Reichseiner war er und "eiserner Kanzler". Abbildungen zeigen Otto von Bismarck als stattliche Erscheinung. Eisern trägt er auch häufiger einen Helm. Was man von dieser Gestalt nicht erwarten würde, haben Historiker schon gewusst: Er hatte keine tiefe, dröhnende, sondern eher eine hohe Stimme. Auf einer jetzt aufgefundenen Tonaufnahme aus dem Jahr 1889 überrascht die Stimmlage dennoch, weil der Mann, der kaum das Schaben, Rauschen, Knistern zu übertönen vermag, auch sehr verhalten klingt. Vielleicht traute Herr Bismarck der neuen Technik des Phonographen nicht.
Überraschend auch, was er spricht: Verse eines amerikanischen Liedes, von Uhland, aus dem Studentenlied "Gaudeamus igitur" - und aus der "Marseillaise" des "Erbfeinds" Frankreich. Folgt noch der Ratschlag eines Vaters an den Sohn, nur maßvoll zu trinken. Hat sich der Eiserne einen Jux gemacht? Der wäre vollkommen, wenn stimmte, was über den Fund teilweise berichtet wurde - dass er auch bismarckhaftig singen würde. Bis dies ein deutscher Spitzenpolitiker öffentlich tat, mussten noch 84 Jahre vergehen - dann trällerte der nachmalige Bundespräsident Walter Scheel "Hoch auf dem gelben Wagen". Thomas Groß
Bismarck spricht unter: www.morgenweb.de/kultur
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