Kommentar

Fliegender Wechsel

Karl-Heinz Schlitt zur bevorstehenden Weitergabe des CDU-Landtagsmandats für den Ost-Wahlkreis von Peter Stephan zu Birgit Heitland

Wer in der Politik - zumal bei den schon lange nicht mehr so großen "Volksparteien" - etwas werden will, braucht im Regelfall einen langen Atem und muss sich meistens hinten anstellen. Seiteneinsteiger kommen selten zum Zug. So gesehen folgt der bevorstehende Übergang des CDU-Landtagsmandats für den Wahlkreis Bergstraße Ost vom Odenwälder Abgeordneten Peter Stephan zur Zwingenbergerin Birgit Heitland einem zwar nicht in Stein gemeißelten, aber häufig angewandten Gesetz.

Zehn Jahre auf der Ersatzbank

Bis zur Stabübergabe Mitte nächsten Monats hat Heitland ebenso zehn Jahre in der zweiten Reihe im Schatten des Mandatsträgers hinter sich wie Stephan selbst, bevor er 2007 seine Vorgängerin Ilona Dörr beerbte. Kleiner, aber wichtiger Unterschied dabei: Diesmal erfolgt der Wechsel fliegend, im letzten Drittel der Legislaturperiode.

Zum Nachteil gereicht dies Birgit Heitland nicht. Anders als im Bundestag rücken im hessischen Landtag beim Ausscheiden von direkt gewählten Abgeordneten nicht die Nächstplatzierten auf der Landesliste nach, sondern die sogenannten Ersatzkandidaten.

Zeit zur Bewährung

Heitland hat nun nicht nur eineinhalb Jahre Zeit, sich bis zum nächsten Urnengang im Herbst 2018 in ihrem Wahlkreis auf breiter Front bekannt zu machen und idealerweise auch zu profilieren. Sie profitiert zudem von einer parteiinternen Regel für die Aufstellung der Landesliste, deren Reihenfolge immer dann von Bedeutung ist, wenn es nicht für ein Direktmandat reicht.

Im Odenwald und in den Bergstraßen-Städten Bensheim und Zwingenberg war dies der CDU allerdings letztmals vor drei Jahrzehnten passiert, als der bodenständige SPD-Kandidat und Odenwälder Platzhirsch Heinz Fraas aus Mörlenbach die meisten Erststimmen auf sich vereinigen konnte.

Nach dieser Episode befindet sich der Osten des Kreises fest in CDU-Hand - gute Voraussetzungen also auch für Birgit Heitland. Dies gilt erst recht angesichts der Morgengabe, die ihr von ihrem Parteifreund Stephan frei Haus geliefert wird: Für die Platzierung auf der Landesliste ist der Abgeordnetenstatus nämlich Gold wert. Mandatsträger genießen bei der CDU Vorrang vor Neulingen auf der landespolitischen Bühne. Zudem wird dort mindestens jeder dritte Platz von einer Frau besetzt. Bei derzeit 47 CDU-Landtagsabgeordneten, von denen sieben nicht mehr antreten, winkt Heitland demnach auf Anhieb eine Position im 30-er-Block. Das garantiert ihr zwar noch keinen Sitz im Wiesbadener Schloss, verbessert aber die Aussichten erheblich.

Ohne Netz und doppelten Boden

Gleichwohl lässt Heitland schon jetzt keinen Zweifel daran, dass sie ein Vabanquespiel möglichst vermeiden und den Wahlkreis wie ihre christdemokratischen Vorgänger auf Anhieb direkt gewinnen will. Peter Stephan wiederum ist abzunehmen, dass er seiner Kronprinzessin dabei nicht im Wege stehen will, indem er bis zuletzt an seinem Posten festhält.

Ganz selbstlos ist der Rückzug des Odenwälders aber auch wieder nicht. Mit einem Mandat mit feststehendem "Verfallsdatum" und designierter Nachfolgeregelung hätte er leicht zur "Lame Duck" mutieren können, zur lahmen Ente, die niemand mehr für voll nimmt.

Nachtreten inklusive

Die Konsequenz, sich und seiner Partei dies nicht anzutun, ehrt Peter Stephan. Sie hält ihm aber nicht Kritiker aus den eigenen Reihen vom Leib, die es gleich gewusst haben wollen. Allen voran die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Bergstraße mit ihrem Vorsitzenden Werner Hartmann hat dem Abgeordneten schon vor seiner erneuten Nominierung vor drei Jahren unterstellt, dass es ihm damals nur um die Erhöhung seiner Altersbezüge gegangen sei. Ob das zutrifft, bleibt Spekulation und, je nach Standort, in der Bandbreite zwischen übler Nachrede und Klartext aus dem Verein für offene Aussprache.

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