Lindenfels

Geschichte In den 50er und 60er Jahren erholte sich die Lindenfelser Feuerwehr vom Krieg / Vierter Teil der Serie zum 125-Jahr-Jubiläum

Wirtschaftswunder brachte neue Ausrüstung und Fahrzeuge

Lindenfels.Nach dem Zweiten Weltkrieg lag auch die Freiwillige Feuerwehr Lindenfels in Trümmern. Der Markt für Löschgeräte war leer und auch die Personaldecke anfangs dünn. 19 Feuerwehrleute aus der Burgstadt waren im Krieg gefallen.

An Ausrüstung und Gerät waren nach den Einsätzen in den zerbombten Städten des Rhein-Main-Gebietes noch vorhanden: eine alte Zweitakt-Motorspritze auf Anhänger ohne Zugfahrzeug, ein eisenbereifter Handkarren mit Hakenleitern und einer acht Meter langen Holzleiter, zwei Dachleitern, eine tragbare Handdruckpumpe, die fahrbare Feuerlöschpumpe, die sogenannte Johannspumpe, eine 14 Meter lange ausziehbare Leiter zum Handbetrieb mit drei Meter hohen eisenbereiften Holzrädern, ein Hydrantenwagen mit altem Schlauchmaterial, Lederhelme, Steigergurte und Haken.

Die Geräte waren an verschiedenen Orten in der Stadt untergestellt, ein Feuerwehrhaus gab es zu dieser Zeit nicht. Die Einsatzkleidung der wenigen Brandschützer bestand aus alten, zweireihigen Jacken mit Messingknöpfen.

Nach der Vereinnahmung der Freiwilligen Feuerwehren für das Nazi-Regime war für die Neuaufstellung die Genehmigung der Besatzungsmächte nötig, die die Brandschützer aus der Burgstadt auch bekamen. Während die Alliierten bei vielen Feuerwehren das Führungspersonal austauschte, blieb Adam Pfeifer VII. im Amt des Stadtbrandinspektors, das er seit 1936 bekleidete.

Keine Lust mehr auf Stahlhelme

Der Wiederaufbau der Feuerwehr war für ihn keine leichte Aufgabe. Nach und nach kehrten die Lindenfelser, die an der Front gekämpft hatten, in ihre Heimatstadt zurück. Viele von ihnen hatten aber zunächst einmal ihre eigenen Probleme, sich im Nachkriegsdeutschland zurechtzufinden. Hinzu kam, dass nach der NS-Herrschaft viele von ihnen keine Lust mehr hatten, Uniformen anzuziehen und Stahlhelme aufzusetzen. Erst allmählich füllten sich die Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Lindenfels wieder.

Zu dieser Zeit lebten in der Burgstadt viele Flüchtlinge und Vertriebene. Bis 1948 gab es dort außerdem ein Lager für sogenannte Displaced Persons, also Juden, die auf der Flucht vor den Nazis ihre Heimatländer verlassen hatten.

1956 trat Adam Pfeifer VII. aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Für seine Verdienste um den Wiederaufbau der Feuerwehr wurde er zum Ehrenkommandanten ernannt. Er blieb noch einige Zeit als Rechner und Schriftführer im Vorstand.

Peter Steckel führte die Arbeit Pfeifers als Stadtbrandinspektor fort. Sein Augenmerk lag vor allem auf der Vertiefung des Ausbildungsstandes der Brandschützer. Im Zuge des Wirtschaftswunders wurde auch die Ausrüstung der Lindenfelser Feuerwehr verbessert. Die Feuerwehrleute erhielten jetzt auch neue Uniformen.

1957 und 1958 wurden zwei neue Tragkraftspritzen angeschafft. Sie kamen unter anderem bei der Trinkwasserförderung in Schlierbach zum Einsatz - die dortige Pumpanlage war damals noch nicht an das Ortsnetz angeschlossen.

Neues Fahrzeug zum Geburtstag

Peter Steckel musste, ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen, nach fünf Jahren sein Amt wieder abgeben. Ihm folgte 1961 Ernst Schnellbächer, der die Modernisierung der Feuerwehr weiter vorantrieb. Gleich bei der Amtsübernahme hatte der neue Vorstand bei der Stadt die Anschaffung eines neuen Tragkraftspritzenfahrzeugs, Marke Ford FK 1250, beantragt. Das neue Gerät wurde am 22. Juni 1962 übergeben - pünktlich zur 70-Jahr-Feier der Feuerwehr, die in einem kleinen Rahmen stattfand, wie das Lindenfelser Anzeigenblatt berichtete.

Aus vereinseigenen Mitteln kaufte die Feuerwehr im selben Jahr für 3000 D-Mark einen amerikanischen Jeep, den sie zu einem Zug- und Mannschaftsfahrzeug ausbaute. Hinzu kamen in diesem Jahr neue Arbeits- und Übungsanzüge, Feuerschutzhelme und Hakengurte sowie eine Anhängerleiter.

Wichtige Einsätze in den frühen 1960er Jahren gab es unter anderem beim Brand der städtischen Müllhalde sowie Unterstützung bei der Löschung von Scheunenbränden in Kolmbach und Glattbach und bei einem Feuer in einem Hofgut in Winkel.

Nach wie vor gab es aber keinen Punkt in der Stadt, an dem die Lindenfelser Feuerwehr alle ihre Geräte und Fahrzeuge unterbringen konnte. Im Laufe der Zeit wurde klar, dass ein Feuerwehrgerätehaus für den Brandschutz unabdingbar sei. Dieser Aufgabe widmeten sich Schnellbächer und seine Mitstreiter in den darauffolgenden Jahren.

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