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Mehr als ein Image-Test

Vom Nürburgring auf die Straße

Von Jürgen C. Braun/SP-X

Zwischen einem Formel-1-Boliden und einem Serienauto liegen Welten. Auf den ersten Blick erschließt sich deshalb nicht, welchen Nutzen die Entwickler von ganz normalen Fahrzeugen aus dem Motorsport ziehen.

Formel 1-Rennen am Nürburgring

© Nürburgring

Umbau des Nürburgring-Parks 2009

© Nürburgring

"Ein jeder lobt, was Nürburgring-erprobt...", das Zitat von der alten Werbetafel am Fahrerlager der Nordschleife ist aktueller denn je. Der unmittelbar an die altehrwürdige Rennstrecke angrenzende Gewerbepark wächst und wächst und wächst. Erst im Dezember 2012 hat Hyundai bekannt gegeben, dass man 5,5 Millionen Euro in ein neues Testcenter an der Bundesstraße 258, die Rennstrecke und Gewerbepark voneinander trennt, investieren werde. In der Nachbarschaft baut die Firma "KW Industrieprojekte" ein neues Technikcenter für Fahrzeugentwicklungen im Rennsport.

Seit der Eröffnung des Gewerbeparks 1998 haben sich namhafte Hersteller, deren Rennsportabteilungen, oder Rennställe in der Eifel nieder gelassen. Alfa Romeo, Porsche, Jaguar, Aston Martin, McLaren oder weltweit operierende Profi-Teams wie Phoenix Racing oder Manthey-Racing nutzen den "Ring" als Plattform ihrer Bemühungen. Auch die Reifenhersteller Pirelli und Dunlop, die als Partner in der  Deutschen Tourenwagenmasters (DTM) oder vergleichbaren Rennserien engagiert sind, testen permanent. Für Hobbyfahrer wird es immer schwieriger, mal eine freie Runde zwischen Hatzenbach und Döttinger Höhe drehen zu können, weil die Industrie fast permanent die Nordschleife besetzt hat. Pirelli etwa hat mit Rudi Adams aus Ahütte in der Nähe des Nürburgrings einen 24-Stunden-Rennen-Profi als "Spürhund" und Reifen-Ingenieur unter Vertrag genommen.

Motorsport und dessen Auswirkungen auf Komponenten und Entwicklungen in Serien-Fahrzeugen: ein Thema, dass mit zunehmender Komplexität ganz normaler "Brot-und-Butter-Autos", immer mehr an Bedeutung gewinnt.  Neue Modellgenerationen stecken voller Innovation in Sachen Komfort, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Die Wurzeln vieler Techniken aus Serienfahrzeugen liegen im Rennsport. Audi etwa bewirbt die Republik derzeit bundesweit mit dem Fernseh-Spot "Land des Quattro." Die Technik dazu stammt aus dem Rallyesport. Zu Beginn der 1980er Jahre des vergangenen Jahres fuhr "Monte"-Sieger und Weltmeister Walter Röhrl im Audi Quattro im Eis von Finnland und im Sand von Kenia von Sieg zu Sieg in der imageträchtigen Marken-Weltmeisterschaft.

Längst hat die 4WD-Antriebstechnik in mannigfaltiger Form Einzug in die Produktion von Serienfahrzeugen gehalten. Ähnlich sieht es bei Keramikbremsen oder immer weiter modifizierten Doppelkupplungsgetrieben aus. Doch der Wissensdurst der Ingenieure geht weiter. Porsche montierte bei Testfahrten zur American Le Mans Serie (ALMS) des vergangenen Jahres  in einem Versuchsfahrzeug anstelle des Beifahrersitzes einen Schwungscheiben-Speicher. Dieser nahm Bremsenergie auf und lieferte Strom für zwei Elektromotoren, die dem Renn-11er für ein paar Sekunden zusätzlichen Schub verliehen. Heinz-Jakob Neußer, Antriebsexperte bei Porsche, denkt  über den sportlichen Event hinaus. "Wir lernen hier viel für die Elektrifizierung unserer Straßensportwagen."

Porsche verwendet im 911er Turbo, wie auch Mercedes-Benz in der ersten S-Klasse mit vier Zylindern, aktive Motorlager, deren Ursprung im Rennsport liegt. "Was sich auf der Rennstrecke unter extremen Bedingungen bewährt, wird auch im Alltag keine Probleme bereiten", sieht auch Albert Biermann, Entwicklungsleiter der BMW M GmbH, die Vorteile des Technologie-Transfers vom Motorsport zur Serie. Viele Komponenten jedoch, die in ganz kleinen Einheiten für den Renneinsatz konzipiert werden, rechnen sich trotz aller Optionen noch nicht für den Einsatz von Showroom-Modellen. Dazu gehört etwa der ultraleichte Baustoff Karbon. Zwar macht Karbon die Autos leichter. Doch die Produktion von Kohlefaser-Teilen ist ebenso zeit- wie kostenintensiv. Die Industrie arbeitet daher momentan mit Hochdruck an Verfahren, Karbon erstens schneller und preisgünstiger zu produzieren und auch zu verarbeiten.

Selbst bei der Weiter-Entwicklung moderner Nutzfahrzeuge setzen die Hersteller auf eine Kooperation mit dem Motorsport. Alljährlich im Sommer treffen sich die Freunde der "dicken Brummer" auf dem Nürburgring zum ADAC Truck Grand Prix. Die Renn-Trucks wuchten mehr als 1000 PS, haben das zehnfache Drehmoment eines Formel 1-Boliden. Die Turbo-aufgeladenen Diesel mit wassergekühlten Reifen und 32 Zentimeter breiten "Schlappen"  verbreiten "Seitenspiegel an Seitenspiegel" Emotion pur.  Den Herstellern aber geht es nicht nur um die gute Show. "Unsere Rennmotorenentwicklung ist eng verzahnt mit Ingenieuren, die an der nächsten Generation der Serienmotoren arbeiten. Die extreme Belastung im Rennsport liefert Informationen, die wir in der Entwicklung nutzen, um die Zuverlässigkeit unserer Serientechnik weiter zu erhöhen. Wir gewinnen im  Motorsport wichtige Erkenntnisse für den Alltag auf der Straße", sagt Björn Loose, Marketingchef von MAN.

Die Wechselwirkung zwischen Straßenfahrzeugen und Motorsport ist also beileibe nicht nur auf den Pkw-Bereich beschränkt. Das mehr als siebzig Jahre alte Schild, das am Übergang vom historischen zum neuen Fahrerlager angebracht ist, hat also durchaus seine Berechtigung: "Ein jeder lobt, was Nürburgring-erprobt..."

© Spot Press Services GmbH, Dienstag, 12.02.2013
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