DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Mittwoch, 23.04.2014

Suchformular
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Getränke: Auf dem Klosterhof in Heidelberg-Ziegelhausen kreiert Hans-Dieter Jesse ganz eigene Rezepturen

Bierbrauen als Lebenstraum

Von unserem Redaktionsmitglied Ulrich Verthein

Das Bier vom Klosterhof hat inzwischen eine stetig wachsende Fan- Gemeinde. Rechts Braumeister Jesse mit prüfendem Blick.

© Rinderspacher

Die Brauanlage kam aus Mallorca vor die Tore Heidelbergs.

© Rinderspacher

Heidelberg-Ziegelhausen. Wenn es Hans-Dieter Jesse gerade mal wieder packt, denn setzt der Braumeister die Familie ins Auto und düst mit ihr zu einem schönen Ausflug in die knapp 300 Kilometer entfernte Hallertau. Dort zupft er sich ein paar Hopfendolden und kehrt glücklich aus Bayern in die Bio-Brauerei zum Klosterhof in Heidelberg zurück.

Mit besten Zutaten ausgestattet, macht sich der 39-Jährige dann ans Werk. Jesse kreiert für sein Leben gern Biere. Wobei sich zwangsläufig die Frage stellt, was sich angesichts von ausschließlich vier Zutaten (Wasser, Hopfen, Malz und Hefe) groß an Rezepturen entwickeln lässt. Eine ganze Menge, wie Jesse unter Beweis stellt. Pils, Weizen, Helles und Dunkles mögen als Sorten Standard sein, sind aber in einer Brauerei mit einem Jahresausstoß von 3500 Hektolitern mit den Produkten von Großbrauereien nicht zu vergleichen. Dazu kommen noch saisonale Tröpfchen wie Weizen- oder Mai- oder Adventsbock.

Und - als Kreation der ganz besonderen Art - die Siegelbiere, bei denen der Gerstensaft in Holzfässern reift, in welchen zuvor Sherry, Brandy, Whiskey oder (hier allerdings nur ganz kurz) ein Wein ihrer Bestimmung entgegensahen. In der 0,75-Liter-Flasche mit Champagner-Korken und vergoldetem Draht verschlossen kostet solch ein Edel-Tröpfchen im versiegelten Geschenk-Karton 22,30 Euro.

Brauerei Klosterhof

Klosterhof Neuburg, Stiftweg 4, 69118 Heidelberg-Ziegelhausen.

Idealerweise verkostet man Hans-Dieter Jesses Produkte im Brauerei-Ausschank direkt vor Ort. Die Biere werden auch im Lebensmittelhandel geführt und Gaststätten ausgeschenkt. Adressen finden sich gut strukturiert unter www.brauerei-zum-klosterhof.de

Schon früh im Leben ist Jesse von der Idee beseelt, Bier zu brauen. Nach der Schule geht er zu Welde in die Lehre, ehe es den gebürtigen Mannheimer als Geselle zu Eichbaum zieht. "Doch ich wollte immer schon eine eigene Brauerei haben. Mich dort ausleben. Eigene Biere schaffen", sagt er. Mit 24 ist er Meister seiner Zunft und seit 2009 kann er seinen Lebenstraum auf dem Klosterhof von Stift Neuburg verwirklichen.

Leidenschaft treibt ihn dabei an. Jesse räumt ein, im positiven Sinne ein wenig verrückt zu sein. Und warum nun bei einem Produkt, das schon durch ein Reinheitsgebot geregelt wird, auch noch Bio? "Besonders beim Hopfen ist das wichtig", klärt Jesse auf. "Ein Pflanze, die im Jahr acht Meter wächst, entzieht dem Boden viele Nährstoffe, folglich wird mächtig gedüngt." Da ist es dann schon gut, wenn man seinen eigenen Hopfen-Bauern hat, der nicht minder positiv verrückt ist, seine Pflanzen mit Brennnesseltee besprüht und Bodenpflege nach dem Moto betreibt: "Da unten leben Millionen von Lebewesen. Wenn ich für die Sorge, sorgen die für mich."

Manchmal mehrmals am Tage führt Hans-Dieter Jesse Besucher-Gruppen durch sein kleines Reich. Da ist er ganz in seinem Element, lässt seine Gäste auf Malz herumkauen, zerbröselt zu Pellets gepressten Standard-Hopfen in der Luft. Bei einem Härtegrad von 6,7 ist das Wasser in Ziegelhausen geradezu prädestiniert fürs Brauen, hier muss nicht erst enthärtet werden. Und schon gerät Jesse wieder ins Schwärmen. "Im Bier sind 30 Vitamine und Spuren-Elemente. Schon früher hat man gewusst, dass es zarten Huf und Haut und auch ein glänzendes Fell macht", lacht er.

Früher, zu mittelalterlichen Zeiten, hätten die Menschen zwei bis sieben Liter davon am Tag getrunken, verrät der Braumeister. Es hatte allerdings maximal zwei Prozent Alkohol, aber den Vorteil, dass es im Gegensatz zum oft verseuchten Wasser keine Gefahr darstellte. Hopfenblüten-Tee zur Cholera-Prävention. "Im Bier können keine Keime überleben", streicht Jesse heraus.

Qualität setzt sich durch

Pro Kopf zwei bis sieben Liter täglich - von solchen Absatzzahlen könne die Brauereien heute nur träumen. Doch der Geschäftsführer Jesse, der die GmbH 2009 mit seinem Partner Rolf Schmiedgen gründete, ist mit der Entwicklung zufrieden. Das finanzielle Risiko war nicht unerheblich, obwohl sie günstig an die Brauerei-Anlage des "Wurstkönigs von Mallorca" kamen, der auf der Sonneninsel mit Lizenzierungsproblemen zu kämpfen hatte.

Anfangs waren die Nächte unruhig. Der Markt ist hart umkämpft. Mit den Preisen der Groß-Brauereien kann der Produktentwickler vom Klosterhof nicht mithalten. Aber inzwischen hat sich die Qualität durchgesetzt. Gastronomie und Lebensmittel-Handel haben Jesses Spezialitäten für sich entdeckt - und der kann längst schon wieder ruhiger schlafen. Wenn er nicht gerade von neuen Bier-Rezepturen träumt.

Freitag, 16.11.2012
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden
 
 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR