Wertheim

Waldkindergarten Theater, Schwimmbad oder ein Besuch bei der Polizei - in Waldenhausen versucht man alle Begebenheiten auszunutzen

"Wir sind wie eine Großfamilie"

Archivartikel

Kälte kann den Kindern des Waldkindergartens nichts anhaben. Eine Kooperation mit dem Sprachheilkindergarten und viele Eltern tun ein Übriges, dass jeder Tag ein Erlebnis wird.

Waldenhausen. "Guck mal, was ich gemacht habe." Clemens zeigt Brigitte-Rosa Reitlinger seinen geschnitzten Stock und grinst über beide Backen. Zu seinem fünften Geburtstag hat er sein Schnitzmesser geschenkt bekommen. Heute hat er voller Stolz damit einen Speer hergestellt. "Riech mal da vorn an der Spitze", fordert die Kindergartenleiterin auf. Clemens hält seine Nase an das Holz: "Riecht irgendwie nach Frühling", sagt er und Brigitte-Rosa muss lächeln. Sie sitzt auf einer Holzbank, schaut hinunter Richtung Bauwagen.

Vor dem Bauwagen haben es sich an einem Tisch Lara, Emilia und die Praktikantin Annkathrin Klee gemütlich gemacht. Sie bauen bunte Stecken. Weiter oben im Areal hängen ein paar Kinder in den Kletterseilen. Auf dem großen Platz wird gerade gekickt. Heute ist hier ordentlich was los. Nicht nur weil das Wetter es zulässt und der Frühling für ordentlich Lust an Bewegung sorgt, sondern auch, weil der Sprachheilkindergarten Waldenhausen zu Besuch ist. Auf die Frage, ob der Winter für die Kinder des Waldkindergartens besonders schwierig ist, muss die Leiterin den Kopf schütteln. "Das ist wie beim Skifahren. Dick anziehen und los geht's. Dann durchwandern wir die Schluchten in der Nähe, machen weite Ausflüge zu Fuß und viele Bewegungsspiele", erklärt Brigitte-Rosa Reitlinger. Über den heißen Tee und die Suppe freuen sich nach solchen Wanderungen an "bibberkalten" Tagen dann alle riesig. Der beheizbare Bauwagen wird auch schon mal genutzt. Malen mit Fr. Brödermann im Sprachheilkindergarten, Kochen bei Bernd Maak zuhause und ein Schwimmbadbesuch stehen im Winter auf dem Programm, neben ausgiebig toben im Wald - versteht sich.

Dick anziehen wichtig

Durch den Bus sei man flexibel, könne mit den Kindern nach Würzburg ins Theater oder einen Papa auf der Arbeit besuchen. Auch das gehört zum Tagesablauf des Waldkindergartens. Erst an diesem Morgen war man in Dörlesberg und schaute dem Bäckermeister in Backstube zu, wie er aus dem Teig leckere Brötchen machte.

Der Waldkindergarten Waldenhausen wurde im Jahr 2000 auf Betreiben von Brigitte-Rosa Reitlinger und Monika Häfner gegründet. Brigitte-Rosa Reitlinger ist ausgebildete Kindergärtnerin. "Nach zwei Jahren in einem Regelkindergarten, habe ich gedacht, dass es auch anders gehen kann", erklärt sie die Beweggründe. Den Titel Erzieherin mag sie übrigens nicht.

"Meine Arbeit hat mehr mit gärtnern, als mit ziehen zu tun", schmunzelt sie. Zehn Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren werden von den beiden Kindergärtnerinnen, drei Auszubildenden und der Praktikantin betreut.

Dass aufgrund der Größe ein enges, fast familiäres Verhältnis entsteht, ist sofort einleuchtend. "Ich hätte früher nie gedacht, dass eine Gruppe sich so autonom organisieren kann", sagt Reitlinger und schaut in die Runde. Ein Mädchen bürstet mit Hingabe die Hündin Lucky, ein paar Buben holen Wasser zum Matschen, als sich die Kinder des Sprachheilkindergartens auf den Heimweg machen.

Schon seit zehn Jahren besteht die Kooperation zwischen den beiden pädagogischen Einrichtungen, die für beide deutliche Vorteile liefert.

An bitterkalten Wintertagen starten die Kinder des Waldkindergartens schon mal im Sprachheilkindergarten, während die Kinder des Sprachheilkindergartens mindestens einmal im Monat den ganzen Tag hier oben im Wald verbringen. "Bei schönem Wetter sind wir natürlich öfter hier ", lacht eine Mama und winkt zum Abschied. Inzwischen sind die bunten Stecken fertig. Die Kinder haben frisches Grün an die oberen Enden gebunden und Filzhütchen draufgesetzt. Die dicken Winter-Jacken der Kinder hängen zum ersten Mal über den Bänken.

Warm ist es geworden. Selbst die betagte Retriever-Hündin Lucky ist richtig gut drauf, hebt ihre Nase und schnuppert. Genau wie Clemens stellt sie fest, es riecht nach Frühling.