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Schon mal den Traumstrand mit Rindern geteilt? An der subtropischen Wild Coast im Osten Südafrikas sind die meisten Sandstrände nämlich touristisch bisher kaum erschlossen. Obwohl es immer wieder Stichstraßen an die unberührte Küste gibt, ist diese Ecke des Landes sogar den meisten Südafrikanern unbekannt.
Als morgens bei Mazeppa Bay die Wanderung beginnt, ist der Titansand noch nass und trittfest. Die Flut ist gerade abgelaufen. Doch je länger man unterwegs ist, desto tiefer versinkt man im weichen Grund. Aber weite Strände, Lagunen, faustgroße Muscheln und Mangrovenwälder, dichte Dünenwälder und hüfthohe Flüsse, stets den Ozean und Delfine im Blick, entlohnen auf den Kilometern durch Sand. Und jene Rinder, die sich den Strand nur mit Einheimischen und Wanderern teilen.
Es ist eine Küste, die Menschen in den Bann zieht, so wie William und Liezel Ross. Ihr Weggang nach London war beschlossene Sache. Visa, Wohnung und zwei attraktive Jobs - alles vorbereitet. Doch dann funkte die Wild Coast dazwischen. Nita, Williams Mutter, hatte soeben den ersten Wanderweg erschlossen - und der Sohn war begeistert.
Flüge: Ab Frankfurt mit Emirates, Lufthansa, Turkish Airlines oder Katar Airways nach Kapstadt oder Johannesburg, weiter mit SA für rund 150 Euro nach East London
Auto: Die Stichstraßen zur Küste Schlaglochpisten. Nicht bei Dunkelheit fahren. Rechtzeitig tanken.
Orientierung: GPS verwirrt mehr, als es hilft. Kartenmaterial unter www.slingsbymaps.com
Veranstalter: Wanderreisen mit Unterkunft, Gepäcktransfer und Verpflegung, vier Tage, bei Meander Trail, ab 470 Euro pro Person, www.wildcoastholiday.co.za
Wasserfälle, die ins Meer stürzen, Hyazinthen so groß wie Ananas, Dünenwälder und felsige Kaps. Überwältigt vom Meander-Trail wurden die Auswanderpläne ad acta gelegt. William stieg ins Familienbusiness ein - East London statt London. Inzwischen kennt "Mr. Wild Coast" jedes Schlagloch, jede Straße und jeden Hotelmanager im Ostkap, der ehemaligen Transkei, die in Apartheidzeiten ein Homeland war, ein vorgeblich selbstverwaltetes Gebiet für schwarze Südafrikaner aus der Volksgruppe der Xhosa.
Das ist der weitgehend unterentwickelte Landstrich zwischen dem Kei River bei East London im Süden und Port Edward in der Provinz KwaZulu-Natal im Norden: eine unruhige Gegend, in der im 18. Jahrhundert mehrere äußerst blutige Grenzkriege zwischen Xhosa und weißen Siedlern gefochten wurden. Der dadurch unter Weißen bedingte schlechte Ruf der Wild Coast sitzt bis heute tief. Die meisten weißen Südafrikaner empfehlen ein weiträumiges Umfahren, obwohl sie selbst niemals dort gewesen sind.
Seit den ersten freien Wahlen vor fast 20 Jahren ist jedoch weder im Inneren der Transkei noch an ihrer Wild Coast viel passiert. Symptomatisch dafür steht die Geschichte von Nita Ross. Als sie ihre Wanderwege erschloss, stieß sie 2002 im Norden der Wild Coast auf die Mbotyi River Lodge, nahe Port St. Johns. "Wir krochen damals in Betten, die vor acht Jahren ein letztes Mal frisch bezogen worden waren", erinnert sich die heute 68-Jährige. Mit ihrer Tochter Helen kaufte sie die leerstehenden Holzhäuser am Mbotyi-Fluss - und rüttelte die Ferienanlage aus ihrem Dornröschenschlaf.
Sieben Wasserfälle, jeder für sich einzigartig, sind in der Nähe. Die von Schlaglöchern übersäte Straße dorthin ist wie viele andere auch ein "Hindernisparcours" durch die "rolling hills", die üppig-grünen Hügel des Ostkaps, vorbei an gewaltigen Eukalyptusalleen und der inzwischen brachliegenden Magwa-Teeplantage. Das letzte, kurvige Stück zur Lodge wurde vor kurzem geteert. "Bei Regen war es nicht mehr befahrbar", sagt William.
Sieben Autos hat der Mittvierziger bereits auf den Ruckelpisten verschlissen. "Abgesehen von den Teerstraßen nach Port St. Johns und Coffee Bay gibt's nur schlechte Stichstraßen, dabei würde uns eine Küstenstraße so viel Zeit sparen." Mbotyi ist ein optimaler Ausgangspunkt für mehrtägige Küstenwanderungen - am besten komfortabel mit Gepäcktransfer von Hotel zu Hotel und einheimischem Guide.
Gebaut wird an der Wild Coast übrigens nur in Mthata und Qunu, dem Heimatdorf Nelson Mandelas. Der erste schwarze Präsident des Landes kam 1918 im etwa eine Stunde Fahrt entfernten Mvezo zur Welt, wohnt aber in Qunu, wenn er nicht gerade in Johannesburg weilt.
In Mbotyi führt William die Gäste durch kniehohes Gras und ein kleines Maisfeld eine Düne hinauf. Der Ausblick von dort oben ist berauschend. Mintgrüne Rondavels, dahinter eine Lagune, ein weiter Strand und ein endloser, aufgewühlter Ozean, der an die rauen Kliffs donnert. Und in der Ferne das mit dichtem Wald bewachsene Hochland.
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