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Mit Ruhe und Gelassenheit

Von Tanja Rühle

Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen besticht mit urigen Kneipen, trendigen Stadtvierteln und verlockenden Süßigkeiten - sowie mit einer angenehm entspannten Atmosphäre.

Die kleine Meerjungfrau, das Erkennungszeichen Kopenhagens nach einer Erzählung des dänischen Märchenautors Hans Christian Andersen, ist mit 125 Zentimeter Höhe in der Tat klein und gilt sogar als das zierlichste Stadtwahrzeichen weltweit.

© dpa

Kopenhagen riecht nach gebrannten Mandeln. Deren Duft mischt sich mit dem von Waffeln, Kuchen und Törtchen, wenn man die lange Fußgängerzone Strøget in der Innenstadt entlangschlendert.

Beim Blick in die Auslage der Bäckereien läuft dem Liebhaber von Süßigkeiten das Wasser im Mund zusammen. Da türmen sich Erdbeertörtchen neben üppigen Marzipantorten. Schneckennudeln, die lustige Namen wie "Direktors Snegl" tragen, liegen neben knusprigen Broten. Einheimische und Touristen lassen sich die Köstlichkeiten an einem der Tresen entlang der riesigen Fenster schmecken.

Es gibt aber auch zahlreiche gemütliche Cafés, in denen hervorragender Kuchen angeboten wird. Egal wo, das nachmittägliche Kaffeetrinken sollte bei keinem Kopenhagen-Besuch fehlen. Der Urlauber braucht diese Verschnaufpausen allein schon deswegen, weil er so viele Stunden täglich zu Fuß unterwegs ist, dass er sich einfach ausruhen muss.

Anreise: Verschiedene Airlines fliegen in einer guten Stunde von Frankfurt nach Kopenhagen.

Währung: In Kopenhagen bezahlt man mit dänischen Kronen.

Preise: Alle Konsumgüter sind im Vergleich mit Deutschland sehr teuer.

Übernachten: Viele Dänen vermieten ihre Privatwohnung zeitweise unter www.airbnb.com

Einkaufen: Haupteinkaufsstraße ist die Strøget mit vielen internationalen Geschäften. Das Einrichtungshaus Illums Bolighus ist wie ein Streifzug durch die dänische Designwelt.

Sehenswürdigkeiten: In einigen Museen ist der Eintritt frei. Für Kinder wird viel geboten.

Stadtbesichtigung zu Fuß

Es gibt wahnsinnig viel anzuschauen. Die meisten Sehenswürdigkeiten können fußläufig erkundet werden. Außerdem verfügt Dänemarks Hauptstadt über ein fantastisches Bus-, Bahn- und Metronetz. So lassen sich wenigstens die ganz bekannten Sehenswürdigkeiten abklappern: die kleine Meerjungfrau als das Wahrzeichen Kopenhagens, Schloss Amalienborg, wo die königliche Familie residiert, der Vergnügungspark Tivoli und die verschiedenen Wirkungsstätten des Märchenerzählers Hans Christian Andersen.

Alles schön - nur das richtige Kopenhagen entdeckt der Urlauber in anderen Ecken, etwa im Stadtteil Nørrebro. Einst Schauplatz von Häuserkämpfen, hat sich das Viertel zum Szenetreff gemausert. Triste Hinterhöfe sind gut durchdachten Wohnkonzepten gewichen, die vor allem Platz für junge Familien bieten.

Entsprechend haben die meisten Backstein-Mehrfamilienhäuser tolle Innenhöfe mit vielen Bänken, Tischen und Grillplätzen. Für die Kinder wurden Dutzende von Spielplätzen angelegt. So prägen - wie auch in den anderen Stadtteilen - Eltern mit Kinderwagen das Straßenbild. Und noch etwas ist in Kopenhagen nicht wegzudenken: die Radfahrer.

Am Nachmittag trifft sich im alternativ geprägten Nørrebro alles auf dem Hans-Torv-Platz. Dort laden etliche schöne Cafés rund um den Jugendstilkiosk zum Faulenzen in der Sonne ein. Alles wirkt irgendwie entschleunigt. Vom hektischen Treiben anderer Metropolen keine Spur. Von hier aus lässt es sich wunderbar zu einem kleinen Bummel durch die sternförmig abzweigenden Straßen aufbrechen.

Besonders nett sind Elmegade und Falledvej mit ausgefallenen Klamottengeschäften, Restaurants, Blumen- und Kinderläden. Auch die Sankt-Hans-Gade ist einen Abstecher wert: In der Straße werden Liebhaber von Nostalgischem fündig. Zylinder, Grammophon und Co. gibt es in den Antiquitätenläden zu kaufen. Nicht verpassen sollte man den Besuch des Assistens Kirkegård, der Friedhof und Park zugleich ist und unglaublich viel Ruhe ausstrahlt. Auf dem Friedhof findet sich auch das Grab von Hans Christian Andersen.

Auf die Spuren des Literaten trifft der Kopenhagen-Besucher auch am Nyhavn, dem Hafen der Stadt. An der Promenade reiht sich an die gelben, blauen und orangefarbenen Häuschen auch das eher unauffällige Wohnhaus des Schriftstellers. Ein Spaziergang am Hafen ist absolut ein Muss. Bei schönem Wetter bevölkern Hunderte von Menschen die Kaimauern und genießen die Sonne bei einem Bier. Von hier aus starten auch die Bootstouren durch die Kopenhagener Kanäle, die absolut sehenswert sind. Während einem der salzige Seewind um die Nase bläst, geht es vorbei an der mondänen Oper, der Hippie-Enklave Christiania, der wirklich kleinen Meerjungfrau, Schloss Amalienborg, dem Stadtteil Christianshavn mit der güldenen Vor-Frelsers-Kirke, dem ältesten Platz der Stadt und vielem mehr.

Zentrum guter Küche

Genauer anschauen sollte sich der Kopenhagen-Urlauber das Latiner-Viertel in der Innenstadt. Vom Rundetaarn (Runder Turm) aus hat man einen herrlichen Blick über das Stadtgebiet. Bei gutem Wetter können die Besucher in 36 Meter Höhe das Meer und die Øresundbrücke nach Schweden bewundern. Das Besondere am Runden Turm aus dem 17. Jahrhundert ist der Aufgang: Ein langer Wendelgang führt fast bis zur Spitze. Zar Peter der Große soll sogar mit einem Sechsspänner nach oben kutschiert worden sein.

Das Latiner-Viertel zeichnen aber nicht nur die altehrwürdigen Gebäude aus, sondern auch die Vielzahl an dänischen Restaurants. Am Kultorvet kann man in einer der urigen Wirtschaften Smørrebrød essen. Das Nationalgericht besteht aus verschieden belegten Broten mit Hering, Ei, Kartoffelsalat oder anderen Köstlichkeiten.

In der Nummer 5, dem ehemaligen Restaurant "Lamm", schlägt Gästen rustikaler Bierdunst entgegen. Doch davon sollten diese sich nicht abschrecken lassen. Denn drinnen begegnet einem die dänische Gemütlichkeit in urigster Form. Holzvertäfelte Wände, einfache Tische, eine gut bestückte Bar - alles erinnert ein bisschen an eine Seemannskneipe. Eine Speisekarte gibt es nicht, dafür jede Menge Überraschungen auf dem Teller.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 12.05.2012
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