossover-Repertoire, das ihn so populär gemacht hat, kehrt er weitgehend den Rücken.

Kriechende Ohrwürmer

Seinen Fans bringt er es möglichst schonend bei, auch im Programmheft, wo er von der Seite spricht, die sie vielleicht noch gar nicht an ihm kennen. Klassische Musik sei "stets die Basis" seines Tuns gewesen. Klassische Musik spielt er nun auch in Mannheim, aber keine Bange, niemand muss erschrecken: Ohrwürmer im Dutzend kriechen von der Bühne, die die Herren Schubert, Dvorák, Elgar oder Brahms gezüchtet haben, teilweise in Zuckerwatten-Arrangements, an denen Garrett mitgeschrieben hat und die bestimmt kein Wasser trüben.

Vor der Bühne glänzt ein Kerzenmeer, doch Tote gibt es keine zu beklagen. Allerdings klingt Garrett manchmal fast, als wolle er den Witwentröster geben und die zarteste Versuchung sein, seit es Dreitagebärte gibt. Er spielt nicht nur, er moderiert den Abend auch, verdingt sich als der nette Beau von nebenan. Und wird dabei sogar ein bisschen selbstironisch, wenn er von der alten Lady redet, die bei einem Open-Air-Konzert in England einen Schirm über den hübschen Geiger hielt: "Ich wollte nur, dass Ihre Haare keinen Regen abbekommen." Auf die Geige kam es dieser Dame eher nicht an. Garrett freilich kratzt höchstselbst am Bild des makellosen Schönlings, der sich in den Augen der Verehrerinnen zwischen David Beckham und Kurt Cobain von Nirvana (wild im Grab rotierend) einsortiert. Er kokettiert mit seiner Augenschwäche, redet von seinen Kontaktlinsen.

Konzert auf dem Barhocker

Beim Violinkonzert von Mendelssohn muss man schon sehen, wo man bleibt. Denn alle Geiger spielen es und haben es gespielt, man kann dazu nichts Neues mehr zu Protokoll geben. Auch Garrett kann es nicht, im Rosengarten spielt er das berühmte Stück recht sanft, fast defensiv, akustisch tief in das Orchester eingebettet. Dass er es auf einem Barhocker serviert (er sitzt nämlich auf einem), ist bereits die größte Eigenwilligkeit. Doch immerhin, er drückt sich in den Außensätzen nicht vor raschen Tempi, auch wenn manche Abschnitte dabei etwas verhuscht geraten und die Hilarys, Janines und Julias dieser (Geigerinnen-) Welt das deutlich trennschärfer, markanter, strukturierter hinbekommen würden. Virtuosität kann man wohl doch nicht mit der Stoppuhr messen.

Als Begleitung ist die Staatskapelle Weimar engagiert. Die soll bereits ein Jahr, bevor Kolumbus nach Amerika gefahren ist, gegründet worden sein: 1491. Für seriöses Traditionsbewusstsein steht auch Dirigent George Pehlivanian, dem man in der hiesigen Region in ganz normalen Sinfoniekonzerten mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz begegnet. In der "Sommernachtstraum"-Ouvertüre Mendelssohns legt er fast musterhaft die Klangregister eines großen Sinfonieorchesters offen, und das Publikum horcht spürbar auf. Ein Publikum, das teilweise ganz unbefangen ist bei Mendelssohn, die vielen falschen Vorurteile überhaupt nicht kennt, die nicht allein die Nazis über ihn in Umlauf brachten. Das ist eine Chance. Und David Garrett? Seine zweite Zugabe ist Paganinis "Carnevale di Venezia". Die bringt er charmant. Es ist die Melodie des Hits "Mein Hut, der hat drei Ecken". Garretts Hut aber ist kugelrund. Er schlendert damit ziemlich unauffällig von der Bühne des Mannheimer Rosengartens - und das war's dann.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 22.01.2010
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