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Paradies der dicken Vögel

Von Yasmin Akbal

Naturparks zum Quadfahren, siebenfarbige Erden, ein heiliger See und der längst ausgestorbene Dodo als Maskottchen - Mauritius begeistert auf vielfache Weise.

Der Blick von einem Hügel im Park Domaine de l’Etoile ins Tal und Richtung Indischer Ozean.

© Akbal

Es ist eine Idylle wie aus dem Bilderbuch. Strohgedeckte Hütten, ein schier endloser Wald mit Palmen und Ebenholz-Bäumen, fein geschnittener Rasen um einen kleinen Teich. Ruhe. Dann brummen plötzlich die Motoren. Auf zehn Quads fahren im Gänsemarsch 20 Besucher durch die 2000 Hektar große "Domaine de l'Etoile". Der Park in Privatbesitz ist eine von vielen Anlagen, in denen Touristen Mauritius bei kleinen Safari-Touren erkunden können.

"Nach vorne beugen, wenn es bergauf geht und nach hinten lehnen, wenn es den Berg runter geht", geben die beiden Ranger ihren Schützlingen noch auf den Weg mit, dann rollt der Tross durch die Zuckerrohrplantagen. Staub wirbelt auf, als die Fahrzeuge über den rötlichen Sand, in Richtung Berge fahren. Die wenigen Affen, die in den Wäldern leben, halten sich lieber versteckt. "Die mögen den Gestank der Quads nicht", sagt einer der Ranger und grinst. Auch die Wildschweine, die hier gegen Bezahlung gejagt werden können, verziehen sich lieber.

Bunter Süden

Mauritius

Lage: Die Insel liegt etwa 1700 Kilometer östlich der afrikanischen Küste. Im Norden befinden sich die Seychellen, im Westen die Inseln La Réunion und Madagaskar.

Anreise: Condor fliegt nonstop von Frankfurt am Main nach Mauritius (etwa 11,5 Stunden).

Währung: Rupien.

Schon lange verschwunden ist auch der Ureinwohner und das Lieblingstier der heutigen Einwohner, der Dodo. Einst führte der Vogel mit dem dicken Bauch und dem krummen Schnabel auf der 2000 Quadratkilometer großen Insel im Indischen Ozean ein gemütliches Leben. Er brütete am Boden, watschelte umher, konnte nicht fliegen und hatte keine natürlichen Feinde. Doch mit der Ankunft der ersten Seefahrer auf der bislang unbewohnten Insel kamen die Ratten. Die auf dem Boden abgelegten Dodo-Eier waren leichte Beute. Und die Menschen hingegen liebten sein Fleisch. Das Ende des Vogels war schnell besiegelt. Heute gibt es das Tier nur noch aus Plastik oder Holz - als Souvenir.

Auf dem Land überzeugt Mauritius weniger mit einer artenreichen Tierwelt als mit anderen Qualitäten: Landschaft und Kultur. Ein wahres Naturschauspiel ist die siebenfarbige Erde in Chamarel im Süden der Insel. Durch Auswaschungen der Erde leuchtet eine konzentrierte Zusammensetzung von Eisen und Aluminium in Purpur-, Ocker- und Lilatönen - je nach Lichteinstrahlung. Weil begeisterte Touristen sich immer wieder kleine Erdproben mit nach Hause genommen haben, ist das Areal inzwischen eingezäunt. Ein paar Meter weiter rauscht der Wasserfall von Chamarel fast 100 Meter in die Tiefe. Eine natürliche artenreiche Tierwelt gibt es erst wieder im Wasser: Bei einem Bootsausflug laden türkisblau glitzernde Lagunen zum Tauchen in Korallenriffen und zum Schwimmen mit bunten Fischen und Delfinen ein.

Exotischer Norden

Ein Kontrastprogramm bietet der Norden des Landes. Entlang der Küste stehen die Villen wohlhabender Ausländer und Mauritier. Die Region um die Stadt Grand Baie wird deshalb auch oft "St. Tropez de Maurice" genannt. In Boutiquen verkaufen Händler Kaschmir-Pullover, edlen Schmuck und teure Sonnenbrillen. Im Zuckermuseum "Aventure du Sucre" erfährt man die komplette Geschichte des Landes, die untrennbar mit dem Anbau des Zuckerrohrs verbunden ist. Im 1767 gegründeten Botanischen Garten in Pamplemousses lässt sich anschließend entspannen.

Entdeckt haben die knapp 900 Kilometer von Madagaskar entfernte Insel um das Jahr 1505 Portugiesen - und eine bewegte Geschichte begann. Die Niederländer übernahmen die Insel und holzten sie fast komplett ab. Die Franzosen, die Mauritius 1715 eroberten, ließen dort Sklaven aus Ostafrika und Madagaskar auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten, bis sie die Insel nach knapp 100 Jahren an die Briten abtreten mussten. Im 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Menschen aus Indien ein. Unabhängig wurde Mauritius 1968 - nach 150 Jahren britischer Herrschaft - und gehört seitdem dem Commonwealth an.

Die wechselreiche Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen. Auf den Straßen fährt man links, Hauptsprachen sind Englisch, Französisch und Kreol. Noch heute erkennt man in den Gesichtern der Einwohner die unterschiedlichen Herkunftsländer. Das Land ist ein Schmelztiegel der Kulturen: "50 Prozent Hindus, 32 Prozent Christen und 17 Prozent Moslems", zählt ein Reiseleiter auf, "und 100 Prozent Menschen."

Damit beschreibt er ziemlich genau das Zusammenleben der verschiedenen Religionen, die in dem Mikrokosmos friedlich neben- und miteinander leben: Diwali, das Lichterfest der Hindus, wird gemeinsam gefeiert, ebenso wie Weihnachten oder das Ende des Ramadan. Moscheen stehen unweit von Kirchen, und die Pilgerstätte Gran Bassin am heiligen See der Hindus bewacht lediglich eine 33 Meter hohe Statue des Gottes Shiva. Dabei ist jeder sehr stolz auf seine Religion. Vor den Häusern signalisieren rote Fähnchen hinduistische Bewohner, grüne muslimische. Und wer noch immer nicht weiß, wes' Haus er betritt, erkennt die Religion an den Figürchen im Schrein neben der Haustür. "Nur wenn Wahlkampf ist", erzählt Taxifahrer Danny, "versuchen Politiker die Angehörigen der verschiedenen Religionen gegeneinander auszuspielen und Unruhe in das Zusammenleben zu bringen".

Einzig der Humor der Einheimischen ist gewöhnungsbedürftig. "Guten Tag, Ihr Kapitän ist heute aus Somalia. Seien Sie bitte freundlich zu ihm", ist wohl der letzte Satz, den man auf offenem Meer bei einem Ausflug von der Schiffsbesatzung hören möchte.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 12.01.2013
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