Lorsch

Zeitzeuge Guy Stern berichtet von seinen Erlebnissen mit Nazis, von Einschüchterung, Angst und Flucht

Lorsch.Ein besonderer Gast besuchte gestern die Ausstellung "Legalisierter Raub": Guy Stern. Der amerikanische Literaturwissenschaftler jüdischer Herkunft ist ein Zeitzeuge. Das, was im Museumszentrum gezeigt wird, die Ausplünderung jüdischer Bürger, hat er selbst erleben müssen. Stern, 1922 in Hildesheim geboren, konnte 1937 in die USA fliehen. Seine Familie aber wurde deportiert, kam im Ghetto um. Wer meint, man sollte die Vergangenheit ruhen lassen, sollte Stern zuhören. Der 95-Jährige kann sehr anschaulich von damals berichten, und so Erklärungen liefern, wie Unfassbares passieren konnte. Und er betont mit Blick auf die Gegenwart: "Die Demokratie ist ein sehr, sehr zartes Gebilde." Er warnt davor, einen Verfall der Moralität zu dulden. Er weiß noch genau, wie er mit Mitschülern - auf Anweisung des Lehrers - mit Rasierklingen Seiten aus dem Geschichtsbuch schneiden musste, die den Nazis nicht genehm waren. Er kann berichten, was es heißt, als Jugendlicher wegen seines Glaubens aus dem Sportverein ausgeschlossen zu werden, er kann erzählen, wie sich Einschüchterung auf dem Pausenhof anfühlt und was Menschen machen, wenn Angst immer größer wird: Bücher verbrennen zum Beispiel. Stern ist auf Einladung von Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard in der Region. Heute wird er in Bensheim, in der Geschwister-Scholl-Schule sein. Gymnasiasten erhalten eine einmalige Geschichtsstunde. Unser Bild zeigt v.l. Joachim-Felix Leonhard, Guy Stern, Bürgermeister Christian Schönung und Thilo Figaj. sch/Bild: Neu

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