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Julia Neigel hat am 2. Dezember beim Konzert der "Rock 'n' Roll Arena in Jena" erneut ein Zeichen gegen Rechts gesetzt. (Bild: dpa)
Wer Julia Neigels Facebook-Profil verfolgt, sieht wie vielbeschäftigt die Ludwigshafener Deutschrockerin nicht erst seit ihrem Comeback-Album "Neigelneu" wieder ist - auch der Beziehungsstatus hat sich irgendwann verändert: Inzwischen treten sie und ihr langjähriger Gitarrist Joerg Dudys offiziell als Paar auf. Grund genug, mit den beiden über gemeinsame Projekte zu sprechen - darunter das Heimspiel am Samstag, 28. Januar, im Mannheimer Capitol.
Sie sind mit Udo Lindenberg und Co. in Jena bei einer Neuauflage von Rock gegen Rechts aufgetreten. Wie war's?
Joerg Dudys: Voll und aufregend. Unsere vier Songs gingen nur zu schnell 'rum. Es war schon beeindruckend, diese Menschenmenge zu spüren - auch wenn mein Kopf mit technischen Details beschäftigt war, auf der Bühne war reges Treiben. Ich musste unsere Bandaushilfen koordinieren. Aber es war ein großartiger Auftritt.
Julia Neigel: Wir hatten Glück, dass wir als Erste von Udo gefragt wurden - sein Berater und Promoter Arno Köster ist ein guter Freund von uns und war zehn Tage vor dem Konzert bei uns zu Besuch. So wurden wir sofort nach Geburt der Idee über Arno angefragt. Wir haben natürlich sofort zugesagt - obwohl wir auf Grund der knappen Zeit für die Band Aushilfen brauchten. BAP-Keyboarder Michael Nass, Drummer Chris Gross und Gitarrist Carl Carlton kamen so dazu - und trotz der Kälte wurden 60 000 Besucher in der Kürze der Zeit mobilisiert. Das Konzert war berauschend - die Leute haben mit uns Künstlern gefeiert, es war großartig. Man hatte aber trotzdem Gefühl, dass sie aus Überzeugung dabei waren, nicht nur wegen des Konzerts. Und ich traf gute Freunde wie Udo und Peter Maffay wieder.
Gibt es trotzdem gemischte Gefühle, dass Konzerte gegen rechte Gewalt immer noch nötig sind - und dann noch vor einem solch extremen Hintergrund?
Neigel: Das ist völlig richtig. Wir waren uns alle darin einig: "Traurig, dass man das alle zehn Jahre machen muss." Das ist zwar bedauerlich, aber trotzdem wichtig! Ich habe rekapituliert, dass wir schon in den 80ern Sitzstreiks gegen Nazis in Ludwigshafen gemacht haben. Aber wir werden auch noch in 20 Jahren dafür stehen, wenn es nötig ist. Selbst wenn die Sensibilität heute größer ist, bleibt es wichtig, den Schnellball effektvoll zu vergrößern und etwas zu beschleunigen. Das ist ja die Möglichkeit, die wir als Musiker haben - auch um die Politiker unter Zugzwang zu setzen.
Apropos: Kann sich ein Bundespräsident Wulff zu solchen Themen während seiner restlichen Amtszeit noch glaubwürdig äußern? Wie sehen Sie die Affäre um das Staatsoberhaupt?
Dudys: Ehrlich gesagt, finde ich es überzogen, wie das Thema ausgeschlachtet wird. Das lenkt doch nur ab von den wirklich relevanten Dingen.
Neigel: Sicher - doch sind derartige Verfehlungen, siehe Guttenberg und auch dieses Verschweigen von Wahrheit bei Wulff, schon der Spiegel eines Werteverfalls in der gesamten Führungsriege. Ich vermisse Überzeugung und Integrität, anstelle des Blickes aufs Image. Dass so etwas so lange von der Regierung mitgetragen wird, zeigt, welche Maßstäbe Politiker an sich überhaupt selbst noch anlegen. Eine wankelmütige Moralität und Opportunismus treten an dem Beispiel zutage, nur dass Christian Wulff scheinbar tölpelhafter vorging als andere. Er ist nicht der Einzige. Die Frage, die der Vorgang aufwirft, ist wichtiger: Was für Politiker sind hier eigentlich unsere Entscheidungsträger, wie willkürlich handeln sie bei viel wichtigeren Fragen? Geht es denen nur noch um ihr Bild in den Medien, muss die Öffentlichkeit dauernd Druck ausüben, damit sich was ändert?
"Neigelneu" ist seit einem dreiviertel Jahr auf dem Markt. Wie ist das Zwischenfazit des Comebacks?
Neigel: Gut. Das Team wird immer größer und besser. Und mittlerweile habe ich auch wieder einen Manager, Wolfgang Orthmayr, ein alter Hase der Branche. Wieder alles zu erreichen, ist ein arbeitsreicher Weg, der zwei, drei Jahre benötigen wird. Nach zwölf Jahren Studioplattenpause war klar, dass man sich mit Beharrlichkeit, Fleiß und Qualität wieder hocharbeiten wird. Wir wollen Nachhaltigkeit und sehen jetzt schon, dass die Menschen uns wiederentdecken. Sie spüren, dass ich wieder da bin. Die Konzerte werden voller und voller, die Fans sprechen davon, dass sie wieder den Enthusiasmus der 80er und 90er spüren.
Seit über einem Jahr sind Julia Neigel und Ihr Gitarrist Joerg Dudys ein Paar. Gibt es Alltag im ach so glamourös erscheinenden Musikgeschäft?
Radwandern mit dem Trekkingrad. Wer gern in der Natur ist, sollte mal eine Radwanderung machen.
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