Carmen Trommler
Mannheim. Harry Wörz ist rastlos. Unruhig tigert er durch die Vorhalle des Mannheimer Landgerichts, bläst seine Wangen auf, atmet hörbar aus. "Das ist so anstrengend", raunt er einem Bekannten zu, lässt den Blick nachdenklich schweifen.
Ja, die Suche nach der Wahrheit ist mühselig - nicht nur für Wörz, sondern für alle Beteiligten, auch für den früheren Schwiegervater des Angeklagten. Dieser sagt gestern als einer der ersten Zeugen in Saal 1 des Gerichts aus.
"Die Tat holt einen immer wieder ein. Ich habe versucht zu vergessen, aber es ist immer im Kopf", sagt der 61-jährige Rentner, Vater von Andrea Z., der seit der Tat schwerbehinderten Tochter. Er beschreibt mit klarer Stimme, wie sie per Sonde Medikamente erhält, wie sie in "ihrer traurigen Phase" ihr Frühstück ausspuckt und an schlechten Tagen nur widerwillig zu Bett geht. Erzählt von den Pflegern der Diakonie, die jeden Tag kommen, um seine 38-jährige Tochter zu waschen. Und dass man "seine Andrea" wickeln muss. Sie ist schwer geschädigt seit der Nacht vor zwölf Jahren, als jemand versuchte, die damals 26-jährige Polizistin in ihrer Wohnung in Birkenfeld bei Pforzheim mit einem Schal zu erdrosseln. Der Sauerstoffmangel verursachte schwere Hirnschäden.
Doch wer ist der Täter? Weil der Vater des Opfers der erste am Tatort war, zählte er zu Beginn der Ermittlungen zu den Verdächtigen - wie auch Harry Wörz und der damalige Geliebte von Andrea Z. Der Bauzeichner Wörz bestreitet die Tat seit zwölf Jahren. Die Richter am Landgericht Karlsruhe entschieden anders: 1998 wird der 42-Jährige nach viertägiger Verhandlung wegen versuchten Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt. Er sitzt einen Teil der Strafe ab. Ein Wiederaufnahmeverfahren endet vor dem Landgericht Mannheim mit einem Freispruch. Der Bundesgerichtshof (BGH) sieht jedoch "durchgreifende Rechtsfehler" und ordnet 2006 eine Neuauflage des Prozesses an. Nun wird in Mannheim erneut verhandelt.
Der Vater des Opfers macht auch diesmal vor Gericht kein Geheimnis daraus, dass ihm die Beziehung seiner Tochter mit Wörz nicht gefiel. Der ganze Umgang mit den "schludrig angezogenen" Motorrad-Leuten habe ihm nicht zugesagt. Seinen Blick richtet er dabei stur auf die Richter. Wörz hingegen schüttelt verärgert den Kopf. Immer wieder hält er es so während der stundenlangen Aussage des Rentners.
Akribisch geht die Kammer um den Vorsitzenden Richter Rolf Glenz jeder Unklarheit nach. Die Fragen kreisen um eine Plastiktüte am Tatort samt Zigarettenschachteln und einem Tuch, um Scherben im Flur und darum, wie der Vater die Tochter aufgefunden hat. Auch der 61-jährige Pensionär hat Erinnerungslücken. Oft stehen Verteidigung und Anklage am Richtertisch und studieren Fotos von Beweisstücken oder vom Tatort. Damals habe einiges in "dieser elenden Geschichte" keine Bedeutung gehabt, was heute wichtig erscheint, sagt der Pensionär.
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