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Frauen in Form(ation)

Von Marcella Märtel

Nicht zu unterschätzen: Weibliche Show-Gruppen haben sich im Rock 'n' Roll-Tanzsport etabliert. Dabei begann alles mit einem Mädels-Überschuss.

Wenn Ina Dreißigacker von ihrem Sport erzählt, erntet sie oft nur ein müdes Lächeln. Das Stichwort "Rock 'n' Roll-Tanz" ruft bei den meisten wahrscheinlich eine verschwommene Assoziation von Petticoats und 50er-Jahre-Musik hervor. Das ändert sich aber ganz schnell, wenn die 19-jährige BWL-Studentin ein Video von ihrem letzten Auftritt zeigt - "dann machen die meisten erst mal große Augen", erzählt sie.

Das liegt zum einen daran, dass die zierliche Odenwälderin sich nicht mit einem coolen Typen mit Tolle die Tanzfläche teilt, sondern mit mehr als zehn Mädels. Zum anderen geraten die meisten wohl schon beim Zuschauen ins Schwitzen, wenn die Ladies drei Minuten lang richtig powern. "Tanzen wird einfach unterschätzt."

Tatsächlich hat der Rock 'n' Roll, wie Ina Dreißigacker und das Team "Funky Power" vom SV Mörlenbach ihn trainieren, kaum noch etwas mit der ungestümen Bewegung der 50er und 60er Jahre zu tun, wie Rock 'n' Roll-Trainer Bernd Schäfer aus Bensheim erzählt: "Heute ist der Rock 'n' Roll moderner, dynamischer und sportlicher." Klar gebe es auch noch den Tanz von früher, zum Teil auch mit Petticoats. "Den findet man aber eher im Tanzlokal" - oder auf Szene-Veranstaltungen.

Tanzsport Rock ‘n’ Roll

Zwar ist im Rock 'n' Roll viel Beinarbeit erforderlich - allerdings nicht wie beim Gardetanz: Das Knie wird beim Rock 'n' Roll-Kick auf Hüfthöhe gezogen, der Fuß schnellt nach vorn und wieder zurück.

Bei Turnieren treten Rock 'n' Roll-Tänzer in verschiedenen Klassen an.

Die Tanzpaare sind nach Alter und Schwierigkeitsgrad eingeteilt. In den höheren Klassen werden Akrobatiken mit eingebunden.

Formationen gibt es gemischte, die auch Akrobatiken einbauen und aus mehreren Paaren bestehen, sowie reine Damen-Formationen und Jugend-Formationen.

Wertungsrichter beurteilen die Auftritte nach einem Bewertungskatalog. cel

Der Ausdruck zählt

Bei Rock 'n' Roll-Turnieren gibt es - nicht nur für die Formationen, sondern auch beim Paartanz - einen ganzen Katalog von Regeln und Bewertungsrichtlinien. "Bei der Formation kommt es auf den Grundschritt, die Tanzfiguren und die Synchronität an", erklärt Schäfer. Zusammen müsse das Team eine Einheit bilden. "Dazu kommt noch der Ausdruck." Wer beim Tanzen griesgrämig guckt, wird das Publikum - und die Wertungsrichter - kaum mitreißen können.

Neben dem sportlichen Aspekt geht es nämlich auch um eine gute Show. Und die gestaltet jede Formation anders. Die einen setzen auf Sexyness, die anderen auf Frauenpower, wieder andere auf gute Laune. Jede Choreographie ist individuell. "Es fließen viele Jazz- und Hip-Hop-Elemente in den Rock 'n' Roll mit ein", erzählt Schäfer. Dafür gibt es bei den Ladies kaum Paarfiguren und keine Akrobatik - anders als bei den gemischten Formationen und einigen Paartanz-Klassen.

Das macht den Formationstanz aber nicht weniger anstrengend. "Diese drei Minuten sind wie ein 1500-Meter-Sprint", sagt der Trainer. Damit nach der Hälfte nicht die Puste ausgeht, wird daher vor der Turniersaison intensiv trainiert. Für die Teams bedeutet das, mehrere Trainingseinheiten pro Woche neben Schule, Beruf oder Studium einzuplanen - ganz zu schweigen von Familie, Freunden und Beziehung.

"Mein Freund ist auch Sportler und unterstützt mich", erzählt Dreißigacker. Und am Ende soll ja auch das Ergebnis stimmen: "Mir ist es wichtig, dass wir erfolgreich sind", sagt die Studentin - und das geht nun mal nicht ohne Training. Bisher konnte "Funky Power" einen zweiten Platz bei der Deutschen Meisterschaft der Formationen in Bensheim 2011 und einen 14. Rang bei der Weltmeisterschaft in St. Petersburg im gleichen Jahr einheimsen.

Kurios: Die Rock 'n' Roll-Ladies, die bei der WM gegeneinander antreten, kommen alle aus Europa. "Selbst in den USA wird Rock 'n' Roll in dieser Form nicht getanzt", sagt Schäfer. Von einen Treppchenplatz bei einem internationalen Turnier können die deutschen Formationen bislang nur träumen: Die besten Teams kommen aus Osteuropa, wie der Trainer berichtet.

"Dort hat der Rock 'n' Roll auch einen anderen Stellenwert", erzählt er. "Die Tänzerinnen werden gefördert und die Teams haben große Sponsoren." Das ist den deutschen Formationen meist nicht vergönnt. Stattdessen werden Show-Auftritte getanzt, um die Fahrtenkasse aufzubessern.

Eigene Klasse für die Ladies

Immerhin haben sich die Ladies im Rock 'n' Roll inzwischen einen Namen gemacht: Über 15 Teams zählt die Rangliste des Deutschen Rock 'n' Roll & Boogie-Woogie Verbands. Dabei entstand die deutsche Freedance-Klasse, in der auch Damen-Teams antreten durften, eher aus der Not. "Vor vielen Jahren hat man gemerkt, dass es im Rock'n'Roll einen gewaltigen Mädels-Überschuss gab", erklärt Schäfer.

Bis zum vergangenen Jahr durften bei den Freedance-Mädels aber noch Jungs mittanzen - solange es nicht gleich viele waren und sich so Paare hätten bilden können. Das ist nun Geschichte: Wie auf internationaler Ebene haben die Ladies nun ihre ganz eigene Klasse - und echte Chancengleichheit.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 09.02.2013
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