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Vietnam lässt sich im europäischen Winter bestens bereisen. Das gilt vor allem für die Insel Phu Quo
Vorsichtig krabbelt die kleine Krabbe aus ihrem Sandloch heraus. Rechts -Strand, soweit das Auge reicht. Links - ebenfalls nichts als Sand, Wasser und Palmen. Der Ong Lang Beach ist menschenleer. Ein paar vereinzelte Fischerboote lassen sich von den ruhigen Wellen treiben, auf einer Weide in Strandnähe grasen ein paar Kühe. Es ist ein friedliches Miteinander von Strand-, Wasser- und Landbewohnern auf Vietnams größter Insel Phu Quoc. Willkommen im Paradies.
Kaum fünf Kilometer weiter südlich, vorbei an der Inselhauptstadt Duong Dong, bietet sich ein ähnliches Bild. Auf einer Länge von über 20 Kilometer erstreckt sich dort der Long Beach an Phu Quocs Westküste entlang, bis zum Cap Tau Ru im Süden. Ein Paradies für Jogger, die barfuß gleich einen Halbmarathon absolvieren können.
Allerdings verirren sich nur selten Läufer an den Strand, denn die wenigen Hotels stehen in Duong Dong. Die Vietnamesen selbst bevorzugen es motorisiert. Sie sind leidenschaftliche Rollerfahrer. Er ist Familienkutsche, Lastwagen und Einkaufskorb in einem. Viele Straßen auf der rund 560 Quadratkilometer großen Insel sind auch gar nicht für Autos ausgelegt. Staubige, rote Sandpisten mit vielen Schlaglöchern schlängeln sich um die Insel herum, immer mal wieder unterbrochen von gut ausgebauten, asphaltierten Teilstücken.
Info: www.vietnamtourism.com; www.vietnambotschaft.org
Flug: Vietnam Airlines oder Air China ab Frankfurt, ab 1450 Euro
Übernachten: "Chen Sea Resort", www.centarahotelsresorts.com; "Paris Beach", www.phuquocparisbeach.com
Essen und Trinken: "The Spice House", Long Beach; "Bo Beach Bar", Ong Lang Beach; "Sao Beach Restaurant", Sao Beach
Phu Quoc ist eine Perle im Golf von Thailand, mit einer Vergangenheit, über die keiner gern redet. Lange war sie eine Gefängnisinsel. 1953 von den französischen Kolonialherren gebaut, wurden ab 1956 Revolutionäre im "Coconut Tree Training Camp" nahe der Hafenstadt An Thoi inhaftiert. Mit Beginn des Vietnamkriegs 1967 nutzte das südvietnamesische Saigoner Regime das Gefängnis. Rund 40 000 Vietnamesen wurden eingesperrt und gefoltert. Ein Gefängnismuseum mit Originalbaracken und lebensgroßen Puppen zeigt, was sich dort abspielte.
"Viele Vietnamesen glauben, dass sich die Vergangenheit wiederholen könnte, wenn man immer von ihr spricht", erklärt Restaurantbesitzer Phan Khoi den schweigsamen Umgang mit dieser Zeit. Lieber spricht er 28-Jährige, der mit seiner Familie am Sao Beach ein kleines Restaurant betreibt, über seinen frischen Fisch oder das blaue Meer.
An keinem anderen Strand der Insel ist der Sand so fein und weiß. Im flachen, klaren Wasser tummeln sich kleine Seesterne und andere Meeresbewohner. Nur über eine unbefestigte Straße ist der etwa vier Kilometer lange Strand im Süden der Ostküste, ganz in der Nähe des Gefängnismuseums, zu erreichen. Der Kontrast zwischen Schrecken und Schönheit könnte kaum größer sein.
Phu Quoc ist eine grüne Insel. Weit über 70 Prozent sind mit Wald bedeckt. Der 314 Quadratkilometer große Nationalpark besteht zu 90 Prozent aus Regenwald und beheimatet mehr als 200 Tierarten, darunter seltene Languren-Arten und Nashornvögel. Die Berge in der Inselmitte wie der Mount Chua sind bis zu 600 Meter hoch, aber nur wenige schmale Wege führen überhaupt ins Landesinnere.
Wer gut zu Fuß ist, gelangt auf einer zweistündigen Bergtour zum Da-Ban-Wasserfall. Vietnamesen nutzen die Kulisse für Grillabende, Hochzeitspaare für Erinnerungsfotos. Deutlich komfortabler ist der weiter südlich gelegene Tranh-Wasserfall zu erreichen, der direkt an der Hauptstraße zwischen Duong Dong im Westen und der Hafenstadt Ham Ninh im Osten liegt.
Das Leben auf Phu Quoc spielt sich vor allem in Duong Dong ab. Rund 20 000 Menschen wohnen in der Inselhauptstadt, mittendrin der kleine Flughafen. Auf dem Markt am Duong Dong River wird von früh bis spät verkauft, gehandelt, diskutiert und lamentiert. Mittendrin hupen Rollerfahrer, die sich ihren Weg durch die Menschenmenge bahnen.
Und immer liegt der etwas süßliche Geruch der Fischsoße Nuoc Mam über der Stadt, die in zahlreichen kleinen Betrieben produziert wird. Mindestens ein Jahr werden hierzu kleine Anchovis in Holzfässern vor allem mit viel Salz fermentiert. Die proteinreiche, äußerst köstliche Soße ist neben dem Pfeffer der wichtigste Exportartikel Phu Quocs, darf aber nicht im Flugzeug ausgeführt werden - würde eine Flasche auslaufen, wäre das Flugzeug geradezu kontaminiert.
Auf der anderen Seite des Flusses, der über eine abenteuerliche Holzbrücke überquert wird, liegt der etwas modernere Teil der Stadt. Hafenanleger, Amtsstuben, Banken, ein Pizza-Laden und Hotels - dort zeigt sich Phu Quoc von der touristischeren Seite. Ab vier Uhr Nachmittag öffnet der Night Market, der neben traditioneller vietnamesischer Küche Schmuck von den Perlenfarmen im Süden anbietet. Wer den Weg den Long Beach hinunter nicht scheut, hat auf den Farmen selbst eine deutlich größere Auswahl.
In Zukunft soll der Tourismus als Einnahmequelle deutlich wachsen. Drei Millionen Euro will Phu Quoc in ein modernes Stadtzentrum in Duong Dong investieren - sofern sich Geldgeber finden. An einem neuen internationalen Flughafen mit einer drei Kilometer langen Start- und Landebahn wird bereits gebaut, er soll spätestens Ende 2013 fertig sein. Dann sollen noch mehr Hotels am Long Beach entstehen.
"In fünf Jahren wird es hier nicht mehr so ruhig sein", meint Olivier Petit, der im Norden der Hauptstadt das Chensea Resort führt. Am Ong Lang Beach geht derweil die Sonne unter. Die Fischer haben es sich auf großen Steinen am Ufer gemütlich gemacht und genießen den Feierband bei einer Flasche Bier. Die Krabben und Einsiedlerkrebse sind noch immer am Strand unterwegs und haben überall im Sand ihre Spuren hinterlassen. Phu Quoc ist eine leise Insel und hat sich seine Ursprünglichkeit bewahrt - noch.
| Telefon | 0621/392-1313 |
| Fax | 0621/392-1373 |
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