In "Ende der Schonzeit" ist ein Bauernhof im Schwarzwald 1942 Ort des Geschehens: Der raubeinige, aber gutmütige Landwirt Fritz entdeckt beim Wildern im Wald den flüchtenden Juden Albert und versteckt ihn bei sich. Da er keinen Stammhalter zeugen konnte, bittet er den sensiblen jungen Mann, seine Frau Emma zu schwängern. Aus anfänglichem Sträuben der Beiden entwickeln sich ungeahnte, am Ende bedrohliche Gefühle - todesgefährlich unter der NS-Gewaltherrschaft.
Das Spielfilmdebüt der 1972 in München geborenen Regisseurin und Co-Autorin Franziska Schlotterer ist schweigsam-beredt und in eindrucksvollen gemäldeartigen Bildern gelungen. Unter die Haut gehend intensiv verkörpern die Theaterstars Brigitte Hobmeier ("Tannöd"), Hans-Jochen Wagner ("Sie haben Knut") und Christian Friedel ("Russendisko") die Hauptpersonen der intimen psychologischen Geschichte um aufbrechende Leidenschaft, Eifersucht und Willkür während der Nazizeit.
Wie unter einem dunklen Firnis erscheinen die Szenen des deutsch-israelischen Dramas aus einer düsteren Vergangenheit, die mittels einer Rahmenhandlung als Rückblick aus den 70er Jahren angelegt sind. Schlotterer untersucht im Kammerspiel die Auswirkungen politischer und gesellschaftlicher Machtstrukturen auf das Leben und Denken des Einzelnen. Die Frage ist, wie ungleiche Machtverhältnisse und Abhängigkeiten einen Menschen, der eigentlich klare Vorstellungen von Gut und Böse hat, korrumpieren können. Vor ihrer Arbeit an "Ende der Schonzeit" hat Schlotterer Kurz- und Dokumentarfilme gedreht.