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Frau wechselt die Richtung

"GIULIAS VERSCHWINDEN": Martin Suters bittersüße Komödie über das Älterwerden

Das Alter, hat der amerikanische Autor Philip Roth geschrieben, sei ein Gemetzel. Immer nur Krankheit und Tod. Ganz soweit ist es bei den in einem Züricher Nobel-Restaurant versammelten Damen und Herren noch nicht. Sie haben zwar alle die besten Jahre hinter sich und die schönsten Lebensträume abgehakt. Aber vom Sterben ist an diesem Abend bei Pasta und Prosecco nicht die Rede. Eher davon, wie man dem Alter ein Schnippchen schlagen, sich fit halten und noch ein bisschen aufregenden Sex haben kann.

Was Giulia dazu sagen würde? Sie feiert heute ihren 50., und eigentlich sind ihre Freunde versammelt, um mit ihr zu feiern. Doch Giulia kommt nicht. Sie hat keine Lust, in die immer gleichen Gesichter zu sehen und sich mit kleinen Witzchen darüber hinwegzutäuschen, dass ihr Leben in einer Sackgasse feststeckt.

Martin Suter, als Bestseller-Autor ("Ein perfekter Freund") auf kleine Morde und große Geheimnisse spezialisiert, hat dem Kino eine bittersüße Komödie über die Unbilden des Alters geschenkt. Sein Drehbuch für "Giulias Verschwinden" ist vollgestopft mit lebensklugen Beobachtungen und ironischen Seitenhieben auf den Zeitgeist, der das Älterwerden wie eine Krankheit behandelt. Und weil Regisseur Christoph Schaub ein paar großartige Schauspieler überreden konnte, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, konnte nichts schief gehen.

Im Restaurant warten Stefan Kurt, André Jung und Sunnyi Melles, und es ist eine wahre Freude, ihnen dabei zusehen, wie sie sich langweilen, sich mit kleinen Sticheleien beleidigen und darüber philosophieren, warum Giulia sie sitzenlässt. Corinna Harfouch ist eine etwas müde und verzweifelte Giulia. Im Bus bemerkt sie, dass sie als älter gewordene Frau für Jüngere unsichtbar zu sein scheint. Bei einem Optiker trifft sie auf John. Der ältere Herr mit kantigem Kinn und faltigem Gesicht erkennt in Giulia eine Frau, in der Freude und Lust schlummern. Man muss sie nur wecken. Also überredet er Giulia, ihre Feier sausen zu lassen und mit ihm einen Drink zu nehmen.

Bruno Ganz als zärtlicher, weiser John schaut Giulia in die verhärtete Seele, legt verschüttete Träume frei und weist ihr den Weg in eine lebenswerte Zukunft. Suter hat der Geschichte noch einige Ecken und Kanten gegeben und verfolgt in kurzen Episoden, was aus den Menschen wird, die als Paare und Passanten an Giulia vorbei flanieren. Gegen Ende des ganz unspektakulären, sympathischen Films treffen alle noch einmal zusammen.

Morgenmagazin
04. Februar 2010

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