Innenstadt:
Ausstellung zu Ehren von Franz Völker im Caritas-Haus / Großformatiges Gemälde über seinen Namenspatron Franz von Sales
Bild-Szenen entdecken und verstehen
Von unserem Redaktionsmitglied Waltraud Kirsch-Mayer
Jeder kennt sie - jene russische Puppe, die sich dadurch auszeichnet, dass immer wieder ein neues Modell zum Vorschein kommt. So ähnlich verhält es sich mit dem vier Meter breiten und 1,60 Meter hohen Triptychon über den Theologen, Schriftsteller und Mystiker Franz von Sales. Jedes Mal, wenn man das von dem Mannheimer Künstler Eberhard Doser gestaltete Mammutwerk betrachtet, offenbart sich eine neue, bislang noch nicht wahrgenommene Szene. Eigentlich hängt das dreigeteilte Bild im Foyer des Franz-Völker-Hauses, wofür es Mitte der 90er Jahre in Auftrag gegeben wurde. Aber derzeit ist es Prunkstück einer Ausstellung im Caritas-Haus zu Ehren von Franz Völker, der am 25. Januar Hundert geworden wäre. Das Triptychon kündet nicht nur vom Leben und den Botschaften des Heiligen Franz von Sales (1567 bis 1622) - der linke Bildteil stellt Mannheim als einen Ort dar, in dem der Glaube seinen Ausdruck findet.
Dass der beliebte Geistliche, anpackende Caritas-Mann und prägende Dekan Franz Völker zwölf Jahre vor seinem Tod für das von ihm initiierte und nach ihm benannte Haus für betreutes Wohnen bei Eberhard Doser ein Bild über Franz von Sales anregte, hatte seinen besonderen Grund: Er empfand seinen Namenspatron als Vorbild und Inspirator. Im Caritas-Haus soll das facettenreiche Triptychon nicht nur einem größeren Publikum vorgestellt, sondern auch inhaltlich interpretiert werden. Dazu haben sich die Ausstellungsmacher einiges einfallen lassen. Theo Hipp - Pfarrer mit Medienausbildung - "entwirrt" die verschiedenen Szenen und erläutert ihre Botschaften. Zur optischen Verstärkung hat der Mannheimer Fotograf Thomas Tröster diese Bildteile als Einzelansichten "herausgeholt". In der Franz-Völker-Broschüre anlässlich seines 100. Geburtstages ist die Triptychon-Erläuterung auf sieben eindrucksvollen Doppelseiten in Wort und Bild festgehalten. Das 33 Seiten umfassende Heft, das außerdem viele Fotos und Erinnerungen von Wegbegleitern enthält, liegt im Caritas-Haus aus. Und so kann man Ausstellungsbesucher beobachten, die mit der Broschüre in der Hand vor der Riesenleinwand stehen und sich anhand der Beschreibungen das imposante Bild erarbeiten. Beispielsweise die Szene vom gespaltenen Menschen, die Theo Hipp so schildert: "Man sieht einen janusköpfigen Menschen, in der Hand eine Bombe. Von hinten greift ihm Franz durch die Armbeuge und hält neben die Bombe eine Heilige Schrift." Dargestellt ist auch die Familie des Franz von Sales, die entscheidend die Vorstellungen des gut ausgebildeten erstgeborenen Sohnes von menschlichem Handeln prägte. Auch Franz Völker betonte immer wieder, dass der Grundstein für seine caritative Grundhaltung auf sein Elternhaus zurückgehe.
Wer genau den rechten Bildteil "inspiziert", entdeckt Franz Völker, wie er einem Brautpaar den Segen spendet. Im linken Teil des Triptychons sind Mannheimer Türme im Sinne von "gebauten Glaubensbekenntnissen" verewigt: Neben Sternwarte und Jesuitenkirche prangt auch der Wasserturm. Künstler Doser bezeichnet sie gern als "Glaubenstürme".
Übrigens war die Jesuitenkirche mit rund 800 Mannheimern bis zum letzten Platz besetzt, als vor der Ausstellungseröffnung ein Gottesdienst zu Ehren von Franz Völker zelebriert wurde. Dichtes Gedränge mit rund 300 Gästen auch bei der Vernissage. Caritasvorsitzende Regina Hertlein erklärte in der Begrüßung, das hätte Franz Völker bestimmt gefallen - "er liebte Feste".
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