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Fang den Ferrari!

Tradition: 50 Jahre Lamborghini

Von Wolfram Nickel/SP-X

Vor 50 Jahren fand Enzo Ferrari seinen Meister. Das meinten nicht nur die Fans von Ferruccio Lamborghini, als der Traktorenbauer spektakuläre Tempoboliden auf die Straßen schickte. Schließlich scheuchten Miura und Countach die Ferrari vor sich her, wie es keinem anderen Geschoss gelang. Nur bei den Absatzzahlen fuhr Lamborghini bisher hinterher.

Lamborghini 350 GTV 1963

© Lamborghini

350 GTV 1964

© Lamborghini

Lamborghini Miura ab 1966

© Lamborghini

Lamborghini Espada ab 1968

© Lamborghini

Lamborghini Islero ab 1968

© Lamborghini

Lamborghini Miura Jota 1970

© Lamborghini

Lamborghini Jarama 1970

© Lamborghini

Lamborghini Urraco ab 1972

© Lamborghini

Lamborghini Countach LP 400 ab 1973

© Lamborghini

Countach LP 400 ab 1974

© Lamborghini

Lamborghini Silhouette ab 1976

© Lamborghini

Lamborghini Jalpa ab 1981

© Lamborghini

Lamborghini Countach Quattrova Ivole 1985

© Lamborghini

Lamborghini LM 002 ab 1986

© Lamborghini

Lamborghini Diablo ab 1990

© Lamborghini

Lamborghini Murcielago 2004

© Lamborghini

Gallardo LP5704 Superleggera 2010

© Lamborghini

Lamborghini Aventador Roadster 2013

© Lamborghini

Ferruccio Lamborghini

© Lamborghini

Sie gilt als goldenes Dreieck für geniale Ideen und süße Früchte, die Poebene zwischen Modena, Maranello und Sant'Agata Bolognese. Hier florieren nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch automobile Edelmanufakturen für schnelle Supersportwagen. Aber nur einem Mann gelang es die Erfolge moderner Agrartechnik und automobiler Hightech zu kombinieren: Ferruccio Lamborghini erwirtschaftete mit dem Bau von Traktoren genügend Kapital, um vor genau 50 Jahren Urvater der ultrascharfen Streetracer im Zeichen des Kampfstieres zu werden.

Mit seinen aggressiven Vollgastieren verfolgte Lamborghini von Beginn an vor allem ein Ziel: Die sieggewohnten Zwölfzylinder mit dem Logo des Cavallino Rampante, des aufsteigenden Pferdes, zu deklassieren. Ferrari-Fresser sollten Lamborghinis brutale Boliden werden, die er dazu meist mit ebenso klangvollen wie furchteinflössenden Namen aus der Welt des Stierkampfs auszeichnete. Was 1963 mit der noch harmlos klingenden Studie Lamborghini 350 Gran Turismo Veloce begann, entwickelte sich mit Modellen wie Miura, Espada und Countach rasend schnell zum scheinbar ewigen Zweikampf Sant'Agata gegen Maranello, Ferruccio Lamborghini gegen Enzo Ferrari. Ein Duell, das über alle wirtschaftliche Krisen der zwei Unternehmen und den Tod der beiden Patriarchen bis heute anhält und die vielleicht faszinierendsten Vmax-Fahrmaschinen aller Zeiten hervorbrachte. Zumal die Dynamiker von rivalisierenden Designern in fast vollendete Formen gebracht wurden: Bertone (Lamborghini) vs. Pininfarina (Ferrari) lautete über Jahrzehnte die künstlerische Traum-Paarung.

Was brachte den einstigen Ferrari-Fahrer Ferruccio Lamborghini vor einem halben Jahrhundert dazu, einen eigenen Sportwagen und das dazu gehörige modernste Automobilwerk Europas zu konzipieren? Einen Technik-Tempel, in dem die kompromisslosesten Kraftsportler der Welt nach Qualitätsmaßstäben gebaut werden sollten, wie man sie damals nur aus Japan kannte? Nach Ansicht vieler Italiener war es das heißblütige Temperament eines Menschenschlags, wie sie nur die im Sommer hitzeflirrende Poebene hervorbringen kann, die den gut situierten Unternehmer Ferruccio Lamborghini zu dem Wagnis animierte, es mit allen etablierten Sportwagenmarken aufzunehmen. Lamborghini selbst betrachtete die Dinge differenzierter, wie er im Rückblick erläuterte, nachdem er seine Unternehmensanteile 1972 und 1973 bereits verkauft hatte.

In jenen Jahren hatte er auf dem Höhepunkt seines Erfolgs die versammelte Vmax-Welt mit Miura (ab 1966)  und Countach (ab 1971) mitten ins Herz getroffen. Jetzt aber weigerte er sich, seiner Rolle als erfolgreicher allmächtiger Unternehmenspatron zu entsagen, die Gewerkschaften mitregieren zu lassen und die immer häufigeren Streiks hinzunehmen. Hinzu kam, dass Lamborghini aufkommende Liquiditätsprobleme offenbar frühzeitig und klar erkannte. Ferrari hatte er Anfang der 1970er Jahre die vierflammigen Auspuffrohre seiner faszinierenden Feuerstühle nachdrücklich gezeigt, mochten nun andere den Kampf gegen gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen führen. Er wollte fortan vor allem Meriten als Winzer ernten. Ein Entschluss, den Lamborghini genauso konsequent verfolgte wie den Start der Sportwagenentwicklung ein Jahrzehnt zuvor.

Damals hatte Ferruccios Unzufriedenheit mit seinem privaten Ferrari dazu geführt, den absoluten Superlativ unter den schnellsten Autos zu entwickeln. Hinzu kam, dass der Landmaschinenbauer 1962 feststellte, dass sich mit manchen Bauteilen für kostspielige Autos offenbar ein geradezu luxuriöser Gewinn erzielen ließ. So berechnete Ferrari seinen Kunden den dreifachen Preis für eine Austauschkupplung genau der Art, wie sie Lamborghini in seine Traktoren einbaute. Jetzt ging alles ganz schnell. Lamborghini gab die Errichtung des damals modernsten Automobilwerks Europas in Auftrag. Außerdem engagierte er im Herbst 1962 ein Entwicklungsteam ehemaliger Ferrari-Konstrukteure, darunter den Motoren-Guru Giotto Bizzarini (Ferrari 250 GTO).

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