Michaela Roßner
Rhein-Neckar. Der Verband Metropolregion Rhein-Neckar muss sich einen neuen Direktor suchen: Amtsinhaber Stefan Dallinger hat seit gestern einen neuen Job. Die Mitglieder des Rhein-Neckar-Kreistages wählten den 47-Jährigen in der Walldorfer Astoriahalle zum neuen Landrat und damit zum Nachfolger von Dr. Jürgen Schütz, der nach 24 Jahren nicht mehr zur Wahl stand. Der von der CDU unterstützte Dallinger erhielt auf Anhieb 53 von 99 gültigen Stimmen. Der Sinsheimer Oberbürgermeister Rolf Geinert (SPD) bekam 38 Stimmen, sein Kollege aus St. Leon-Rot, Alexander Eger (parteilos und von der FDP unterstützt), kam auf acht Stimmen.
Die Amtszeit des Landrates beträgt acht Jahre. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass es im ersten Wahlgang klappt", freute sich Dallinger, der den Ausgang der geheimen Abstimmung im Publikum an der Seite seiner Frau Christine und den beiden Kindern Teresa (14) und Timo (11) verfolgte. "Dass ich mit so breiter Mehrheit und auf Anhieb gewählt wurde, gibt mir für meine künftige Arbeit Sicherheit", fügte der neue Chef des mit über 500 000 Bürgern einwohnerstärksten Kreises in Baden-Württemberg hinzu.
Dallinger wird zudem Chef von rund 4000 Mitarbeitern in Verwaltung und kreiseigenen Betrieben. "Es waren drei super Kandidaten und super Vorstellungen", zollte der Wahlgewinner seinen beiden Mitbewerbern Respekt. Er freue sich darauf, im neuen Amt Akzente zu setzen. In seiner 14-minütigen Vorstellung vor der Abstimmung hatte der Jurist betont, seine Schwerpunkte im Bereich Ökologie, Wirtschaftsförderung, Bildung sowie Sozial- und Jugendförderung setzen und stets "fairer Partner" sein zu wollen.
Gerade bei der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise seien "Ideen gefragt", die Dallinger in enger Zusammenarbeit mit den Kreisräten und den Vertretern der Kommunen erarbeiten möchte. Zwar könne ein Landrat keine Arbeitsplätze schaffen, doch müsse der Kreis für günstige Rahmenbedingungen sorgen. Klima-, Umwelt- und Naturschutz bezeichnete Dallinger als "Gebot der Stunde".
Seit 2006 leitet Dallinger, der mit seiner Familie in Hirschberg lebt, den Verband Region Rhein-Neckar. Wer seine Nachfolge dort antritt, ist noch offen. Es habe sich bis gestern "verboten", über passende Kandidaten zu spekulieren, sagte Dr. Eva Lohse, Verbandsvorsitzende und Oberbürgermeisterin Ludwigshafens. Die Stelle werde nun umgehend ausgeschrieben.
Dallinger selbst geht davon aus, dass bis Juni eine Entscheidung fällt. Bis dahin werde sein Stellvertreter, Christoph Trinemeier, den Verband leiten.
Gewinner galt als Favorit
Nach dem Jura-Studium hatte der künftige Landrat des Rhein-Neckar-Kreises die gehobene Verwaltungslaufbahn eingeschlagen. Das Regierungspräsidium in Karlsruhe, das Landratsamt in Heidelberg und das Bundesinnenministerium waren weitere Etappen. Als erster Bürgermeister in Schwetzingen sammelte der CDU-Kandidat Erfahrungen an der Spitze einer Kommunalverwaltung. Dallinger galt als Favorit, weil er die Mehrheitsfraktion mit 38 Sitzen hinter sich hatte. Weitere wichtige Stimmen erhielt er vermutlich von den Freien Wählern, die mit 17 Personen drittstärkste Kraft sind. SPD, Grüne und Linke zusammen konnten genau 38 Stimmen in die Urne werfen - exakt so viele Unterstützer vereinte der SPD-Bewerber Geinert auf sich. Er und Alexander Eger waren als Kreistagsmitglieder gestern befangen. Von den 103 Kreisräten durften also 101 abstimmen. Zwei Stimmen waren ungültig.
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