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Das Porträt: Der Mannheimer Autor Klaus Servene schreibt Prosa, Lyrik, Hörspiele und Theaterstücke – außerdem ist er noch Verleger:

Dem Leben die Stirn bieten

Helga Köbler-Stählin

Schuld an allem ist seine Krankheit. Zum Glück ist Klaus Servene wieder wohlauf, aber sein Leben hatte sich mit dem nahen Tod geändert. "Ich begann wieder zu schreiben", sagt der heute 59-Jährige und lächelt. Entspannt erzählt er vom Unglück, das ihn 1995 ereilte, und vom Glück, das es in vielfältigen Formen gibt. Nicht nur die Genesung ist gemeint, auch das Wandern durch Lebenstäler oder das wahrhaftige Reisen in fremde Orte und ferne Länder.

1967, als Belohnung für das bestandene Abitur, genehmigten ihm seine Eltern eine Reise nach Hammerfest. Servene trampte mit einem Freund vom Hunsrück in den hohen Norden, und Jahre danach schrieb er von den schönsten Frauen, von atemberaubenden Wasserfällen und Gletschern, mitten im Sommer.

Aber auch von zügelloser Erotik, von Spelunken und Kneipen, wo sich eine seiner Figuren am wohlsten fühlt; von seinen Reisen, die in alle Himmelsrichtungen führten und von zweien, die erst in Indien endeten. In seinen Erzählungen und Romanen schickt der Autor seine Helden abermals hinaus, aber ohne dass bei ihnen Träume wahr würden.

Schweres Schreiben

Es ergibt sich einfach, dass sie hier oder dort leben, Gewürze verkaufen, Koranschulen besuchen oder in Moskau studieren. Manchmal sind es auch nur Gedanken, die zurückwandern: in die Jugend, wo man im Dorf lebte, in die Stadt, wo die Universität stand, oder zum Arbeitsalltag in Küstenorten und Großstädten. Es sind viele biografische Elemente und fiktive Personen, die der Autor "locker verbindet", wie er sagt. Servenes Protagonisten kämpfen und bieten dem Leben die Stirn.

Auch er habe ohne Rücksicht auf die eigenen Ängste zu schreiben begonnen. "Willst du schweigen oder was sagen", machte er sich Mut und begann gleich mit einem Roman. "Der Hitzkopf", 1997 begonnen, ist 2007 in der 6. Auflage erschienen. Trotz seines Germanistikstudiums, so erzählt er in akzentfreiem Norddeutsch, habe er sich gewundert, wie schwer literarisches Schreiben sei. Man grübele über Ausdrucksformen, recherchiere und müsse das erarbeitete Wissen mühelos scheinend einbauen. Dass ihm das wirklich gelingt, bestätigen die Preise, die er für seine Literatur erhält.

Seine Schauplätze menschlicher Hoffnungen und Ängste, seine Dramatik in alltäglichen Geschichten, der geschilderte Zerfall von Sozialstrukturen sind es, die Juroren überzeugen. Gerade erhielt er den 2. Preis beim Literaturwettbewerb der Gemeinde Stockstadt am Rhein für seine Kurzgeschichte "Lebenslinien". Sie erzählt von Wirtschaftskriminalität, vom Abstieg eines millionenschweren Lackierbetriebinhabers, dessen Frau die halbe Welt betrogen hat und die nun im Knast sitzt. Mit "Nachtbilder"-Lyrik wurde Servene im Jahr 2009 ausgezeichnet und konnte sich über den 1.Preis vom Verband katholischer Schriftsteller Österreichs freuen.

Der Wahl-Mannheimer könnte noch mehr Erfolge nennen, aber er bleibt bescheiden. In Ruhe trinkt er seinen Cappuccino. Dabei fliegen seine Gedanken davon. Sie sind schon weiter, bei kleinen Mosaiksteinchen, die er zum Erzählband formen will. Servene beobachtet Menschen. "In der Straßenbahn oder als Fußgänger wird der Blick intensiver", sagt er. Ohne Auto bekomme man eine ganz andere Sicht auf die Stadt oder auf einen Bettler, der am Straßenrand sitze. Für Momente scheint es in ihm zu brodeln, irgendwo zwischen Kopf und Herz, wo er die realen Personen schon wieder auf Reisen durch erdachte Geschichten schickt.

"Im kurzen Roman vom Fell" beispielsweise hat Servene im Jahr 2007 das Schicksal von Patrick du Trou zum literarischen Leben erweckt. Ein Leben, das tragisch endete, weil sein Name mit dem des Kinderschänders Marc Dutrox verwechselt wurde. Auch hier ist Servene Erfinder und Dramaturg zugleich, der sich Gedemütigten, Verletzten und Zerstörten widmet. Ganz nebenbei leitet er einen Verlag, ist Theaterstück-Schreiber, Autoren-Entdecker, Sprecher eines Hörbuches, Moderator und Herausgeber. Doch das ist eine andere Geschichte.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 07.04.2010
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