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Ruhe hinter dem RÜSSEL

Archiv-Artikel vom Samstag, den 31.01.2015

Von Adrienne Friedlaender

Ein Elefantenabenteuer in Thailand: Zwei Wochen lang auf dem Rücken der Rüsseltiere reiten, arbeiten, waschen und baden.

Vorsichtig ertastet meine Hand das borstige Gesicht der Elefantendame. Wandert über die Augen mit den langen drahtigen Wimpern über die Wangen zu einer tiefen Hautfalte am Hals. Die dicke ledernde Haut fühlt sich hart und trocken an. "Ich komme aus Deutschland", beginne ich zögernd. "Dort gibt es keine Reisfelder, kein Dschungel und Bananenbäume." Nicht gerade originell, aber schließlich spreche ich nicht täglich mit Elefanten. Als erste Übung auf dem Programm im Elefantencamp steht eine Konversation, damit die Elefanten sich an die Stimme ihres Gast-Mahouts gewöhnen. Die 27-jährige Mae Kamnoi zeigt sich höflich interessiert, wackelt mit ihren Ohren, die am Rande zartrosa und schwarz gesprenkelt sind. Sie tastet mit dem Rüssel nach meiner Hand.

Im Norden Thailands am Rand des Doi Inthanon National Parks, etwa 60 Kilometer von Chiang Mai, liegt Mae Sapok. Das Dorf ist Wahlheimat von Bodo Förster, dem Elefantenmann aus Deutschland. Seit zehn Jahren bietet der ehemalige Elefantenwärter aus Thüringen im natürlichen Lebensraum der grauen Riesen Elefantenbegegnungen besonderer Art. Statt kurzen geführten Runden auf gepolsterten Sätteln können abenteuerlustige Dickhäuter-Fans mit ihren Lieblingen in den Bergwäldern leben. Waschen und baden, reiten, arbeiten und Dschungelritte stehen auf dem Programm. Das reicht vom Schnupperkurs über den Sieben-Tage-Trip bis zum Elefanten-Führerschein, einem 13-tägigen Abenteuer.

In Jogginghose, T-Shirt und mit zauseligen Haaren steht Förster am Frühstückstisch und gibt der Gruppe die letzten Anweisungen vor dem Aufbruch: "Elefanten haben hoch empfindliche Nasen. Deo, Haarspray oder Parfüm sind verboten." Dann verteilt er die Ausrüstung: eine Mahout-Hose, weit wie ein Sack, die um die Hüfte gewickelt wird, und Stulpen, die die Schienenbeine beim Reiten vor der Lederhaut schützt.

Tipps für Touren

Info: Elephant Special Tours, www.elephant-tours.de, E-Mail: elephant-tours@gmx.de, Bodo Förster, Tel.: 0228-40 97 19 58.

Anreise: Flüge etwa mit Lufthansa, KLM, Air France oder Turkish Airlines von Frankfurt ab 550 Euro.

Kosten: Die 13-tägige Tour Elefanten-Führerschein kostet 1820 Euro (Kinder zahlen die Hälfte). Im Preis inklusive: Übernachtungen, Vollpension, alle Ausflüge und Mahlzeiten während der Ausflüge. Transfer von/bis Chiang Mai.

Angebote: Für Elefantenfreunde, die nicht gleich 14 Tage im Dschungel verbringen möchten, werden auch verschiedene kürzere Touren angeboten, etwa der Zwei-Tage-Trainings-Trip (245 Euro) oder der Fünf-Tage-Elefanten-Intensiv-Kurs (750 Euro).

Bambus im Busch

Wir schnallen unsere Rucksäcke mit Trinkflaschen, Insektenspray und Sonnencreme auf den Rücken. Das Rauschen eines Wasserfalls begleitet die letzten Meter über einen steilen, glitschigen Weg hinunter zum Fluss. Ein Baumstamm mit einem wackligen Bambusgeländer dient als Brücke über die Stromschnellen. Tapfer hangeln wir uns hinüber. Wir sind am Ziel. Es besteht aus drei Bambushütten mit Blätterdach: ein Küchenhaus, ein Schlafhaus für die Mahouts und ein überdachter Essplatz für die Gäste. Und da sind sie: die Elefanten. Lange Eisenketten verbinden jeweils einen Elefantenfuß mit dem kräftigsten Baum in der Nähe. Ein mächtiger Bulle schubbert sein gewaltiges Hinterteil an einem Felsen, ein anderer zupft geschickt ein paar Blätter vom Baum, ein Elefanten-Teenager steht verträumt auf einem Stein am Wasser und lutscht versonnen auf seinem Rüssel.

Nach dem Elefanten-Small-Talk fordert Förster uns auf, uns in einer Reihe in den Sand zu setzen. Dann kommen die Mahouts mit den Elefanten. Dichter und dichter und dichter. Nur eine Handbreit von meiner Fußspitze entfernt stoppt Mae Kamnoi. Mein Körper ist angespannt. Was passiert, wenn Mae Kamnoi sich entschließt, einen Schritt weiter zu gehen? Die mächtigen grauen Körper verdecken den Himmel, und die Rüssel der Elefanten erwachen zum Leben, tasten, riechen, erfühlen die fremden Menschen am Boden.

Wir dürfen aufsteigen. "Chelo, Chelo di", ruft Mahout Sompet. Brav geht Mae Kamnoi in die Knie und neigt ihren Kopf. Beherzt greife ich nach dem Halsriemen und springe mit Schwung kopfüber in den Nacken. Sofort richtet Mae Kamnoi sich auf und befördert mich drei Meter in die Höhe. Dann heißt es: umdrehen und die Knie hinter die Ohren klemmen.

"Wir arbeiten mit dem größten Landsäugetier der Erde. Das erfordert ein gesundes Durchsetzungsvermögen. Stellt also klar, wer der Chef ist!", hatte Förster am Morgen erklärt. Dazu braucht man eine kräftige Stimme und vier Befehle: "Chelo" zum Auf- und Absitzen, "Hh" ist das verbale Gaspedal, "Kwe" bedeutet links oder rechts und "Hau" heißt anhalten. Zur Unterstützung bekommen wir einen Stock, um den Elefanten in die gewünschte Richtung zu lenken.

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