DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Mittwoch, 17.09.2014

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Schicke Hochstapler

Von Uta Abendroth

Immer öfter steht eine Etagere auf der Tafel. Das stilvolle Objekt ist eine simple Ablagefläche beim Frühstück und fürs Tee-Gebäck. Beim Design werden inzwischen mutige Schritte gewählt. Zweckentfremdet dient die Etagere auch als Gestell für Schlüssel oder Schmuck.

Alle Snacks auf einen Blick: Etageren wie das Modell "Update" von Kahla setzen sich aus mehreren Tellern auf verschiedenen Ebenen zusammen. Die Teller der Etagere "Babell" von Koziol (re, oben) wurden aus Kunststoff gespritzt und stecken ineinander, während "Gourmet" von Asa Selection zwei beschreibbare Schieferplatten hat. (Bilder: dpa)

Wenn die Tage kurz und kalt sind, trösten die Menschen sich gerne mit geselligen Runden und gutem Essen über mangelndes Sonnenlicht und Wärme hinweg. Nun lockt heißer Tee mit all seinem behaglichen Drumherum. Die Briten machen es vor: Sie zelebrieren den Nachmittagstee. Alle Geschmackssinne sollen angesprochen werden, und deshalb gibt es zum Tee Süßes und Salziges, Fingersandwiches und Scones, Gebäck und Pralinen. Besonders gut zur Geltung kommen diese Köstlichkeiten auf einer mehrstöckigen Etagere.

"Für mich gibt es keine schönere Präsentationsform der Speisen als auf einer Etagere", sagt die Hamburger Wohnstylistin und Bloggerin Clara Kirchner. "Optisch kann man so auf dem Tisch eine schöne Höhe erzeugen, und es spart Platz auf der kleinsten Tafel." Sie erkennt darin einen echten Trend. "Für mich sind Etageren unverzichtbar", sagt die Wohnexpertin.

Im Barock, als große Feste veranstaltet wurden, die der Darstellung fürstlicher Pracht dienten, kam die Etagere erstmals in Mode. Sie wurde zum Servieren von Speisen genutzt. Der Begriff beruht auf dem französischen étagère und bedeutet Gestell. Diese Art Mini-Regal setzt sich aus ein, zwei oder sogar drei Etagen zusammen.

Praktisch und elegant

Teller, Schalen oder sogar Tassen werden zu mehreren Ebenen übereinandergestapelt. Die Ablagen werden von unten nach oben immer kleiner. Sie sind entweder in der Mitte durch einen Stiel verbunden, oder ein Metallgestell hält sie. Etageren haben oben meistens einen Griff oder Knauf, an dem sie bequem getragen werden können.

Etageren sind nicht nur ein praktischer Gebrauchsgegenstand, sondern auch eine elegante Dekoration. Und es gibt sie derzeit in einer großen Vielfalt: mal nostalgisch, mal schlicht, mal in futuristischem Design und aus allen möglichen Materialien wie Beton, Schiefer, Porzellan, Holz und Glas. Die Ebenen sind nicht mehr ausschließlich rund, sondern auch eckig oder oval.

Die Etagere "Gourmet" von Asa Selection besteht aus zwei eckigen Schieferplatten an einem Edelstahlstiel. Sie wird mit einem Stück Kreide und einem Schwämmchen geliefert. Liegt etwa Käse darauf, kann man die Sorte daneben schreiben. Bei dem Entwurf "365+" der Stockholmer Designerin Lovisa Wattmann für Ikea lassen sich die drei Glasteller abnehmen, neu kombinieren und in der Höhe verändern.

Die Marke Rice, bekannt für nostalgische Objekte, hat ein handbemaltes Metallgestell mit Blumendekor und Ziervögelchen. Bloomingville führt eine Etagere im Retro-Look im Programm: Die Stange ist geschwungen, und die silberfarbenen Teller zieren Ornamente. Schlicht weiß ist die Etagere des Services "Update" der Porzellandesignerin Barbara Schmidt für Kahla. Ihre Serie mit multifunktionalem Geschirr ist in Bars und Bistros beliebt. Da gehört inzwischen eine Etagere fast zwingend dazu: "Nichts sieht schöner aus, als wenn sich Brötchen, Marmeladen und Obst zum Frühstück auf einer Etagere türmen", sagt die Trendkennerin Clara Kirchner.

Die schwedische Designerin Stina Sandwall hat sich von der üblichen Anordnung der Ebenen distanziert. Die Flächen ihres "Cookie Tray" für Asplund sind höhenversetzt nebeneinander statt übereinander angeordnet. "Ich wollte ein verspieltes Produkt entwerfen, das als ein expressiver Teil von einem größeren Ganzen funktioniert. Ein Objekt, das für sich gut aussieht, aber eben auch toll mit Snacks", erläutert Sandwall. "Es ist meine zeitgemäße Version von der Kaffeetafel meines Großvaters und ein Entwurf, der zusammen mit anderen Dingen wie eine Art Stillleben kleine Geschichten erzählt."

Etageren werden in verschiedenen Ländern unterschiedlich bestückt. In England kommen vor allem Gebäck oder Sandwiches darauf, während die Franzosen sie gerne als Servierteller für Käse oder Pasteten benutzen. In Deutschland ist die Etagere nicht auf den Einsatz auf der Tafel beschränkt. Für Schlüssel, Krimskrams und Schmuck ist sie eine ideale Ablage.

Puristische Modelle

Während bei den Engländern daher traditionelle Porzellanmodelle wie von Wedgwood oder Royal Albert hoch im Kurs stehen, kommt hierzulande eine Version aus Kunststoff an. Der in Wien ansässige Designer Wolfgang Hints entwarf mit "Babell" für das Erbacher Unternehmen Koziol ein puristisches Modell, dessen Teile gestapelt oder einzeln verwendet werden. Die Etagere wird aus Kunststoff gespritzt - ein für dieses Produkt bislang nicht gebräuchliches Verfahren und Material.

"Genau darin lag für mich aber der Reiz an dieser Arbeit - eine neue Typologie durch die für dieses Produkt ungewöhnliche Fertigungstechnik und eines dafür ebenso ungewöhnlichen Materials", erläutert Wolfgang Hints. Die Etagere braucht keine Stange oder Halterung, die Teile stecken ineinander. "Nur im Kunststoffspritzguss war dieses Produkt realisierbar. Es entstand eine neue Form mit neuer Funktion und einem total spannenden Bezug zur Geschichte des Produktes", formuliert es der Designer.

Ladestation für Smartphones

Dass Etageren ein vielseitiges Accessoire sind, beweisen sie vor allem im Winter: Mit Teelichtern verziert geben sie eine dekorative Lichtquelle ab. Eine ebenfalls neue moderne Aufgabe hat die brasilianische Designerin Helena Baita Bueno ihrem Entwurf gegeben: Auf den vier Stockwerken mit Stromanschluss können elektronische Kleingeräte wie das Smartphone ihre Akkus aufladen.

Wer keine Etagere zu Hause hat, kann sich sein Modell aus Alltagsgeschirr zusammenstellen: Dafür benötigt man einen großen Platzteller, einen Speise- und einen Dessertteller sowie Tassen oder Müslischalen. Der größte Teller kommt auf den Tisch, darauf eine umgedrehte Tasse oder Schale. Dann folgt der Speiseteller, eine weitere umgedrehte Tasse oder Schale und zum Schluss der kleinste Teller. Für mehr Standfestigkeit können die Elemente mit wieder löslichem Heißkleber oder doppeltseitigem Klebeband befestigt werden.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 05.01.2013
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden
 
 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR