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Same procedure as last year? - Diese Frage ist derzeit des Öfteren zu hören. Tatsächlich könnte man meinen, in der Formel 1 sei alles wie immer gewesen: Am Anfang des Jahres steht nach den ersten Tests die vieldiskutierte Namenssuche für den neuen Red-Bull-Boliden von Sebastian Vettel an, es folgen früher oder später der WM-Titel samt Medienrummel und die Platzierung der Trophäe auf dem Küchentisch seiner historischen Mühle im schweizerischen Ellighausen, der Gewinn der Nationenwertung beim Race of Champions gemeinsam mit Kumpel Michael Schumacher, ein paar ruhige Tage des Heppenheimers im Kreise seiner Familie, bevor im Februar mit den ersten Tests die neue Saison eingeleitet wird.
Doch auch wenn Vettel jetzt bereits zum dritten Mal in Folge den Weltmeistertitel eingefahren hat, von Routine kann keine Rede sein. Hatte der heute 25-Jährige vor einem Jahr die Konkurrenz noch (fast) nach Belieben dominiert, sah es für ihn in dieser Saison zwischenzeitlich ziemlich düster aus: 44 Punkte Rückstand ausgerechnet nach dem Heimrennen in Hockenheim, als Vettel nach einer Strafversetzung um drei Plätze "nur" Fünfter wird, aber Fernando Alonso seine Führung ausbaut. Der ansonsten lockere Blondschopf ist sauer über das aus seiner Sicht harte Urteil. Er wirkt in dieser Phase dünnhäutig. "Es ist normal, dass man nicht glücklich ist, wenn es nicht läuft, sondern verärgert", sagt er. "Und ich denke, man muss sich nicht schämen, wenn man nach außen zeigt, dass man nicht ganz zufrieden ist."
Geboren wird Sebastian Vettel am 3. Juli 1987 in Heppenheim. Mit sieben Jahren absolviert er sein erstes Kart-Rennen. In der Folge heimst der Blondschopf etliche Titel in Nachwuchsserien ein, unter anderem dominiert er 2004 die Formel BMW und wird Champion.
Am 14. September 2008 fährt Vettel in Monza in einem Toro Rosso als jüngster Pilot zu seinem ersten Grand-Prix-Sieg.
2010 krönt sich der Heppenheimer im letzten Rennen der Saison in Abu Dhabi zum Weltmeister. Im Dezember wird er zum "Sportler des Jahres" gewählt.
2011 dominiert Vettel die Konkurrenz: Elf Siege und 17 Podestplätze in 19 Rennen sprechen eine deutliche Sprache.
"Du bist dreifacher Weltmeister", gratuliert Teamchef Christian Horner über Funk Sebastian Vettel im letzten Rennen dieses Jahres. Platz 6 reicht zum dritten Titel in Folge. jako
Zumal technische Probleme dazu beitragen, dass der "Abbey" getaufte Bolide nicht so dominant ist wie "Kinky Kylie" im Jahr zuvor. Zweimal sorgt eine defekte Lichtmaschine dafür, dass Vettel unverschuldet in die Zuschauerrolle schlüpfen muss. Die Rückschläge sind Ansporn, Vettel motiviert sich und sein Team für die verbleibenden Rennen. "Nicht aufgeben, Jungs", strahlt er Zuversicht aus.
Störfeuer, wie die Gerüchte um einen Wechsel zu Ferrari oder das geschmacklose Foto von Alonso mit einem Luftgewehr im Anschlag ("Bereit für die letzten zwei Rennen"), erzielen nicht die erhoffte Wirkung - der Freund britischen Humors kontert trocken: "Wenn wir morgens ins Fahrerlager laufen, haben wir keine Angst." Es ist nicht zuletzt diese mentale Stärke, die ihn im Durcheinander von Interlagos einen kühlen Kopf bewahren lässt. Hinzu kommt das Verständnis für die komplexen technischen Abläufe, das "Popometer", wie Michael Schumacher das Gefühl in Abstimmungsfragen einmal genannt hat.
Vettel und sein Renningenieur Guillaume Rocquelin verstehen sich hier, ohne viele Worte zu machen. "Ich respektiere Sebastian jetzt sogar noch mehr, weil ich weiß, wie viele Knöpfe er auf seinem Lenkrad hat", zollt Norbert Vettel nach einem Gaststart im Scirocco-Cup auf dem Hockenheimring seinem Sohn Hochachtung.
Frische Motivation braucht Vettel nicht: Von Kindesbeinen an war es sein Traum, in der Formel 1 fahren zu dürfen. Für diesen Wunsch hat er hart gearbeitet, und er ist in Erfüllung gegangen. Aber jedes neue Rennen ist eine neue Herausforderung für den erfolgshungrigen Heppenheimer. Er stellt hohe Ansprüche an sein Team, vor allem aber an sich selbst. Da gibt es immer noch ein Quäntchen zu verbessern - auch 2013. Und die wenigsten (außer natürlich Fernando Alonso und die anderen Kollegen) hätten wohl etwas dagegen, wenn es spätestens am 24. November 2013 nach dem Rennen in Brasilien heißen würde: "Same procedure as every year: Sebastian."
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