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Streifzug durch die Geschichte

Von Tobias Döpker

Meer, Strand, Sonne und Palmen - so kennt man die Dominikanische Republik. Doch in der Hauptstadt Santo Domingo lockt ein einzigartiges Ensemble kolonialer Bauwerke immer mehr Touristen an.

Im Norden der Insel erinnert das alte Fort an die spanische Kolonialvergangenheit.

© Döpker

Trotzig thront der Kolumbus-Palast auf den Klippen über dem Ozama. Dessen braune Brühe fließt träge durch Santo Domingo, um sich vor den Toren der Stadt ins azurblaue Wasser der Karibik zu ergießen.

Der Kolumbus-Palast ist ein wehrhafter Klotz mit kleinen Fenstern und meterdicken Mauern aus Korallensteinen. Nicht wirklich schön, aber irgendwie doch beeindruckend - und äußerst zweckmäßig für die unsicheren Zeiten zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Palmen säumen die Ecken, rostige Kanonen richten ihre Mündungen auf den Fluss zu Füßen des Gebäudes. Dort ankern in die Jahre gekommene Frachtschiffe, die Bäuche weit geöffnet. Kräne greifen unermüdlich in sie hinein, um Container und Paletten auszuladen. Generatoren wummern in der Mittagshitze, es riecht nach brackigem Wasser und Dieselabgasen.

Älteste Stadt der Neuen Welt

Tipps und Adressen

Einreise:

Deutsche Staatsbürger brauchen kein Visum, lediglich einen gültigen Reisepass.

Anreise:

Verschiedene deutsche Fluggesellschaften fliegen regelmäßig in die Dominikanische Republik. Air Berlin fliegt unter anderem von Düsseldorf und München.

Übernachtungen:

Hostal Nicolás de Ovando: Doppelzimmer inkl. Frühstück ab 85 Euro pro Person. www.hostal-nicolas-de-ovando-santo-domingo.com

Informationen:

Fremdenverkehrsamt der Dominikanischen Republik, Kaiserstr. 13, 60311 Frankfurt am Main. Tel.: 069-91 39 78 79, Fax: 069-28 34 30.

Internet:

www.godominicanrepublic.com

Inmitten des modernen Hafens von Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, wirkt das steinerne Relikt aus spanischer Zeit deplatziert. Doch dieser Platz an der Mündung des Ozama ist ein schicksalhafter Ort für den gesamten amerikanischen Kontinent.

1502 von Kolumbus' Bruder Bartolomeo auf den Ruinen des von einem Hurrikan zerstörten "Neu Isabella" (1498) gegründet, ist Santo Domingo - was übersetzt "Heiliger Sonntag" heißt - die älteste von Europäern in der Neuen Welt errichtete Stadt und Ausgangspunkt der systematischen Eroberung Amerikas. Heute ist der Kolumbus-Palast der Start für einen Streifzug durch die spanische Vergangenheit der Dominikanischen Republik.

Am 5. Dezember 1492, auf seiner ersten Amerika-Reise, hat Christoph Kolumbus die von den Ureinwohnern Bohio genannte Insel entdeckt und Hispaniola - "Klein Spanien" - genannt. Nachdem sein Flaggschiff Santa Maria in der Nähe von Puerto Plata auf Grund gelaufen war, baute er an Weihnachten aus dem Wrack das Fort La Navidad. Danach brach er wieder auf nach Europa, um am spanischen Königshof von der paradiesischen Schönheit der karibischen Welt zu schwärmen.

Bis heute hat die Insel vielerorts ihren Charme, dem Jahrhunderte vorher schon Kolumbus erlegen ist, behalten. Insbesondere von der Halbinsel Samaná, mit ihrer tropischen Vegetation im bergigen Hinterland und den von Kokospalmen gesäumten Stränden, hatte der Entdecker in seinem Bordbuch geschwärmt.

Ein Jahr nach seiner ersten Reise kehrte Kolumbus nach Hispaniola zurück. Und obwohl das Fort La Navidad da nur noch ein verkohlter Trümmerhaufen war, sollte die Insel wegen ihrer günstigen Lage im Zentrum der Karibik der Dreh- und Angelpunkt der spanischen Expansion werden.

Steinernes Zeugnis dafür ist der Casas Reales schräg gegenüber dem Kolumbus-Palast. Der mächtige Komplex mit den schießschartenartigen Fenstern dient heute als Museum. Ursprünglich war der Bau aus dem 16. Jahrhundert aber Sitz des Indienrates und des Gouverneurs. Hinter diesen dicken Mauern an der Plaza de España wurden die Pläne für die Eroberung von Nord- und Südamerika geschmiedet.

Kein Wunder also, dass berüchtigte Konquistadoren wie Hernán Cortéz und Francisco Pizzaro nur ein paar Meter vom spanischen Machtzentrum der Neuen Welt entfernt in prächtigen Stadtpalais logierten. Die Eroberer Mexikos und Südamerikas waren in der beschaulichen Calle Las Damas - der Straße der Damen - sogar Nachbarn und residierten schräg gegenüber von Gouverneur Nicolás de Ovando. Heute ist seine ehemalige Residenz ein schmuckes Stadthotel. Von hier ist es nur ein Steinwurf zu den anderen bedeutenden Baudenkmälern wie der Kathedrale oder dem Hospital, die sich beide mit dem Superlativ schmücken, das erste Gebäude dieser Funktion in Amerika zu sein.

Doch Santo Domingo hat noch mehr zu bieten. Zwischen spanischer Kolonialarchitektur finden sich immer wieder auch liebevoll restaurierte barocke, neo-klassizistische und Jugendstilgebäude, die heute oft Bars und Restaurants beherbergen.

Mittelpunkt am Abend ist die Plaza de España zwischen dem dann stimmungsvoll beleuchteten Kolumbus-Palast und der Casas Reales. Wenn es Nacht wird in Santo Domingo, erwachen dort die Restaurants und Bars, und das Leben pulsiert auf dem Platz. Dann riecht es nach frischem Fisch und würzig gebratenem Fleisch. Kerzen flackern auf den Tischen, Stimmgewirr und Livemusik schallen von den historischen Korallensteinmauern zurück auf den Platz.

Christoph Kolumbus hat dieses einzigartige Ensemble, das die Unesco 1990 zum Weltkulturerbe erklärt hat, allerdings so nie zu Gesicht bekommen. Als 1510 mit dem Bau des Palastes begonnen wurde, war der berühmte Entdecker schon vier Jahre zuvor verbittert und verarmt im spanischen Valladolid gestorben. Stattdessen ist sein Sohn Diego Kolumbus 1514 in das Gebäude auf den Klippen über dem Ozama gezogen und hat dem Palast seinen Namen gegeben.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 07.07.2012
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