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An der schottischen Riviera

Von Thorsten Hof

Palmen verbindet man nicht unbedingt mit den Highlands, doch das schottische Dörfchen Plockton kann gleich 70 Exemplare vorweisen. Der Golfstrom macht die mediterrane Atmosphäre möglich.

Palmen prägen die Uferpromenade von Plockton, das als Ausgangsbasis für zahlreiche Tagesausflüge bestens geeignet ist.

© th

In Reichweite sind Sehenswürdigkeiten wie das Eilean Donan Castle, ...

... die dramatischen Berglandschaften der Insel Skye ...

... und die Küste bei Kyle of Lochalsh.

Calum Mackenzie. Bilder: th

Calum Mackenziehat die Ruhe weg. Mit den Fahrten zu den Seehundbänken wird es heute erst einmal nichts. Sein Ausflugsschiff "Sula Mhor" dümpelt mit einem Motorschaden im Hafen von Plockton vor sich hin, der Mechaniker hat sich "irgendwann um die Mittagszeit" angekündigt. Und während Mackenzies Frau immer wieder verzweifelt versucht, aus ihm herauszubringen, auf wann sie die wartenden Touristen vertrösten soll, sieht der Skipper die Situation etwas pragmatischer. "Macht einen Spaziergang ums Dorf, genießt die Aussicht, und wenn ihr wieder da seid, nehmt noch ein Pint im Biergarten des Hotels an der Hafenpromenade. Just sit and relax", rät Calum.

Das schottische Original, das seit 32 Jahren Gäste auf dem Loch Carron herumschippert, hat es sich selbst auf der Mauer der Uferstraße bequem gemacht und blinzelt in die Sonne. Hinsetzen und entspannen - lautet so das Motto des 400-Seelen-Dörfchens in den Highlands? "An Tagen wie diesen schon", deutet Mackenzie auf den blauen Himmel und das fast schon mediterrane Flair im Nordwesten der britischen Insel, wo man sonst eher raue Natur erwartet. Ganz besonders hat das mit den 70 Palmen zu tun, die entlang der Promenade und in den Gärten emporragen. "Damit hat vor 60 Jahren mal ein Gärtner angefangen, und dann wurde es so etwas wie eine Mode. Heute kann man die Setzlinge sogar im Supermarkt kaufen", berichtet Calums Schwiegermutter, die sich zum kleinen Hafen-Plausch hinzugesellt hat. Der milde Golfstrom tut sein übriges zum Gedeihen der neuseeländischen Palmen-Art Cordolyne Australis und zur übrigen Artenvielfalt an der "schottischen Riviera", wie Plockton oft etwas scherzhaft genannt wird.

An die Pflanzung der ersten Palme kann sich der Chef von Calum's Seal Trips natürlich nicht erinnern, doch an vieles andere. "Ich lebe in Plockton seit ich drei Tage alt war", berichtet Mackenzie beispielsweise von den vielen Fischerbooten in seiner Jugend. Schließlich wurde Plockton Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Reißbrett geplant und gebaut, um aus den Highlands vertriebenen Kleinbauern eine neue Zukunft als Fischer zu ermöglichen. So lange die Heringsschwärme noch profitabel waren, funktionierte das sogar halbwegs, mittlerweile werfen aber nur noch drei Boote regelmäßig die Netze und Käfige aus. Inzwischen sind die örtliche High School und vor allem der Tourismus die Stützen Plocktons.

Anreise: Bei langfristiger Vorausbuchung bietet beispielsweise die Lufthansa von Frankfurt aus günstige Direktflüge nach Edinburgh oder Aberdeen an.

Vor Ort: Um nach Plockton zu kommen und auch die Tagesausflüge in Angriff zu nehmen, ist ein Mietwagen unerlässlich. Günstige Anbieter gibt es oft auch vor Ort wie etwa bei http://www.arnoldclarkrental.com. Gute Nerven sind bei Single-Track-Passstraßen wie der nach Applecross gefragt.

Wohnen: Wer Unabhängigkeit schätzt, ist in einem der vielen Ferienhäuser in der Region Skye & Lochalsh gut aufgehoben. In Plockton selbst sind die Plockton Cottages (http://www.plocktoncottages.co.uk/) von Donald Mackenzie zu empfehlen.

Webcam: Live-Bilder aus Plockton gibt es unter http://www.calums-sealtrips.com/index.asp?pageid=390706.

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Berühmt durch eine Krimi-Serie

Vor allem in Großbritannien ist Plockton alles andere als ein Geheimtipp, seitdem das pittoreske Dörfchen unter dem fiktiven Namen Lochdubh die Kulisse für die BBC-Krimi-Serie "Hamish Macbeth" abgegeben hat. Und nicht zuletzt macht auch der Luxus-Zug "The Royal Scotsman" regelmäßig Station im Nordwesten.

Wer mit dem Mietwagen anreist, hat allerdings noch mehr Freiheiten als die VIP-Gäste auf Schienen und kann Plockton als optimales Basislager für die Sehenswürdigkeiten in der beliebten Region Skye & Lochalsh nutzen. Ganz in der Nähe liegt etwa das wohl meistfotografierteste schottische Schloss Eilean Donan, das Hochland-Romantik pur vermittelt. Dahinter öffnet sich das Glen Shiel mit Blick auf die KintailBergkette. Noch schneller ist man in südwestlicher Richtung in Kyle of Lochalsh, wo die majestätische Skye-Bridge das Festland mit der Hebrideninsel verbindet. Dort locken die bizarren Felsen der Black Cuillins zu Klettertouren, einsame Strände bieten Naturerlebnisse und die westliche Küstenstraße ermöglicht Ausblicke auf die Gipfel des Festlands. Wer es besonders schottisch mag, macht am besten noch einen Abstecher zur Talisker Distillery, in der der gleichnamige Whisky hergestellt wird, hält nach Goldadlern Ausschau, besucht den Stammsitz des MacDonald-Clans auf Dunvegan Castle oder die Inselhauptstadt Portree mit ihren bunten Häuserzeilen rund um den Hafen.

Zurück in Plockton bietet sich am nächsten Tag ein Abstecher nach Norden an. Am Loch Kishorn windet sich Großbritanniens höchste Passstraße nach Applecross, auf der Passhöhe bietet sich bei gutem Wetter das komplette Gebirgspanorama der Insel Skye. Gegenverkehr ist auf diesem Sträßchen aber nichts für schwache Nerven. Die nächste Ausweichstelle sollten ungeübte Autofahrer deshalb stets im Blick haben.

Zur Beruhigung kann man es in Plockton dann wieder ruhig angehen lassen. Der "Coral Beach" verspricht tatsächlich, was sein Name hält, und weitere maritime Erlebnisse bietet das Krabben-Angeln an der Pier - oder eben eine Fahrt mit "Calum's Seal Trips". "Ein paar Seehunde kenne ich beim Namen", lacht Skipper Mackenzie, der ganz genau weiß, welche Felsen er ansteuern muss. Die Geld-zurück-Garantie, falls tatsächlich mal keine Robben gesichtet werden sollten, musste in über 30 Jahren nur ein einziges Mal in Anspruch genommen werden. Und gegen Mittag ist dann auch Calums Frau wieder beruhigt: Der Mechaniker war pünktlich, die alte Maschine der "Sula Mhor" tuckert wieder vor sich hin und die Tour um 14.30 Uhr ist gesichert. "Just sit and relax" - Calum Mackenzies Motto hat sich mal wieder bewährt.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 29.09.2012
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