DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Montag, 20.10.2014

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Im Goldenen Dreieck Nordthailands nehmen die Mönche ihre Opfergaben auf Pferden entgegen

Segen im Sattel

Von Martina Katz

Hoch zu Ross sammeln und verteilen die Mönche im Norden Thailands Spenden zugunsten der weit abgeschieden lebenden, armen Bergbevölkerung.

© Martina Katz

Punkt 7:30 Uhr: Ein Gong ertönt auf dem sandigen Tempelplatz in der weitläufigen Bergregion des Goldenen Dreiecks. Die rund 100 angereisten Thailänder verstummen sofort. In Windeseile reihen sie sich nebeneinander. Manche stehen im Tempelsand, andere hocken auf Plastikstühlen zwischen den mit Stroh gedeckten Bambushäuschen, die den Platz kreisförmig umranden, rund um die goldenen Elefanten-Statuen mit jadefarbenen Stoßzähnen in der Platzmitte. Sie nehmen ihre rosa- und gelbfarbenen Chrysanthemen in die gefalteten Hände, schließen die Augen und murmeln gemeinsam mit der sonoren Lautsprecherstimme ein Gebet.

Eben noch diskutierten sie wild durcheinander, tauschten aufgeregt Reiseerfahrungen aus. Doch jetzt ist das Gebet wichtiger, zur Einstimmung, zur Ehrerbietung. Denn gleich werden sie kommen: Thailands berühmte Pferdemönche. Im Wat Phra Archa Thong, dem Tempel des goldenen Pferdes, mitten im thailändischen Dschungel, 20 Kilometer vor der Grenze zu Myanmar, nehmen die Mönche ihre Opfergaben auf Pferden entgegen - ein ungewöhnliches Ritual für Buddhisten und einzigartig in Asien.

20 Mönche auf 20 Pferden mit 20 silbernen Opferschalen reiten auf den Platz auf dem Berg. Die safranfarbene Strickmütze auf dem Kopf, das rote Gewand Kesa um den Körper geschlungen. Sie kommen mit Wollsocken in einfachen Badelatschen, denn morgens ist es kalt in der hohen thailändischen Bergwelt. Langsam und gemächlich reiten die Mönche vorbei an der Reihe opferwilliger Thais. Immer wieder müssen ihre Pferde halten, denn die Einheimischen spenden ausgiebig.

Tipps und Adressen

Info: Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bethmannstr. 58, 60311 Frankfurt/M., Tel.: 069-13 81 39, www.thailandtourismus.de.

Anreise: Thai Airways fliegt ab Frankfurt über Bangkok nach Chiang Rai (ab 930 Euro).

Veranstalter: Ab Chiang Mai mit Tischler Reisen (vier Tage Minigruppenreise ab 715 Euro, Tel.: 08821-93 17 10, www.tischler-reisen.de) und FTI (vier Tage Privatreise ab 369 Euro, Tel. 089-25 25 10 23, www.fti.de) ins Goldene Dreieck.

Reichhaltige Spenden

"Ich gebe Wasser, Reis, Orangen, Kekse und Joghurt", erzählt Ihm. Die 26-Jährige aus Mae Chan überreicht eine bis zum Rand mit Nahrungsmitteln gefüllte Tüte. "Manchmal gebe ich auch Geld oder kaufe ein Souvenir für meine Eltern", ergänzt ihr Freund Bao. Wenn die Opferschale zu voll wird, verfrachten eifrige Helfer die Almosen in einen Plastiksack. Die Mönche treiben ihre Pferde ein paar Schritte weiter und sammeln die nächsten Gaben ein.

Es kommt viel zusammen an diesem Morgen, weit mehr als die Mönche verwenden können. So soll es sein. Denn die Mönche des Wat Phra Archa Thong, in dem man keinen thailändischen Stadttempel-Prunk findet und der mit seinen einfachen Bambushütten für Minimalismus steht, gibt die Almosen weiter an die Menschen in den Bergdörfern dieses nördlichsten Zipfel Thailands.

Dort in der weitläufigen Bergregion, in der sich leuchtend grüne Reistäler mit Höhen aus Teak- und Bambuswald abwechseln und an Steilhängen Kohl, Erdbeeren und - trotz Verbots - manchmal auch Opium angebaut wird, schmiegen sich die Dorfgemeinschaften der Minderheiten in die Dschungel-Landschaft.

Doch der schöne Schein trügt. Außer der atemberaubenden Landschaft und der einzig verbliebenen manuellen Zuckerrohrmühle gibt es dort nichts. Die Dörfer liegen weit abgeschieden, ihre schlammigen Bergpfade sind mindestens sechs Monate des Jahres nur zu Fuß oder per Pferd begehbar. Vielen Familien fehlt es am Nötigsten, und noch immer führt Opiummissbrauch zu Gewalt, Krankheit und Lethargie. Die zahlreichen Touristen, die das Goldene Dreieck jährlich besuchen, haben den Aussichtspunkt am Drei-Länder-Eck und das Opiummuseum im Blick. Die Bergdörfer und die Pferdemönche jedoch kennt kaum jemand. Als Phra Khru Ba Neua Chai, Abt und Gründer des Wat Phra Archa Thong, vor über 20 Jahren zum Meditieren hierher kam, herrschten noch Drogenbarone über diesen Landstrich zwischen Thailand, Myanmar und Laos. Doch das schreckte den bürgerlichen Pra Samer nicht. Er war 30, erfolgreicher Thaiboxer, Vater zweier Kinder, Jura-Student in Bangkok und wollte sein Leben dem Buddhismus widmen. Schnell verschaffte er sich ein Ansehen als furchtloser Mönch, der den Dorfbewohnern den Buddhismus lehrte und sie über die Gefahr von Rauschmitteln aufklärte.

Neue Heimat im Kloster

In dem Waldtempel leben rund ein Dutzend Mönche, ein paar Nonnen und zahlreiche Novizen, alle aus den ärmlichen Bergdörfern - sei es, weil die Eltern der Drogensucht zum Opfer fielen, die Familie ihren Sprössling nicht ernähren konnten oder das Kind zu schwach für die anstrengende Feldarbeit war. Im Wat Phra Archa Thong fanden sie ein neues Zuhause, lernen Lesen und Schreiben, den Buddhismus, Reiten und Thaiboxen. Für letzteres hat der Abt einen Boxring gebaut, in dem sich die Novizen regelmäßig messen können.

Größter Schatz des Tempels sind die trittsicheren und ausdauernden Bergpferde - die meisten von ihnen Spenden gesundeter Drogenkranker. Nur sie ermöglichen den Mönchen den täglichen Ritt zu den verstreuten Dörfern. Mehr als 100 Pferde sollen es inzwischen sein, jedes gepflegt von einem stolzen Novizen.

Auf dem Tempelhof geht inzwischen ein Raunen durch die Schar opferwilliger Thais. Abt Phra Khru Ba Neua Chai nähert sich auf seinem Pferd. "Wegen ihm sind wir hier. Er wird uns segnen, uns Glück und Wohlstand wünschen", schwärmt Ihm. Der Abt mit den dicken Gebetsketten um den Hals und Tattoos auf Stirn, Oberkörper und jedem Finger hat Kultstatus. Die Einheimischen wissen, dass ihre Gaben oftmals schon am nächsten Tag in einem der vielen Bergdörfer dieser nördlichsten Ecke Thailands landen - dafür kommen und geben sie gern.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 08.12.2012
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Kontakt zur Redaktion Vermischtes

Telefon 0621/392-1313
Fax 0621/392-1373

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

Heiße Nächte unter der Diskokugel

Eine der ersten Diskos Deutschlands öffnete vor 55 Jahren. Die Idee wurde damals aus der Not heraus geboren. [mehr]

Artikel

Farbenfroh und deftig

Sobald sich die Temperaturen im einstelligen Bereich bewegen, steigt bei vielen Menschen der Appetit auf deftige Kost. Eintöpfe gehören daher auf den herbstlichen Speiseplan. Kürbis, Kohl und Knollengemüse liefern reichlich Material dafür. [mehr]

Autobahnunterführung

Familiendrama auf der A8: Elfjährige getötet, Bruder verletzt

Ulm (dpa) - Eine 36-Jährige aus Baden-Württemberg steht im dringenden Verdacht, nahe einer Autobahn ihre Tochter getötet und ihren Sohn schwer verletzt zu haben. Ein Autofahrer sah die Frau am späten Sonntagabend blutverschmiert, wenig später entdeckte die Polizei eine Mädchenleiche und ein… [mehr]

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR