Lorsch

Stadtverordnete Bürgermeister Schönung in zweite Amtszeit eingeführt / Kritik am Wahlkampfstil

Erfreut übers Ergebnis, entsetzt vom rauen Ton

Lorsch.Am 1. Juni endet Christian Schönungs erste Amtszeit als Bürgermeister. Am Donnerstag wurde der Christdemokrat von Stadtverordnetenvorsteherin für die nächsten sechs Jahre als Verwaltungschef verpflichtet. Die Zuhörer der öffentlichen Sitzung - unter anderem Familie und Mitarbeiter des Rathauschefs - spendeten ebenso wie die Stadtverordneten Beifall, als Schönung seinen Amtseid ablegte, die Ernennungsurkunde entgegennahm und sich auf auf die gewissenhafte Erfüllung seiner Aufgaben verpflichten ließ. Im Paul-Schnitzer-Saal legte ihm Ludwig-Paul auch die festliche Amtskette um.

Der Bürgermeister habe "keine große Sache" um die Amtseinführung machen wollen, erklärte Ludwig-Paul. Um diesen Wunsch zu respektieren, sei der Festakt in eine normale Stadtverordnetenversammlung integriert worden. Mit Weitblick, Fingerspitzengefühl, der guten Vorbereitung wichtiger Entscheidungen und hohem Engagement solle Schönung auch künftig weiterarbeiten, so Ludwig-Paul. "Arbeit liegt eine ganze Menge vor dir", erinnerte sie in ihrer Ansprache.

Musik für den Helene-Fischer-Fan

Das sahen die Fraktionsvorsitzenden, die gleich anschließend gratulierten, ähnlich. "Viele Großprojekte liegen vor uns", machte Alexander Löffelholz (CDU) klar, der eine Luftaufnahme von Lorsch für das Amtszimmer im Stadthaus als Geschenk mitgebracht hatte. "Eine glückliche Hand", wünschte im Namen der SPD Dirk Sander. Die kommenden Jahre würden "keine einfachen Jahre", zeigte sich Sander überzeugt. Dem bekennenden Helene-Fischer-Fan Schönung schenkte die SPD neue Musiktitel der Sängerin.

Rudi Häusler (PWL) und Matthias Schimpf (Grüne) wünschten dem Bürgermeister gleichfalls alles Gute. "Glück, Kraft, Gesundheit und den Mut, Entscheidungen zu treffen" seien ebenso wichtig wie die Fähigkeit, das Wünschenswerte vom Machbaren zu trennen, so Schimpf. Sogar ein Einhäuser trat ans Rednerpult, um persönlich Glückwünsche zu überbringen: Helmut Glanzner war eigens zur Lorscher Sitzung gefahren, um seinem Amtskollegen im Namen der Einhäuser für "tolle Nachbarschaft" zu danken. Ein Handtuch mit Einhäuser Wappen hatte er als Geschenk dabei.

In seiner Ansprache erinnerte Schönung an den Beginn seiner ersten Amtszeit. 2011 habe er im Wettstreit gegen zwei Mitbewerber einen "sehr sachlichen Wahlkampf" erlebt und im ersten Wahlgang mit 60,9 Prozent gewonnen. Dieses Ergebnis habe er "toppen" wollen. "Ich habe dieses Ziel erreicht", so Schönung mit Blick auf seine Wiederwahl mit 63,1 Prozent der Stimmen im vergangenen Dezember.

Angriffe auf Unbeteiligte

"Was mich umtreibt, ist, wie dieser Wahlkampf geführt wurde", erklärte Schönung. "Das passt nicht zu uns Lorschern", meinte er. Er beklagte "massive Angriffe" und "kein gutes Niveau". Der Ton habe sich verschärft, Unbeteiligte, etwa in der Verwaltung, seien "angegriffen" worden. Dieser Stil, der vom Magistrat missbilligt werde, habe sich auch in der Kommunikation von Bürgern gegenüber Verantwortungsträgern niedergeschlagen, berichtete Schönung von unschönen Mails und Facebook-Kommentaren.

Er hoffe, auch für die Verwaltung, dass sich der Umgangston nun wieder verbessern werde. "Ich lasse mir die Freude an den Herausforderungen nicht nehmen", betonte Schönung. Als Projekte, mit denen er sich in seiner zweiten Amtszeit befassen werde, zählte er stichwortartig auf: Kindergarten-Bau, Nibelungenhalle, sozialer Wohnungsbau, altes Feuerwehrgelände, Bahnhof-Areal und Straßensanierung. Die Nachfrage nach Flächen in Lorsch für Wohnungen und Gewerbe sei derzeit nahezu unbegrenzt. Wenn Gelände ausgewiesen werde, gehe das jedoch zu Lasten der Landwirtschaft, gab er zu bedenken. "Das müssen wir sehr gut abwägen."

Es gäbe sehr viel Anerkennung für Lorsch, so Schönung. Er wünsche sich, dass das Lob, das von außen komme, auch öfter innen zu hören sei und Positives hervorgehoben werde. Er dankte allen Unterstützern. Er werde alles tun, um die anstehenden Aufgaben zu erfüllen und stehe für alle Fraktionen zur Verfügung, versprach der 48-Jährige. Schönung fügte an: "Ich fordere alle zur aktiven Mitarbeit auf."

Stadtverordnete und Besucher waren anschließend zu einem Umtrunk eingeladen. Viele trugen sich mit Glückwünschen ins goldene Buch der Stadt ein.

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