Hardheim

Tonträger erschien vor 40 Jahren Auf der Single sind der Gesangverein "Liederkranz", der Schülerchor, der Musikverein und die Glocken der Albanus-Kirche zu hören

Hardheim grüßte auf Schallplatte musikalisch

Die Älteren können sich noch gut erinnern, den jüngeren Mitbürgern dürfte es nicht bekannt sein: Es gibt eine Hardheimer Schallplatte.

Hardheim. Zu den erfolgreichsten Schallplattenproduktionen des Jahres 1976 zählen so beliebte Evergreens wie die "Dolannes-Melodie" von Jean-Claude Borelly, "Daddy Cool" von Boney M. oder auch "Fernando" von ABBA. Sie alle wurden millionenfach verkauft. Vergleichsweise gering mutet die Auflage eines anderen, aber aus "Hordemer" Sicht ungleich interessanteren Tonträgers aus schwarzem Vinyl an: Von "Hardheim grüßt mit Musik, Gesang und Glockenklang" wurden 500 Exemplare gepresst.

Die Fränkischen Nachrichten trafen sich mit dem seinerzeitigen Ideengeber Friedhelm Bräuer sowie Orgelbauermeister Hans Theodor Vleugels, der die Schallplatte als 20. Eigenwerk in Rüdental produzierte.

Die Geschichte des Tonträgers begann 1975: Für den Gesangverein "Liederkranz" fragten der damalige Vorsitzende Erich Roth sowie Dirigent - heute Ehrendirigent - Friedhelm Bräuer bei Vleugels nach der Möglichkeit, eine solche Platte aufzunehmen. "Am 6. Juni 1975 trafen sich dann mit dem Schulchor, dem Musikverein und den Sängern des 'Liederkranzes' alle beteiligten Ensembles im großen Saal der Erftalhalle", blickt der heute 80-jährige Bräuer im FN-Gespräch zurück.

Hans Theodor Vleugels habe sich damals über "allgemein sehr großes Interesse aller Mitwirkenden" sehr gefreut, wie er betont: "Für alle war es die erste derartige Aufnahme und etwas ganz Neues."

So traf man sich am Nachmittag, um gleich mit akustischen Problemen konfrontiert zu werden: "Die Decke war noch sehr schlecht gedämmt", erinnert sich Vleugels und erklärt, die Aufnahmeversuche einige Male unterbrochen zu haben. "Am Ende dauerten die Aufnahmen etwa zwei Stunden lang", erklärt er.

Friedhelm Bräuer, der seinerzeit am Piano saß, kann das bestätigen: "Die Leute waren aber trotz technischer Probleme Feuer und Flamme für das Einsingen, zumal von musikalischer Seite alles klappte, nachdem man speziell für die Schallplattenaufnahmen des Öfteren geprobt und die Lieder einstudiert hat", so der pensionierte Lehrer. Gerne denkt er auch an die Musikauswahl zurück: "Das Hardheimer Heimatlied von Hans Scheibel und 'Auf, du junger Wandersmann' hatten wir sowieso im Repertoire. Beide Lieder boten sich für dieses Projekt in besonderem Maße an."

Anektoden von damals

Hans Theodor Vleugels kommt im Gegenzug auf eine Eigenheit zu sprechen, die im Zeitalter von CDs und MP3-Dateien vielen kaum noch bekannt sein dürfte: "Man durfte nicht außer Acht lassen, dass die auf 45 Umdrehungen abgespielten Sieben-Zoll-Singles auf beiden Seiten annähernd dieselbe Spielzeit aufwiesen", erklärt er.

So ergab sich auch der erste "Track": Man hört keine Musik und keinen Gesang, sondern das am 9. Februar 1976 aufgenommene charakteristische Läuten des Erftaldoms. "Das ist auch so ein Kapitel", lacht der inzwischen 85 Jahre alte Vleugels und gibt eine Anekdote zum Besten: "Ich stand mit dem Messwagen auf dem Kirchplatz und hatte 120 Meter Kabel verlegt, um das Geläut aufzunehmen. Allerdings war das durch den Verkehrslärm der damals schon pulsierenden Wertheimer Straße doch deutlich schwerer als zunächst vermutet.

Das sprichwörtliche 'Ende vom Lied' war, dass die Aufnahme für die auf der Schallplatte 108 Sekunden lang zu hörenden Glocken über zwei Stunden lang dauerte."

Der Rest war nur noch "Formsache" und fand fast ausschließlich im mobilen Studio statt, das Hans Theodor Vleugels in Rüdental betrieb: Am 17. Februar 1976 überspielte er die im rauschunterdrückten Dolby-A-Verfahren überspielten fertiggestellten Masterbänder auf Matrizen, die wiederum an den Tonträgerhersteller Pallas im niedersächsischen Diepholz gesendet wurden.

Hier nutzte Vleugels bestehende Kontakte aus früheren Tagen: "Die Verbindung zu Pallas ergab sich über meine frühere Zusammenarbeit mit dem Ludwigsburger Tonstudio Bauer." Am 5. April 1976 trafen die 500 bestellte Vinylplatten in Rüdental ein. "Allerdings hatten wir noch keine Hülle", fügt Friedhelm Bräuer und bringt den Namen des unvergessenen Herbert Maring (1923-2012) ins Spiel: "Den Druck der Cover, deren Design wie auch der Titel unserer Platte schon vor der eigentlichen Aufnahme feststand, übernahm die Firma Maring."

Drei Sonderexemplare

Bräuer erinnert sich an eine "tolle Zusammenarbeit, die jedem von uns Freude bereitete". Ein kleiner "Schildbürgerstreich" wurde jedoch gewagt: "Drei Hüllen weisen eine andere Beschriftung auf", gibt Vleugels bekannt und holt seine eigene Platte. Und in der Tat: Der Hinweis "An den Glocken Johann Schäfer" ziert lediglich jene Exemplare, die in die Archive von Hans Theodor Vleugels, Herbert Maring und Pfarrer Schäfer wanderten. "Wir besitzen also absolut exklusive Raritäten", merkt Vleugels augenzwinkernd an.

Die Platte habe seinerzeit ein gutes Echo bei den Bürgern gefunden. Auch der Absatz sei gut gewesen. Und wie aus den Notizen von Hans Theodor Vleugels hervorgeht, fand im Januar 2008 sogar ein Tonträger den Weg ins Erfatal-Museum.

Würde man ein ähnliches Projekt heute wieder durchführen? "Definitiv, denn es würde mir so viel Spaß bereiten wie damals", sagt Hans Theodor Vleugels. Die Musik hält jung." Auch Friedhelm Bräuers Antwort ist klar: "Auf jeden Fall", nickt er und eilt fröhlich zum Plattenschrank. Er fischt eine schlichte, weiße Hülle mit Hardheimer Wappen heraus und legt sie auf, ehe das noch heute täglich erklingende Glockengeläut der Pfarrkirche St. Alban durch das Wohnzimmer schallt.