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Donnerstag, 31.07.2014

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Felsenfester Gottesglaube

Von Martina Katz

Akrotiri, der Heilige Berg Kretas, versammelt die wohl schönsten und ältesten Klöster der griechischen Insel. Eine ideale Verbindung von Stille, Ursprünglichkeit und Erholung am Mittelmeer.

Ein Mönch eilt durch den Kreuzgang des Klosters Agia Triáda Jagarolou mit dem prächtigen Hauptportal.

© Katz

Die Kapelle des Klosters Katholikó wurde von Mönchen in den Fels geschlagen.

© Katz

Unbarmherzig brennt die Sonne auf die Mauern des Klosters Agia Triáda Jagarolou. In seinem Innenhof, vor der imposanten venezianischen Kirchenfassade, steht Jana im Schatten eines Baumes und betrachtet erstaunt die verschiedenartigen Blätter. "Der trägt Orangen, Zitronen, Mandarinen und Limonen, alles gleichzeitig", raunt ihr ein Mönch in schwarzer Kutte zu.

Ein zweiter Schwarzgewandeter zeigt sich im Schatten der goldenen Rundbögen des Klostergangs und verschwindet genauso im Nichts, wie er von dort erschienen ist. Hier, hinter dem wohl schönsten Kirchenportal Kretas, wo der gepfropfte Orangenbaum - eine botanische Seltenheit - wartet, ist nichts so wie in anderen Abteien.

Tipps und Adressen

Info: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Neue Mainzer Str. 22, 60311 Frankfurt, Tel.: 069-257 82 70, www.visitgreece.gr

Anreise: Flug Frankfurt-Chaniá ab 400 Euro; von Chaniá zum Agia Triáda Taxi 25 Euro, Bus 2,30 Euro (www.agiatriada-chania.gr)

Angebot: Eine Woche pauschal bietet Attika Reisen (Tel.: 0800-167 18 00, www.attika.de) bei günstiger Unterkunft für 839 Euro, im noblen Casa Delfino ab 1370 Euro

Berühmte Filmkulisse

Agia Triáda Jagarolou auf der Halbinsel Akrotiri ist eines der ältesten Klöster der griechischen Insel. Von außen gesehen könnten die Gebäude mit ihren Kuppeltürmchen von einem bekannten Architekten stammen. Ein stilvolles Ambiente, das für den Kinofilm "Alexis Sorbas" mit Anthony Quinn nach dem Roman von Nikos Kazantzakis die Kulisse gab.

Dabei sind es die Mönche selbst, die hier Hand anlegen. Schon 1830 bauten sie das damals 200 Jahre alte Kloster wieder auf, nachdem es die Türken niedergebrannt hatten. Legten - ganz ökologisch - unter den Innenhof ein riesiges Sammelbecken für Regenwasser an. Auch den Priesternachwuchs aus der nahe gelegenen Provinz-Hauptstadt Chaniá bildeten sie aus, bis 1973.

Heute sind die Mönche eifrige Geschäftsleute, produzieren ökologischen Wein, Bio-Olivenöl und brennen griechischen Raki, den anisfreien Tsikoudia - mit Erfolg. Immerhin werden ihre Produkte in ganz Europa verkauft. Das Kloster an sich ist dennoch kaum bekannt. Genauso wie die Halbinsel Akrotiri. Allenfalls Chaniás internationaler Flughafen Daskalogiannis und die Buchten an der Westküste, an der Hauptstadt-Griechen vor der Staatsinsolvenz verstärkt Ferienhäuser bauten, haben hier einen Namen.

Dabei ist die 10 000-Einwohner-Halbinsel - mit 112 Quadratkilometern nur etwas größer als Föhr -, eine landschaftliche Schönheit. Im Südwesten befindet sich ein 200 Meter hohes Plateau, im Nordosten das über 500 Meter hohe Skloka-Bergmassiv, dazwischen liegen Olivenhaine und stachelige Phrygana.

Schon am Hals der Halbinsel bietet sich ein atemberaubender Blick hinunter auf Chaniá und das dunkelblaue Meer. Dort in schönster Stille, auf dem kleinen Berg Profítis Ilías, liegen die Grabanlagen zweier kretischer Nationalhelden. Unter Ministerpräsident Elevthérios Venizélos wurde Kreta 1913, wie lange ersehnt, endlich griechisch. Die Einheimischen sagen, einer seiner Soldaten, Spyros Kayales, habe den Grundstein dafür gelegt.

Heldenhafter Widerstand

Als die Kreter 1897 gegen die Willkür-Herrschaft der Türken rebellierten und sich auf Akrotiri mit griechischer Flagge verschanzten, war ihnen der Beschuss durch türkische Schiffe sicher, unterstützt von Großmächten wie Italien, Frankreich und Deutschland. Mehrfach trafen die Kanonen der Streitkräfte die griechische Fahne, mehrfach richtete sie Spyros unter Einsatz seines Lebens wieder auf. Als der Mast schließlich zerbrach, stellte sich der Kreter heroisch mit wehender Hellas-Flagge in den Wind. Freudenschreie und Hurrarufe ertönten kurz darauf, denn beeindruckt ob dieses heldenhaften Einsatzes, hatten Türken und Alliierte ihren Beschuss eingestellt - und später sogar Kretas Zugehörigkeit zu Griechenland gefördert. Noch heute wird dem ehrenhaften Soldaten am 9. Februar jeden Jahres mit einer feierlichen Kranzniederlegung vor seiner Statue gedacht.

Weniger Glück brachte Akrotiri dem Heiligen Johannes. Der Einsiedler lebte im zehnten Jahrhundert in einer 150 Meter langen Höhle, abgeschieden im Norden der Halbinsel. Eines Tages erschoss ihn ein Bauer. Aus Versehen. Er hatte den in Fell gekleideten Mann für ein wildes Tier gehalten. Sein Heim ist heute genauso wie die rußgeschwärzte Tropfsteinhöhle Arkoudospilios ein Höhepunkt auf dem Weg vom Kloster Gouvernéto bis zum Meer.

Serpentinenweg in den Felsen

Unglaublich schön ist die einstündige Wanderung über den Natursteinweg, den die scheuen Gouvernéto-Mönche in die Felsen gelegt haben. In Serpentinen geht es die Avlaki-Schlucht hinunter. Im Frühjahr blühen tausende Margariten am Wegesrand. Bienen summen herum, aus der Ferne ertönt das Meckern der Ziegen. Natur pur. Plötzlich versperren die Ruinen des Klosters Katholikó den Weg. Schluchtwände ragen senkrecht in den Himmel, aus den verfallenen Gemäuern wachsen Olivenbäume. Eine gewaltige Bogenbrücke spannt sich über den Abgrund und gibt den Weg frei zur kristallklaren Lagune inmitten der Felsenlandschaft, wo Taucher die flache Unterwasserwelt erkunden und Liebespaare gerne picknicken. Eine kleine Kapelle schaut aus einer Schluchtwand hervor, einzig ihre hübsche Fassade zeigt sie.

Die Mönche haben dieses Juwel schon im elften Jahrhundert in den Berg geschlagen. Noch heute liegt auf den Ruinen ein Hauch Mystik, insbesondere zur Mittagszeit, wenn der Wind den Steinen geheimnisvolle Töne entlockt. Wenn am 7. Oktober zum Fest des Heiligen Johannes die Brücke voller Pilger gerade überquillt, verblasst die geheimnisvolle Atmosphäre. Dann gibt es Stille und Ursprünglichkeit auf dem weiteren Weg durch das Skloka-Massiv bis nach Stavrós. Das nordwestlichste Badeörtchen liegt in der Einöde am Fuße des Zorbás-Berges. Dort tanzte Anthony Quinn schon den Sirtáki - im Film "Alexis Sorbas" natürlich.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 08.09.2012
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