Formel 1:
Sebastian Vettel macht in Heppenheim sich und seine Anhänger glücklich
Extra-Runden für die Fans
Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger
Heppenheim.
Der Weltmeister schiebt Überstunden. Während am Europaplatz in Heppenheim die Lichter langsam ausgehen, steht Sebastian Vettel an den Absperrgittern vor seinen Fans, schreibt Autogramm, lächelt in Kameras und blickt in strahlende Gesichter.
Eines davon gehört Eileen. Die Elfjährige wartet seit Stunden mit ihrem Vater in der Nähe der Bühne. Eine dicke Mütze auf dem Kopf, den riesigen blauen Vettel-Stofffinger an der Hand. Sie ist müde, ihr ist kalt, aber ohne die Unterschrift ihres Idols will sie nicht nach Hause. "Papa, der kommt gleich her!"
Mit einem Stift in der Hand befindet sich die Schülerin plötzlich in der Pole Position. Der Formel-1-Star nähert sich, greift nach dem Stift und signiert ihr Fan-Utensil - ein kurzer Augenkontakt inklusive. Eileen ist überglücklich und tritt den Heimweg an.
Glücklich sind die meisten der 30 000 Menschen, die am Samstag vor den Toren der Kreisstadt mit Sebastian Vettel seinen zweiten Titel feiern. Bereits um 7 Uhr sind die ersten Zaungäste vor Ort, um sich die besten Plätze zu sichern. Wenn der Lokalmatador kommt, herrscht in Heppenheim eben Ausnahmezustand. Was den Hauptdarsteller aber immer wieder überrascht: "Wenn da so viele Leute stehen und gucken Dich alle an, das ist schon ein bisschen komisch. Seid ihr alle wegen mir da?"
Ein bisschen gerührt
Der Jubel, der ihm entgegenschlägt, ist Antwort genug. Aufgeregt ist er, ein bisschen gerührt und fast sprachlos, als er aus seiner "Kinky Kylie" steigt, die er mit qualmenden Reifen und röhrendem Motor durch die extra eingerichtete, 400 Meter lange Heldengasse gesteuert hat. Aber Vettel braucht nicht lange, um sich zu akklimatisieren. Er scherzt mit den Moderatoren Felix Görner und Joko Winterscheidt, gerät ins Schwärmen über seinen Heimatort und verrät Details über sein Verhältnis zu seinem Rennwagen. "Allzu intim ist die Beziehung nicht. Aber ich denke, wir sind beide zufrieden."
Weitere Intimitäten plaudert der ehemalige Formel-1-Fahrer David Coulthard, einer der Ehrengäste, aus. "Er hat so sanfte Lippen", lässt der heuteige BBC-Kommentator die weiblichen Fans wissen. Der Schotte muss es wissen, schließlich hat Vettel ihm vor ein paar Wochen in Japan im Überschwang nach seinem WM-Titelgewinn einen Kuss aufgedrückt.
Coulthard kam wie DTM-Champion Martin Tomczyk direkt vom Hockenheimring, wo am Wochenende das Finale der DTM ausgetragen wurde. Beide gratulierten ihrem Kollegen zu seiner sensationellen Saison in der Königsklasse. "Es war eine Freude, ihm zuzuschauen", bemerkt Tomczyk.
Das war auch bei der samstäglichen Party so. Vettel versteht sich als sympathischer Gastgeber, der sogar eine Erklärung liefert, warum er ausgerechnet beim Großen Preis von Deutschland am Nürburgring das Podium verfehlte. "Wären wir bei 35 Grad in Heppenheim gefahren und nicht bei minus zwei Grad in der Eifel, dann wäre die Kiste auch besser gelaufen."
Bevor er Mitte Dezember seinen Weltmeister-Pokal in Empfang nehmen darf, gibt es in der Heimat Geschenke. Heppenheims Bürgermeister Rainer Burelbach überreicht ein Mountainbike, der Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes einen handgefertigten Schlüsselkasten, der stellvertretende hessische Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn schenkt ihm ein Nummernschild der Hessischen Landesregierung (HEL) mit dem Schriftzug "HEL-VETTEL". Mit den Söhnen Mannheims und Vettel als DJ am Mischpult endet nach drei Stunden der offizielle Teil - aber nicht für den 24-Jährigen. Der dreht mit dem Stift in der Hand Extra-Runden.
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