Fußball:
Einmal mehr erweist sich die Bundesliga als ein schnelllebiges Geschäft / Ungebremste Chaos-Kommunikation
Aus acht Jahren werden acht Monate
Von unserem Redaktionsmitglied Ulrich Verthein
Offene Geheimsache: Markus Babbel soll heute vorgestellt werden.
© dpa
Zuzenhausen.
"Stani ist ein Glücksfall für uns, weil er den Spagat zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlichem Erfolg versteht und umzusetzen bereit ist. Er wird die Mannschaft so begeistern, dass die fehlenden Leistungsprozente abgerufen werden. Das Umfeld der TSG und ich sind absolut 'happy' mit Stani!"
So lobte Dietmar Hopp seinen gerade gefeuerten Trainer noch vor gut vier Wochen im Interview mit dieser Zeitung. An anderer Stelle wünschte sich der TSG-Mäzen im "Kicker", dass Stani noch acht Jahre in Hoffenheim bleiben solle. Dieser sei mit dem Image des liebenswerten Piraten aus St. Pauli gekommen, formulierte es gestern dann der Sportinformationsdienst: "Doch schon im ersten Sturm lässt der allmächtige Dietmar Hopp seinen Trainer bei 1899 Hoffenheim über die Planke laufen." Da kommen natürlich Fragen auf.
Was hat zu diesem radikalen Meinungsumschwung geführt? War es letztlich Stanislawskis Eingeständnis der Ohnmacht nach dem 2:2 gegen Augsburg, als er beklagte kein Team zu haben und sich selbst dafür in die Verantwortung nahm? Welche Rolle spielte Hopps beißende Kritik just vor dem wichtigen Pokalspiel gegen Fürth, das 1899 bei einem Sprung in den Halbfinal-Kreis der Champions-League-Kandidaten Dortmund, Mönchengladbach und München einen Europa-League-Platz so gut wie garantiert hätte?
Doch die dezidierten Antworten darauf blieben aus. Statt dessen gab es in einer Pressemitteilung am Abend nur ein allgemeines Statement des Mäzens: "Ich bedaure sehr, dass die Mission von Holger Stanislawski zu diesem Zeitpunkt bereits beendet ist. Ich glaube nach wie vor, dass es die richtige Entscheidung war, ihn zur TSG zu holen und ich verstehe die Enttäuschung über seinen Abschied sehr gut, denn auch für mich ist er menschlich einfach außergewöhnlich. Gleichwohl war ein Negativtrend seit dem Herbst unverkennbar und die Mannschaft machte zunehmend einen verunsicherten Eindruck. Ich hoffe, dass der neue Trainer das Ruder wieder herumreißen kann und die Köpfe der Spieler frei kriegt, damit die TSG wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommt." Aus gewünschten acht Jahren wurden knapp acht Monate.
Und während in der offiziellen Mitteilung der Name des neuen Cheftrainers Markus Babbel noch penibel vermieden wurde, feierte die Hoffenheimer Chaos-Kommunikation weiter fröhliche Urständ. Via Deutsche Presse-Agentur flötete Manager Ernst Tanner in Sachen Babbel am gestrigen Abend: "Ich gehe davon aus, dass wir morgen einen Vertrag unterschreiben."
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