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Ein guter Witz

Test: Abarth 595C Turismo

Von Holger Holzer/SP-X

Der Autobau muss nicht immer eine bierernste Angelegenheit sein. Schon in der Normalo-Version versprüht der Fiat 500 C eher italienische Leichtigkeit als teutonische Kosten-Nutzen-Rationalität. In der Sportversion von Haustuner Abarth treibt er es aber fast schon zu bunt.

Fahrer getunter Autos haben in den Augen vieler Zeitgenossen gleich einen Sympathie-Malus.

© Holger Holzer/SP-X

Beim Abarth 595 Turismo kann von Untermotorisierung zumindest keine Rede mehr sein

© Holger Holzer/SP-X

118 kW/160 PS schickt sein 1,4-Liter-Turbobenziner auf die Vorderräder

© Holger Holzer/SP-X

Der Spurt auf Tempo 100 dauert lediglich 6,5 Sekunden

© Holger Holzer/SP-X

Fahrer getunter Autos haben in den Augen vieler Zeitgenossen gleich einen Sympathie-Malus. Nicht so, wenn es sich bei dem Fahrzeug um einen Fiat 500 C handelt. In der Version Abarth 595 Turismo zaubert der aufgemotzte Kleinstwagen selbst den verbissensten Zeitgenossen ein Lächeln ins Gesicht. Und auch der Fahrer hat was zu lachen - denn das Auto ist ein Witz. Allerdings ein guter.

Der normale Fiat 500 sieht mit seinem 50er-Jahre-Retro-Styling zwar gut aus, wirkt aber selbst in der 100-PS-Version leicht untermotorisiert. Eine getunte Variante drängt sich förmlich auf. Beim Abarth 595 Turismo kann von Untermotorisierung zumindest keine Rede mehr sein: 118 kW/160 PS schickt sein 1,4-Liter-Turbobenziner auf die Vorderräder, ins rechte Maß gebracht von einer manuellen Fünfgangschaltung. Der Spurt auf Tempo 100 dauert lediglich 6,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist erst bei 210 km/h erreicht. Dazu gibt es das typische Lametta in Form von tief gezogenen Schürzen, breiten Schwellern und großen Felgen. Das alles ist durchaus liebevoll gestaltet, bis hin zu den Skorpion-Logos auf den Radnaben und dem wie aus einem massiven Alublock gefräst wirkenden Tankdeckel. Letztendlich ist die Anabolika-Kur aber etwas zu heftig geraten für den Stadtzwerg, das kleine Auto wirkt mit den großen Muskelbergen ein wenig aufgedunsen.

Beim Start drängt sich der Bodybuilder-Vergleich sofort noch einmal auf. Denn beim Tritt aufs Gas setzt sich der Abarth erst einmal überraschend schwerfällig in Gang. Bis zur 3.000-Touren-Marke tut sich eher wenig. Der Vierzylinder muss zunächst ordentlich pumpen, um den Turbo auf Betriebsdruck zu bringen. Dann aber springt der Lader an und der Fiat macht einen wuchtigen Satz nach vorne. Ganz alte Turbo-Schule. Die hat allerdings den Nachteil, dass der Kleinstwagen im Stadtverkehr eher behäbig als wieselflink wirkt. Vor allem in Kombination mit dem kurios großen Wendekreis von 12 Metern.

Also raus auf die Landstraße. Dort kann der Abarth seine Stärken eher ausspielen. Der Turbo wird durch fleißiges Rühren in der Fünfgangschaltung bei Laune gehalten, das straffe Fahrwerk nimmt die Kurven agil, aber gutwillig. Die Lenkung ist präzise, die Bremsen verbindlich. Allerdings treten hier auch die Schwächen des Fiat 500 zu Tage. Der Wagen ist mit 1.150 Kilo angesichts seiner Größe nicht eben ein Leichtgewicht und der kurze Radstand verschiebt den Schwerpunkt ungünstig in die Höhe, so dass das Fahrwerk Schwerstarbeit leisten muss, den kleinen Wagen in der Waage zu halten. Die daher gewählte straffe Abstimmung verstärkt noch die eh schon leicht polterige Tendenz des 500er-Fahrwerks. Wo große Sportwagen wie ein Zug auf Schienen durch die Kurve schneiden, fühlt man sich im Abarth eher wie in der Lore einer alten Silbermine. Dabei gibt sich der Italiener aber stets gutmütig und leicht beherrschbar.

Zu ganz großer Form läuft der Abarth erstaunlicherweise dann auf der Autobahn auf. Mit mächtigem Druck im mittleren Drehzahlbereich überholt er spielend leicht und sorgt nach beherztem Tritt aufs Gas auch bei Diesel-Dienstwagenfahrern für überrascht geöffnete Münder. Der 1,4-Liter-Motor gibt sich hier so bullig, als hätte Konzernschwester Ferrari einen halben Zwölfzylinder spendiert. Lange mag man auf diese Art aber dann doch nicht unterwegs sein. Vor allem in der von uns getesteten Cabrioversion ist es extrem laut; auch bei geschlossenem Dach meint man im Freien zu sitzen. Und trotz durchaus bequemer Sitze müssen Rücken und Bandscheiben einiges wegstecken. Nicht zuletzt ist der Kofferraum extrem klein, was längere Touren ebenfalls schwierig macht.

Stellt sich also zum Schluss die Frage: Braucht man so ein Auto? Natürlich nicht. Der 595 Abarth ist  ungelenkes Citymobil, ein Sportwagen mit Koordinationsschwäche, ein Reiseauto mit Qual-Qualitäten. Und mit rund acht Litern Verbrauch und einem Einstiegspreis von 23.550 Euro ist er angesichts des objektiv Gebotenen dazu noch richtig kostspielig. Trotzdem: Die Frage nach dem Sinn stellten nicht einmal die übellaunigsten Passanten. Dafür ist die aufgemotzte Knutschkugel als irgendwie auch niedliche Interpretation eines Sportwagens einfach zu witzig. Auch der Fahrer kann sich dem imperfekten Charme des krawalligen Kleinstcabrios kaum entziehen.

Letztendlich lässt sich der Abarth 595 wohl nur vor dem Hintergrund der Erfolgsgeschichte der 500er-Familie verstehen. Er setzt Fiats imageprägender Baureihe das Image-Krönchen auf und strahlt so ein wenig Glanz auf die zivileren Motorvarianten hinab. Eine Kaufempfehlung erhalten hiermit aber nur absolute Hardcore-Fans.

Abarth 595C Turismo  - Technische Daten:

Zweitüriger, viersitziger Kleinwagen mit Stoff-Rollverdeck, Länge: 3,55 Meter, Breite: 1,63 Meter, Höhe: 1,49 Meter, Radstand: 2,30 Meter, Kofferraumvolumen: 182 - 520 Liter

1,4-Liter-Turbobenziner, 118 kW/160 PS, max. Drehmoment 230 Nm bei 3.000 U/min, 0 auf 100 km/h: 7,4 s, Vmax: 205 km/h, Normverbrauch 6,5 l/100 km, CO2-Ausstoß 155 g/km, Effizienzklasse F, Testverbrauch 8,0 l/100 km;

Preis ab 23.550 Euro

Kurzcharakteristik - Abarth 595 Turismo Cabrio:

Alternative zu: Abart 500 (135 PS), Abarth 595 Competizione (160 PS und Sportauspuff), Abarth 695 Tributo Ferrari (180 PS)

Sieht gut aus: nicht wirklich schön, aber irgendwie niedlich

Passt zu: Die-Hard-Fans von Abarth oder vom Fiat 500

© Spot Press Services GmbH, Freitag, 01.02.2013
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