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Die Frage wird kommen - so sicher wie der Ruf des Muezzins. Beim Anblick der Warteschlange vor dem Eingang zur Hagia Sophia wüsste jeder gern: "Lohnt sich der Besuch wirklich?"
Als Antwort genügt ein Stichwort: Schwarmintelligenz. Aus vielen guten Entscheidungen einzelner wird die Weisheit der Masse - auch in Istanbul. Das Vertrauen auf die Urteilskraft der Vorderleute in der Schlange wird im Inneren der rund 1500 Jahre alten "Kirche der Heiligen Weisheit" mit byzantinischer Baukunst belohnt: mit Überresten der berühmten Mosaike, mit Ausstattungen aus der Zeit, als die Hagia Sophia zur Moschee umfunktioniert wurde, und mit einem riesigen Mittelschiff, über dem in 56 Meter Höhe eine Kuppel zu schweben scheint, als hinge sie an einer Himmelskette.
Flug: Linienmaschinen und die meisten Charterflieger landen in Istanbul auf dem Atatürk Hava Limani. Billiganbieter nutzen den Sabiha-Gökçen-Airport auf der asiatischen Seite. Von beiden Flughäfen gibt es Shuttle-Service (www.havatas.com) ins Zentrum
Unterkunft: Dachterrassen-Ferienwohnungen unter www.ferienhaus-ferienwohnung-tuerkei.de oder www.ayasofyakonaklari.com
Kultur: Kunstzentrum "Schneidertempel Sanat Merkezi", www.schneidertempel.com; Museum of Modern Art, www.istanbulmodern.org; Wallfahrtsort Eyüp, per Bus von Eminönü bis Eyüp Iskele
Essen: Setüstü Çay Bahçesi, Teegarten im Gülhane Park, 9-22 Uhr; Otantik - Türkü Bar & Restaurant, Istiklal Cad. Balo Sk. No. 1, www.otantikbar.com
Café Pierre Loti, auf dem Eyüp-Hügel
Einkaufen: Horhor Pit Pazari, Kirma Tulumba Sok. 13; AksaraySali Pazari, größter Wochenmarkt der Stadt
Info und Angebote: Fremdenverkehrsamt Türkei, www.tuerkei-tourismus-kultur.de; Istanbulkart: aufladbare Chipkarte für öffentliche Verkehrsmittel inklusive Fähren; Museumspass: neben freiem Eintritt zu teilnehmenden Museen (www.muze.gov.tr/museum_pass) gibt es Vergünstigungen in privaten Ausstellungen, Parks und Museumsshops.
Der echte touristische Entscheidungsernstfall tritt dann vor der gegenüberliegenden Sultan Ahmet Camii - der Blauen Moschee - ein. Wer Studien über Istanbul-Besucher anstellen möchte, der ist in der Menschenmasse, die dort jeden Winkel flutet, richtig. Die anderen machen sich auf den Weg zur Süleymaniye-Moschee, die unter Kennern als das vollkommenste Beispiel osmanischer Sakralarchitektur gilt.
Vorab lädt jedoch die Terrasse des Teegartens im Gülhane Park zu einem entspannten Blick über den Bosporus ein, samt all den Jollen, Kähnen, Fähren und Frachtern darauf. Der Tee wird dort im Semaver serviert, dem typischen Doppelkannen-Samowar, der oben starken Teesud enthält und unten heißes Wasser zur Verdünnung.
Für kleine Snacks ist überall gesorgt. Istanbul wurde erst kürzlich zu einer der zehn Städte mit dem besten Imbiss-Angebot der Welt gekürt. Wahrlich gesegnet ist, wer eine Ferienwohnung gemietet hat und damit über einen eigenen Herd verfügt. Der größte Wochenmarkt der Stadt, der Sali Pazari, findet dienstags auf der asiatischen Seite entlang der Mahmut Baba Sokak in Kadiköy statt. Wer sich jedoch in einem restaurierten alten Holzhaus der Ayasofya Mansions einquartiert hat, der wird zwischen Lokanta, den Garküchen, und Luxus-Restaurants, zwischen Fischbrötchen und Baklava, dem süßen Blätterteig-Dessert, wählen. Und immer wieder in einem Dachterrassen-Lokal landen, um sich auf diesem Logenplatz Istanbuls an der Stadt sattzusehen und zu begreifen, warum die Osmanen sie "Die großartige Stadt" oder "Pforte der Glückseligkeit" genannt haben.
Jeder Istanbul-Tag beginnt mit einem Simit, einem Sesamring, und einem Glas Tee, von dem es den besten im Sirin Café am Fuß des Galata-Turms gibt. Dort startet man idealerweise die Erkundung des Beyoglu-Quartiers. In den steilen Gassen rund um den Turm hat sich das moderne Istanbul mit Boutiquen, Cafés, Galerien, Design-Ateliers und Musikhandlungen etabliert.
Ein besonderes Beispiel für Beyoglus gelungenen Brückenschlag zwischen Erbe und zeitgenössischer Kunst ist der Schneidertempel. Einst eine Synagoge, werden dort seit 1999 wechselnde Ausstellungen präsentiert, die vor allem jungen und kritischen Künstlern Raum geben.
Ein paar Nummern größer und von Fachleuten in der Nachfolge des New Yorker MoMA gesehen, ist das 2004 eröffnete Museum für zeitgenössische Kunst "Istanbul Modern". Rund um das Museum haben sich einige der beliebtesten Shisha-Bars der Stadt angesiedelt. Oder man entspannt in einer Türkü-Bar, in der zu traditioneller Musik getanzt wird.
Kontrastprogramm zur Feier-Stimmung bietet ein Besuch Fatihs, des Stadtviertels sittenstrenger Gläubiger. Während Muslima ihre Männer auf die Marktstraße zwischen Valens-Aquädukt und Zeyrek-Moschee begleiten, finden sich im Horhor Pit Pazari, dem ältesten Floh- und Antiquitätenmarkt Istanbuls, vor allem Liebhaber von Trödel, Nippes und alten Möbeln.
Von Fatih aus ist es nicht weit bis Eyüp, dem "heiligen Viertel" Istanbuls mit dem Schrein von Eyüp Ensari, dem Fahnenträger Mohammeds. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort für Gläubige. Unmittelbar neben der Eyüp-Moschee breitet sich ein großer Friedhof den Hügel hinauf bis zum Café Pierre Loti aus. Von dort oben kann man bei schönem Blick auf das Goldene Horn und Istanbuls Altstadt überlegen, ob man nicht doch noch zwei, drei Tage länger bleibt, und ein weiteres Mal auf die Schwarmintelligenz vertrauen.
| Telefon | 0621/392-1313 |
| Fax | 0621/392-1373 |
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