Geschichte

Geschichte Anne Wörner referiert beim evangelischen Helferkreis über die Gattinen von elf Männern, die einen Anschlag auf Adolf Hitler planten

Was dachten die Frauen hinter den Attentätern?

Einhausen.Plauderstündchen, Seniorennachmittage, Geburtstagsbesuche - oder historische Vorträge: Das bieten die rund 30 Frauen des Helferkreises der evangelischen Pfarrgemeinde in Einhausen. Sprecherin Anne Wörner referierte jetzt über die elf Frauen des 20. Juli 1944, deren Männer am Attentat auf Adolf Hitler beteiligt waren.

Die Grundlage für ihr Referat lieferte das Buch "Mit dem Mut des Herzens" von Dorothee von Meding, Redakteurin beim Hessischen Rundfunk. Sie hatte elf Frauen interviewt, elf Geschichten aufgeschrieben und gezeigt, inwieweit diese Frauen in die Aktivitäten des Widerstands eingebunden waren. Nach dem Attentat wurden die Ehemänner verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Die Frauen wurden meistens in ein Konzentrationslager gesperrt, die Kinder verschleppt.

Nach dem Krieg mussten alle ein neues Leben aufbauen, haben - mit einer Ausnahme - nicht mehr geheiratet, teilweise einen Beruf erlernt. Viele entstammten dem Adel, hatten Güter und Häuser im Osten, die sie verloren. Erst durch einen Entschädigungsfonds wurden sie nach dem Krieg einigermaßen finanziell abgesichert. Nicht alle Frauen waren politisch interessiert, stellte Anne Wörner klar. Nicht alle Frauen wurden von ihren Männern gefragt, ob sie dieses Opfer bringen wollten. In der Regel seien sie ihren Männern aber eine Stütze gewesen: Helferin, Sekretärin, Überbringerin von Botschaften, sie konnten schweigen.

Die Frauen hatten oft Angst, entdeckt zu werden - mit Ausnahme von Emmi Bonhoeffer, die im Widerstand aktiv war, verhielten sie sich zurückhaltend, mussten aber Opfer bringen. Die Gattin von Klaus Bonhoeffer war eine starke Persönlichkeit. Sie sprach über Juden im Konzentrationslager, kaufte bei Juden. Ihr Ehemann mahnte Zurückhaltung an. "Diktatur ist eine Schlange, man darf ihr nicht auf den Schwanz treten, man muss sie am Kopf treffen", riet er ihr.

Einige der Ehemänner hatten bereits Anfang der 30er Jahre die Idee, die Entwicklung des Nationalsozialismus zu behindern. Doch erst als die Entwicklung immer schlimmer wurde, hatten sich die Männer, etwa im Kreisauer Kreis zusammengeschlossen, ihr Attentat und organisiert. Sie wollten aber keinen "Widerstand" leisten, sondern die Ehre von Deutschland retten, erklärten ihre Frauen. ml

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