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Sonntag, 26.10.2014

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Mit dem Husky-Schlitten lässt sich die Weite des finnischen Teils Lapplands abenteuerlich erfahren

Im Hundegalopp ins Glück

Von Adrienne Friedlaender

Bei Tagesausflügen sitzen die Gäste im Schlitten, und der sogenannte Musher lenkt die Hunde.

© hf

Catherine Marguet brät Fisch am Feuer und bereitet Lachsburger.

© Friedlaender

Es schneit, und noch ist die Husky-Farm in Dämmerung gehüllt. Nördlich des Polarkreises lässt das Morgenlicht in den Wintermonaten lange auf sich warten. Die Hunde kläffen, jaulen und springen ungeduldig im Geschirr hin und her. Nur mit beiden Beinen fest auf der Hakenbremse ist der massive Holzschlitten noch zu halten.

Endlich gibt Wildnis-Guide Catherine Marguet das Startzeichen. Schnell wechseln die Füße von der Bremse auf die Kufen, die Hände umklammern den Haltegriff, und los geht's. Explosionsartig entlädt sich die Energie der Hunde. Im wilden Galopp preschen sie durch das Tor der Husky-Farm und folgen ihrem Leithund hinaus in die weiße Wildnis. Das Arktis-Abenteuer beginnt: fünf Tage mit dem Hundeschlitten entlang dem Pallas-Ylläs-Nationalpark durch Finnisch-Lappland.

Eisiger Fahrtwind

Anreise: Mit Scandinavian Airlines von Frankfurt via Helsinki nach Kittila ab etwa 490 Euro.

Unterkunft: Harriniva Hotels und Safaris, Harrinivantie 35, 99 300 Muonio, www.harriniva.fi, E-Mail: info@harriniva.fi, Tel.: 00358/165/30 03 00.

Husky-Safari: Die einwöchige Reise mit fünftägiger Safari wird  bis Ende April angeboten und kostet ab 2000 Euro. Im Preis eingeschlossen sind: Transfer, zwei Übernachtungen im Hotel, vier Übernachtungen in Wildhütten, Vollpension, Ausrüstung für die Safari, Hundegespann, deutsch- oder englischsprachige Reiseleitung. Wer nicht für fünf Tage buchen möchte, hat die Möglichkeit, an kürzeren Touren teilzunehmen (www.huskytrack.de).

Fünf Frauen und ein Mann stehen heute Morgen zum ersten Mal und noch etwas unsicher auf den Kufen. Dennoch geht es sofort mit Volldampf los. "Die Bremse ist euer bester Freund", hat Catherine bei der Einweisung am Morgen lachend erklärt. Nun ist klar, warum. Im rasanten Tempo geht es durch den Wald - um Kurven und über Buckelpisten. Der eisige Fahrtwind treibt Tränen in die Augen. "Suoraan" - geradeaus, "oikea" - rechts, "vasen" - links. Die graue Bommel-Strickmütze tief ins Gesicht gezogen, ruft Catherine ihren Hunden die Kommandos zu. Nur ihr Leithund, vorn im ersten Gespann, gehorcht den Richtungsbefehlen. Alle anderen Hunde folgen. Eigentlich ganz einfach. Zumindest solange kein Hund auf die Idee kommt, die Strecke etwas abzukürzen, und in den Tiefschnee des dichten Waldes rast. Dann heißt es Nerven behalten, gut festhalten und Kopf einziehen.

Schon bald erreicht die Gruppe den zugefrorenen "Muonionjoki", den Grenzfluss zu Schweden. Endlich geht es geradeaus. Beinah lautlos ziehen Aragon, Louki, Taz und Christal den Schlitten durch den weichen Schnee. Mit den Hunden galoppieren nun auch die Glückshormone durch den Körper: Was für ein Gefühl, mit dem Schlitten durch die Winterlandschaft zu fliegen!

Während der Husky-Safari führt jeder Teilnehmer sein eigenes Hundegespann, das je nach Gewicht aus vier bis sechs Hunden besteht. Auf der Ladefläche der Schlitten ist ein Sack festgezurrt, in dem die Ladung verstaut ist: Feuerholz, Hundefutter, persönliches Gepäck und ein Schneeanker. Ab und zu verheddern sich die Leinen, und bei dem Versuch, während der Fahrt den Hintermann zu fotografieren, fällt eine Teilnehmerin prompt in den Schnee. Aber davon abgesehen klappt die Fahrt auf dem Schlitten eigentlich gut.

Lagerfeuer im Schnee

Nach zwei Stunden gibt Catherine das Zeichen zur Pause. Sie holt Teekessel und Kochgeschirr aus dem Schlittensack. Messer und Werkzeug für die Arbeit in der Wildnis hängen immer griffbereit an ihrem breiten, roten Ledergürtel. Schon bald dampft der Teekessel über dem Lagerfeuer, und in der Pfanne brutzelt frischer Lachs, den Catherine wenig später, eingewickelt in Fladenbrot, als "Lohi-Burger", als finnischen "Lachsburger", serviert.

Nur das gleichmäßige Hecheln der Hunde begleitet die Karawane durch Wälder und über weite, zugefrorene Seen durch die Stille der Winterlandschaft. Es scheint, als seien alle Geräusche unter der tiefen Schneedecke vergraben. In der Ferne trabt ein riesiger Elch über den vereisten See, und am Waldrand scharren drei Rentiere auf der Suche nach ein paar Flechten im Schnee.

Der Mond geht auf, als am frühen Nachmittag das "Porokämpp" naht. In der einfachen Rentierhütte gibt es weder Strom noch Wasser. Daher erfolgt, nachdem die Hunde ausgespannt sind, ein Rollentausch: Zwei Teilnehmer spannen sich vor einen kleinen Plastikschlitten und ziehen riesige Eimer mit Wasser aus dem nahen Bach zur Hütte. Zuerst werden die Hunde versorgt. Im Schein der Kopftaschenlampe zerhacken die anderen mit der Axt die gefrorenen Fleischblöcke, die im erhitzten Wasser einen gewöhnungsbedürftig riechenden Futterbrei ergeben. Die Huskys aber stürzen sich gierig auf die gefüllten Näpfe. Nach dem Fressen verbringen sie die Nacht im Freien. Alles andere wäre für die arktischen Hunde viel zu warm.

Zwei Gaslampen verbreiten heimeliges Licht in der Hütte. Herd, Holztisch, Bänke und ein paar Stockbetten sind die einzige Einrichtung der Unterkunft. Das Kaminfeuer verbreitet angenehme Wärme, und auch die Sauna nebenan ist schon angeheizt. Denn egal, wie simpel die Hütten in der Wildnis auch sind: Ohne Sauna läuft nichts bei den Finnen!

Warten auf das Polarlicht

"Kaamos" nennen die Finnen die Zeit der Polarnacht. Der Schnee reflektiert das Licht von Mond und Sternen und bald auch - so hoffen die Hüttengäste - der Aurora Borealis, des Nordlichts. Denn wer im Winter nach Lappland fährt, der hofft darauf, zumindest einmal das grün-rot leuchtende Lichtspektakel zu erleben. So sitzen alle, aufgeheizt von der Sauna, auf einer Holzbank vor der Hütte und blicken erwartungsvoll in den Himmel. Der Mond bricht durch die Wolken, und die weißen Tannen werfen lange Schatten in den leuchtenden Schnee - nur das Nordlicht lässt sich nicht blicken.

Müde von der Kälte des Tages, der Hitze der Sauna und den Abenteuern der Wildnis versammelt sich die Gruppe zum Essen um den Tisch. Es gibt eine lappländische Spezialität: Rentiergeschnetzeltes, Kartoffelpüree und Preiselbeeren. Catherine verrät beim Essen ihre Überlebens-Tipps, etwa: "Niemals am Morgen das Gesicht waschen. Das ist der beste Schutz gegen die Kälte." Dann erzählt sie von ihren Safari-Erlebnissen, bis sich alle in ihre Schlafsäcke verkriechen. Mitten in der Nacht dann beginnt plötzlich ein Hund zu jaulen, ein zweiter stimmt ein, bis wenig später das ganze Rudel in einem einzigartigen arktischen Konzert den Mond anheult.

Fünf Tage später traben alle wieder auf der Husky-Farm ein. Schwermütig befreien die Reisenden ein letztes Mal ihre treuen Kameraden vom Geschirr und kehren zurück in die Zivilisation. Nicht ein einziges Mal hat das Nordlicht den arktischen Himmel erleuchtet. Vielleicht ein Grund mehr, noch einmal zurückzukehren in die Wildnis Lapplands?

© Mannheimer Morgen, Samstag, 05.01.2013
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