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Zugspitze: Auf dem Dach Deutschlands bietet ein Iglu-Dorf Unterschlupf.

Nächte in Eis und Schnee

Von Axel Scheibe

Der Blick von der Zugspitze auf das Gipfelpanorama zeigt einen wundervoll klaren Morgen.

Der Zugang zu einem Sechs-Personen-Iglu ...

... und die Gemeinschaftsbar im großen Iglu-Haus. (Bilder: Scheibe)

Es sind nur wenige Passagiere, die die Wagen der Zugspitzbahn verlassen. Am Zielbahnhof auf dem Zugspitzplatt ist die Fahrt auf Deutschlands höchstem Berg beendet. Es ist die letzte Bahn, die am frühen Nachmittag acht Gäste ins "Sonn-Alpin" entlässt. Um diese Zeit fahren keine Skifahrer mehr bergauf. Verständlich, dass die letzten fahrplanmäßigen Züge leer nach oben und dicht gefüllt mit Pistenfreaks zurück nach Garmisch-Partenkirchen rollen. Aber was wollen diese Passagiere jetzt noch oben auf dem Dach der Republik? Nicht einmal Skier oder Boards haben sie dabei.

"Willkommen auf der Zugspitze. Ich bin die Athene." So begrüßt die junge Frau im Skianzug im "Sonn-Alpin", dem Restaurant auf dem Zugspitzplatt, ihre Gäste aus verschiedenen Ecken Deutschlands. Kurz gibt sie eine erste Einweisung zum Iglu-Dorf. Das ist das Ziel der späten Bergfahrer. Zwar kein Hotel, aber eine einmalige Form der Übernachtung.

Zuerst am Hang

Info: Neben dem Iglu-Dorf auf der Zugspitze gibt es vier weitere Iglu-Dörfer in der Schweiz - Engelberg/Titlis, Davos/Klosters, Gstaad und Zermatt

Saison: Die Wintersaison dauert dort bis Mitte April

Kosten: Eine Nacht im Standard-Iglu für bis zu sechs Personen kostet ab 109 Euro pro Person. Die Nacht im Romantik-Iglu kostet ab 169 Euro je Person

Extras: Zu den Leistungen gehören neben dem Frühstück auf dem Zugspitzplatt Käsefondue und Glühwein im Iglu-Dorf. Die Zugspitzbahn ist nicht ínbegriffen (35 Euro pro Person, Berg- und Talfahrt).

Kontakt: Tel.: 0041-41-612 27 28, www.iglu-dorf.com

Am Anfang steht ein kurzer Exkurs in die Geschichte des Iglu-Dorfes. Bereits seit einigen Jahren können Touristen auch auf dem Zugspitzplatt heiße Nächte im Eispalast verbringen. Das Ganze begann damit, dass einige Skifreaks gern schon auf Brettern stehen wollten, bevor der Andrang der Skifahrer aus dem Tal beginnt. Die haben sich dann einfach Iglus gebaut, oben übernachtet und waren die ersten am Hang. Anfänglich allein, dann kamen Freunde dazu. Das war vor über 15 Jahren auf der Motta Naluns im Unterengadin.

Bald wurde der Andrang der Freunde zu groß, das erste Igludorf entstand. Heute kann dort jeder übernachten, der will. Während die Wintersonne langsam hinter den Bergen verschwindet, machen sich die Dorfgäste fertig. Dicke Sachen sind Pflicht. Den Schlafsack stellt der Veranstalter. Bis 40 Grad minus soll er warm halten. Ein Versprechen, das man im Iglu-Dorf nicht überprüfen kann, denn selbst wenn auf der Zugspitze eisiger Frost mit weit unter 20 Grad minus herrscht, bleibt es in den Iglus um die null Grad relativ warm. Im "Bett" frieren muss also niemand.

Zu zweit im Romantik-Iglu

Es sind nur wenige Meter bergauf zum Eingang des Iglu-Dorfs. Zeit, um aus den einsamen Wanderern weiße Schneemänner zu machen. Athene öffnet die Tür zum Reich für die kommenden Stunden. Einige größere Iglus sind für je sechs Gäste gedacht. Immer beliebter jedoch sind die Romantik-Iglus für traute und romantische Zweisamkeit. Einige von ihnen haben sogar eigene Toiletten. Ein Stücken Luxus in der Kälte.

Schnell werden die Sachen in die Schlafiglus gebracht. Schon wartet im großen Iglu an der Bar ein heißer Glühwein zur Begrüßung. Es braucht rund 3000 Tonnen Schnee, 15 fleißige Iglu-Bauer und einen Monat, um das Dorf aus dem Schnee zu stampfen.

Während das Käsefondue zu duften beginnt und sich alle um die großen Schneetische versammeln, kommt langsam Stimmung auf. Viele Geschichten von Bergerlebnissen sowie manch guter Witz machen die Runde - Athene, Johannes und Christoph, die drei "Dorfbetreuer", haben einige davon auf Lager. Sie geben dem gemütlichen Dinner in frostiger Umgebung die richtige Würze. Gut gestärkt und vom Glühwein erwärmt geht es hinaus. Der romantische Spaziergang unter Sternen ist der eigentliche Höhepunkt des abendlichen Programms. Die Sterne funkeln vom tiefschwarzen Himmel und tauchen die Schneelandschaft in ein gespenstiges Licht. Sternbildsuchen ist dabei nur eine Seite, Athene weiß viel zu erzählen zur Region, zur Geschichte und auch zu manch außergewöhnlicher Begebenheit.

Die Stille und die Dunkelheit werden nur unterbrochen von Pistenraupen, die nicht weit entfernt ihre nächtliche Arbeit verrichten. Nach dieser Kältereise ist es im Igludorf zwar recht anheimelnd warm: draußen minus 18, innen plus 2 Grad. Trotzdem wird nun der 39 Grad warme Whirlpool zum besonderen Anziehungspunkt.

Allerdings: So wie die Inuit ihre Schneehütten bauen, wird hier nicht vorgegangen. Es liegt nicht Eisblock auf Eisblock, sondern große Luftballons werden aufgeblasen, im eisigen Untergrund verankert und mit zahlreichen Schichten Schnee eingedeckt. "Der Schnee wird verfestigt", erläutert Athene. "Dann wird die Luft rausgelassen, und fertig."

Großen Aufwand erfordert die Inneneinrichtung. Alles muss aus Schnee und Eis gebaut werden. Zum Abschluss kommen die Eiskünstler und formen Plastiken zur Verschönerung. So gehören in die Romantik-Iglus natürlich Herzen an die Wand. Das stille Örtchen bilden in den Schnee eingebaute Campingtoiletten. Beleuchtet werden alle Räume mit Kerzen.

Gegen sieben Uhr morgens ist es Zeit, aus den warmen Schlafsäcken zu schlüpfen. Wer seine Sachen mit im Schlafsack hatte, kann zufrieden lächeln. Sonst wird es erst einmal mächtig frisch. Am Zugspitzplatt warten ein Frühstück und die Waschräume. Und dann ist Zeit, für weitere Stunden das tolle Wetter auf der Zugspitze zu genießen, bis der Trubel des Tages so richtig einsetzt.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 26.01.2013
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