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Häkelnde Männer

Von Marc Herwig

Fünf Tübinger Sportstudenten haben die Handarbeit für sich entdeckt. Aus dem Hobby ist mittlerweile eine kleine, profitable Firma geworden.

Die Hatnut-Mitglieder: Micha Schwarz, Didi Gugel, Tobi Egerer, Sebi Mertens und Jules Knoll (von vorne nach hinten) können sich ein Leben ohne Hekeln gar nicht mehr vorstellen. (Bild: dpa)

© dpa

Was gehört dazu, wenn fünf smarte Sportstudenten Männerabend machen? Ein kühles Bier, ein Fußballspiel im Fernsehen - und vor allem Häkelnadeln! Abende und Nächte lang haben die Fünf in Tübingen gemeinsam Mützen gehäkelt. Die Frauen haben sich am Anfang fast totgelacht und fanden es am Ende richtig sexy. Inzwischen ist aus dem Männer-Häkelverein ein gut gehender Internet-Versandhandel mit mehreren Angestellten geworden.

Keine Frage: Die Mützen der Hatnuts, wie sie sich nennen, leben nicht zuletzt vom coolen Image. Mit Dreitagebart präsentieren sich die Fünf auf ihrer Internetseite. Sie haben ein YouTube-Video gedreht und sogar ein Buch mit praktischen Tipps für junge Leute veröffentlicht. "Eine Häkel-Anleitung von Omi hat einfach nicht dieses Flair wie eine von uns", sagt Didi Gugel verschmitzt. Hundert Aufträge kommen im Moment jede Woche über den Online-Shop rein. Weit über 1000 Mützen werden so pro Jahr in Handarbeit hergestellt.

Angefangen hat alles auf einem wildromantischen Bergbauernhof im Allgäu, wo es weder Fernsehen noch Internet gab. Gugel jobbte dort während des Studiums als Snowboardlehrer. "Da waren die Abende säuisch lang. Außerdem hat mir die passende Mütze gefehlt." Er erinnerte sich an die Handarbeitsstunden in der Schule und häkelte drauf los. Mit mäßigem Erfolg.

Beim nächsten Heimatbesuch gab ihm eine Tante Nachhilfeunterricht - und plötzlich klappte es: ganz langsam, Masche um Masche. Nach vielen dunklen Winterabenden hatte er seine erste eigene Mütze gehäkelt.

Als später ein paar Freunde aus Tübingen vorbeikamen, seien sie ganz neidisch auf die Mütze gewesen. "Die wollten sofort, dass ich ihnen auch eine häkle." Doch Gugel hatte eine bessere Idee. Zurück in Tübingen veranstaltete der Sportstudent seinen ersten Häkelkurs. 15 Kommilitonen machten mit, fünf Männer blieben am Ende als harter Kern übrig: Neben Didi Gugel noch Tobi Egerer, Sebi Mertens, Micha Schwarz und Jules Knoll - die Hatnuts.

An der Tübinger Uni wurde der Männer-Strickclub schnell zum Gesprächsthema. "Die erste Reaktion ist immer die gleiche: "Wie peinlich ist das denn?" Und kurz danach kommt dann: "Macht ihr mir auch eine?", sagt Gugel. "Und eins ist klar: Häkeln ist kein Verlust der Männlichkeit. Es wirkt auf die Frauenwelt sogar interessant", erzählt er, ohne in die Details zu gehen. Jedenfalls haben sich die Hatnuts in puncto Frauen eine strikte Klausel verordnet: Mützen dürfen sie nicht als Trumpf beim Flirten einsetzen. Nur ihren aktuellen Lebensabschnittsgefährtinnen dürfen sie Selbstgehäkeltes schenken.

Doch inzwischen hat sich ohnehin viel geändert. Das Sportstudium haben die Hatnuts abgeschlossen, die Jobsuche hat sie in ganz Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus verstreut. Hauptberuflich arbeiten sie jetzt als Lehrer für Mathe und Sport, als Informatiker für Fitnessstudio-Systeme, als Abteilungsleiter bei einer großen Sport-Einzelhandelskette oder im Behindertensport.

Mütze auf dem Mount Everest

Gleichzeitig hat das Auftragsvolumen immer weiter zugenommen. Die Behindertennationalmannschaft im Ski nordisch rüsten die Jungs diesen Winter aus, und auch auf dem Mount Everest war eine der Mützen schon. "Die Zeit, als wir alle Aufträge noch zusammen in einer Studentenbude abgehäkelt haben, ist vorbei", sagt Gugel. Fünf Hausfrauen greifen den Männern inzwischen beim Häkeln unter die Arme. "Aber wenn ein Kunde unbedingt eine Mütze von einem von uns haben will, kann er sich auch wünschen: Der Didi soll meine Mütze machen."

Denn auch, wenn die Zeit knapper geworden ist: Das Häkeln können die fünf Hatnuts nicht lassen. "Das liegt einem einfach im Blut: Wenn man vorm Fernseher sitzt, dann nimmt man automatisch die Häkelnadeln in die Hand", erzählt Gugel. "Das ist schließlich unsere Leidenschaft."

© Mannheimer Morgen, Samstag, 09.02.2013
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