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Mittwoch, 19.06.2013

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Diokletians Vermächtnis

Von Yasmin Akbal

Im dalmatischen Split, der heimlichen Hauptstadt Kroatiens, spazieren Touristen vorbei an Jahrtausende altem Gemäuer und blicken auf die zahlreichen Inseln vor der Mittelmeerküste.

Split aus der Vogelperspektive, wo sich Christentum und Antike aus der Römerzeit treffen, was auch Graffiti noch unterstreichen.

© dpa/akbal (3)

Es ist kein guter Tag für Zoran Eterovic. Vor seiner Beachbar am Strand von Split biegen sich die Palmen im Wind, das Meer schlägt Wellen an den Kiesstrand. Der Ausblick von der kleinen Bucht auf die umliegenden Inseln, den die Touristen bei Sonnenschein so sehr lieben, interessiert heute niemanden. Nur ein halbes Dutzend Gäste sitzt in wärmende Pullover eingepackt und in Bücher versunken auf den Plastikstühlen der Terrasse.

Eterovic hockt am Tresen und blickt auf die Besucher. Er nimmt es gelassen: "Sieben bis acht Monate im Jahr habe ich hier eine gute Zeit. Vor allem Leute aus der Region sind dann zu Gast." Während der restlichen Zeit spiele sich das Leben eben stärker innerhalb der zweitgrößten Stadt Kroatiens ab und nicht an ihren Stränden.

Urlaub in Split

Anreise: Zur zweitgrößten Stadt Kroatiens fliegt unter anderem Germanwings ab Köln/Bonn.

Ausflüge: Neben der Stadt sind die umliegenden Inseln Hvar, Komiza, Ciovo, Solta und Brac beliebte Ausflugsziele. Sie sind mit der Fähre von Split aus zu erreichen. Auch den italienischen Hafen von Ancona steuern Schiffe von Split aus an.

Seinen Ursprung verdankt Split dem römischen Kaiser Diokletian. Von etwa 295 bis 305 nach Christus ließ sich der Herrscher in der Nähe seines Geburtsorts in Dalmatien am Meer einen rechteckigen Palast als Alterssitz bauen. Auf das Anwesen auf einer Fläche von 30 000 Quadratmeter zog er sich nach seiner Abdankung zurück.

Hinterhöfe und enge Gassen

In den Jahrhunderten nach Diokletians Tod machten es sich die Einwohner der Stadt in den Palastmauern gemütlich, zogen Wände hoch und bauten Fenster ein. Rund um den ehemaligen Palast entstand so nach und nach die heutige Altstadt - ein bewohntes und bewirtschaftetes Unesco-Weltkulturerbe.

Hinter den schweren Mauern verbergen sich teure Wohnungen und Hotels in verschiedenen Stilrichtungen. Auf den Stufen im von Säulen umzäunten Innenhof vor dem Palast sitzen nun Touristen und trinken Kaffee. Im Gewölbe unter dem Anwesen bieten Händler Schmuck und Souvenirs an.

Drumherum, in den dank zahlreicher Bauphasen verwinkelten und engen Gassen der Altstadt, verliert man schnell die Orientierung. Beim Spaziergang tun sich unerwartet helle Hinterhöfe auf, über die sich Wäscheleinen mit Handtüchern und Bettlaken spannen. Man stößt auf kleine Cafés und größere Restaurants, die zum Verweilen einladen. Nicht selten endet eine Entdeckungstour in einer Sackgasse.

Ein stechender Geruch verrät den kleinen Fischmarkt, auf dem Verkäufer fangfrische Garnelen, Seeteufel und andere Fische anbieten. Restaurants servieren sie zu günstigen Preisen. Doch gerade sich treiben zu lassen und ständig Neues zu entdecken macht die Zeit zwischen den alten Mauern aus weißen Kalksteinen so charmant. Sowieso haben die Steine aus der Region eine besondere Bedeutung. "Das Weiße Haus in Washington wurde mit Kalksteinen von der nahe gelegenen Insel Brac erbaut", erzählt eine Fremdenführerin stolz bei einer Stadtrundfahrt.

Waldspaziergang mit Duft

2013 soll Kroatien eigentlich 28. Mitgliedsstaat der Europäischen Union werden. Ob sie sich über den anstehenden Beitritt freuen sollen, wissen noch nicht alle Kroaten. "Hoffentlich sieht es bis dahin wirtschaftlich besser aus", sagt die Fremdenführerin. Split - so viel ist sicher - wird bis dahin besser und moderner aussehen. Die Umgebung rund um die inoffizielle Hauptstadt Dalmatiens ist im Aufbruch. Überall, so scheint es, ziehen große Baukräne Häuser aus dem Boden. Es entstehen Hotels und neue Straßen. Auch die Hafenpromenade, vor der Fähren und Kreuzschiffe vor Anker liegen, wird umgebaut.

Ruhe vor dem emsigen Treiben bietet unter der Woche der Marjan, das Wäldchen, westlich von Split. In etwa zehn Minuten ist man von der Stadt die Treppenstufen hochgestiegen und spaziert umgeben vom Duft der Nadelbäume durch die Anlage. Über den von herabgefallenen Nadeln bedeckten Boden führt der Weg vorbei an grau-grünen Kakteen.

Viel Ruhe hat am Fuß des Waldes auch Barkeeper Eterovic. "Eine schöne Stadt zum Leben", beschreibt er seine Heimat und blickt auf das stürmische Meer.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 24.11.2012
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