Sportlerwahl

Sportlerwahl Otto Rau ist mit 86 Jahren ein erfolgreicher Tischtennisspieler / Weltmeister, Europameister und Deutscher Meister

Training auch mit dem Roboter

Lorsch.Sport hält jung, heißt es. Wer Otto Rau sieht, ist sofort überzeugt davon, dass das stimmt. Der Lorscher ist von der Sportkommission der Stadt für die Wahl zum "Sportler des Jahres" nominiert. Seine Mitbewerber um den begehrten Titel sind nicht nur viele Jahre, sondern sogar viele Jahrzehnte jünger als er. Und auch wenn er an den grünen Platten steht - der Altersunterschied zu Mitspielern und Gegnern ist oft enorm. Otto Rau ist ein überaus erfolgreicher Tischtennisspieler. Der Aktive ist 86 Jahre alt.

Der gebürtige Karlsbader, der seit 1946 in der Klosterstadt lebt, hat in seiner Disziplin alles erreicht. Er war Weltmeister, Europameister und acht Mal Deutscher Meister. Auch zum "Sportler des Jahres" wurde er bereits mehrfach gekürt. Erneut vorgeschlagen für die Auszeichnung ist Rau, weil er im vorigen Jahr unter anderem Sieger bei der Bezirksmeisterschaft wurde und Vize-Hessenmeister. Zudem erkämpfte er zwei dritte Plätze bei der WM der Senioren in Alicante, und zwar im Einzel und im Doppel.

Erstes Spiel am Wohnzimmertisch

Otto Rau spielt seit 67 Jahren Tischtennis. Für die allerersten Spiele wurde damals noch der Wohnzimmertisch in den Hof getragen. Oder man traf sich mit Freunden in Wirtschaften, in der längst verschwundenen "Harmonie" in der Biengartenstraße zum Beispiel. "Es gab ja noch nicht so viele Sporthallen wie heute", erinnert Rau. Bei den Matches damals war weder die Beleuchtung optimal noch der Fußboden - und auch auf die Dekoration mussten die Spieler natürlich achten, bevor sie zu einem Schmetterball ausholten.

Das erste Verbandsspiel absolvierte er 1950. Richtig mit dem Leistungssport hat der Lorscher erst als Senior begonnen, als er in Rente war. Seinen Lebensunerhalt hat Otto Rau als Briefträger verdient. Jahrzehntelang war er fast täglich über zehn Kilometer zu Fuß in Lorsch unterwegs. Bewegung hatte er deshalb schon immer etwas mehr als andere. Trotzdem hat er stets bewusst Sport auch als Ausgleich zum beruflichen Alltag gewählt. Für die Olympia-Fußballer war er als Linksaußen im Einsatz, schwimmen, Leichtathletik und radeln haben sein persönliches Fitnessprogramm ergänzt.

"Der Sport tut mir gut", hat Rau schon früh erkannt. Daran hat sich über die Jahre nichts geändert. Heute schätzt der 86-Jährige das Training noch aus einem anderen Grund: Bei den regelmäßigen Treffen zum Sport kommt man nicht nur aus dem Haus, man ist zudem mit Aktiven unterschiedlichsten Alters zusammen. Und das bedeutet: Anders als üblicherweise in Gesellschaft von Menschen 80-Plus gibt es bei Training und Wettkämpfen kaum Gespräche über Altersleiden und Gebrechen.

Bei den Hessen- oder Weltmeisterschaften tritt Rau gegen Spieler seiner Altersklasse an. Wenn Otto Rau aber in der Verbandsrunde für den TTV Topspin an den Platten steht, dann wird nicht nach Altersunterschieden gefragt. "Da musst du auch gegen Junge ran", macht der Lorscher klar - sein Gegenüber, manchmal erst Mitte 20, könnte sein Enkel sein. Die Jungen schonen ihn nicht, meint Rau.

Seit 1950 hat er keine Verbandsrunde ausgelassen. Dass das alles andere als selbstverständlich ist, weiß der Lorscher. Er empfindet Dankbarkeit für seine stabile Gesundheit und dafür, dass er von Verletzungen weitgehend verschont blieb. Dass es auch schlechte Tage gibt, verschweigt Rau nicht. Auch mit der Rückrunde war er nicht zufrieden. Sport lehrt unter anderem, Niederlagen zu akzeptieren. Er freut sich darüber, dass er zusätzlich zum Vereinstraining täglich sein Rad-Training auf dem Hometrainer und die einstündige Übungseinheit an der Tischtennisplatte durchziehen kann - mit dem Robo-Pong, dem automatischen Tischtennisroboter.

Hilfreich: Schnelle Reaktionen

Sein Sport verlangt unter anderem schnelle Reaktionen. "Das wirkt sich positiv auch aufs Leben aus", weiß Rau. So wie man beim Tischtennis absehen können muss, wohin der Ball geht, müsse man ähnlich vorausschauend etwa auch beim Autofahren reagieren können. Mit der Kondition hat er bislang keine Probleme. Außer Atem bringt ihm eine halbstündige Partie jedenfalls nicht.

Ein bisschen langsamer lässt es der zweifache Vater und Großvater inzwischen aber doch angehen. Nach einer Meisterschaft, die um 15 Uhr beginnt und die Spieler erst gegen 23 Uhr aus der Halle entlässt, fährt er nicht mehr immer umgehend noch kilometerweit nachts bis nach Hause. Auch die EM in Schweden und die WM in Las Vegas reizen Otto Rau, der in der zweiten Kreisklasse spielt, derzeit nicht so sehr.

Bei der DM will er in wenigen Wochen aber auf jeden Fall dabei sein. Sie wird im April in Baden-Württemberg ausgetragen.

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