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Süßer Schmelz im Schnee

Von Stephan Brünjes

George Michaels "Last Christmas" gilt als meistgespielter weihnachtlicher Pop-Song. Als Kulisse des zugehörigen Musikvideos diente ihm Saas Fee.

Hoppelnder Synthesizersound, bimmelnde Schlittenglöckchen. "Last Christmas I gave you my heart", schmachtet eine samtene Stimme. Ihr Besitzer fährt im Jeep vor, steigt mit blonder Föhntolle und Zahnpastalächeln aus.

So beginnt das Video zu "Last Christmas", dem größten Hit des britischen Popduos Wham!. Philippe Zurbriggen lächelt: "Lackschuhe trug einer von denen, ist beim Aussteigen dauernd in den Schnee geplumpst - leider haben sie das 'rausgeschnitten." Der heute 57-jährige Inhaber des Souvenirladens "Woodpecker" in Saas Fee hatte damals, im November 1984, den einzigen Jeep im Ort und wurde deshalb von der Filmcrew für die Drehwoche gebucht - auch als Chauffeur von George Michael. "Der fläzte seine Füße immer aufs Armaturenbrett und rauchte merkwürdig süße Zigaretten", raunt Zurbriggen. "Wahrscheinlich hat er mich deshalb morgens beim Abholen nie erkannt."

Paradies für Skifahrer

Tipps und Adressen

Info: Saas-Fee und Saastal Tourismus, Tel.: 0041-27-958 18 58, www.saas-fee.ch, info@saas-fee.ch

Anreise: Mit dem Autozug der Bahn nach Lörrach, www.bahn.de, von dort über die Autobahn E35 bis Bern, weiter auf der A6 bis Spiez, von dort 90 Kilometer Landstraße nach Saas Fee

Übernachtung: Fünf-Sterne-Hotel "Ferienart", sieben Übernachtungen mit Halbpension und Sechstages-Skipass ab 1370 Euro pro Person, Tel.: 0041-27-958 19 00, www.ferienart.ch; "Popcorn! Hotel" mit Nachtclub und Snowboardshop, sieben Übernachtungen samt Gratis-Internet, Eintritt in den Club und Skibus zum Lift 475 Euro pro Person; "Hotel Marmotte", sieben Übernachtungen im Doppelzimmer, 332 Euro pro Person mit Frühstück - Halbpension 20 Euro pro Person und Tag extra

Skipass: Für sechs Tage zahlen Erwachsene ab 311 Euro, Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 15 Jahre ab 172 Euro, Kinder unter zehn Jahre fahren kostenlos

Skihütten/Restaurant: "Threesixty", das höchste Drehrestaurant der Welt auf 3500 Meter, www.threesixty-saasfee.ch; "Gletschergrotte", www.gletschergrotte.ch

Attraktionen: Gorges Alpine, spannende Schlucht-Wanderung von Saas Fee ins im Tal liegende Saas Grund. Mit Bergführer geht's gesichert über Hängebrücken, auf Leitern und eingeklinkt in Seilbahnen in die Tiefe. "Active Dreams", Bergführer Weissmies, Tel.: 0041- 78 825 82 73, www.klettersteig.ch

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Rein in die Gondel, rauf zum Berg geht's im Video für Wham! zu einem Chalet. "Stimmt nicht", sagt Charly Schmidt, damals Kabinenführer der Bergbahn, heute Chef der Bowlingbahn. "Die Felskinn-Gondel führt direkt ins Gletscher-Skigebiet - Chalets gibt's da oben nicht." Dafür inzwischen Pisten wie aus dem Straßenatlas: breite Bahnen für Genusscarver; buckelige Abfahrten für Freunde gepflegten Muskelkaters; Tiefschnee-Prärie für Off-Roader.

Skiläufer und Boarder müssen aber Geduld haben auf dem Weg dorthin. Alle 15 Minuten zuckelt eine der beiden Felskinn-Gondeln los. An deren Gipfelstation mutiert man zum Untergrundkämpfer, stapft mit Ski auf der Schulter durch lange Felstunnel zur Piste oder zur Metro, einer Standseilbahn, die durch den Berg auf den Gletscher führt.

300 Sonnentage und 42 Wochen Schnee: Wegen dieser Frau-Holle-Garantie kam Wham! nach Saas Fee - in einer Stretch-Limousine. "Die haben wir gleich auf den Parkplatz abgeschoben, denn unser Ort war schon damals autofrei." Durch die engen Gassen mit teils wunderschönen, Jahrhunderte alten Holzhäusern surren bis heute nur Elektrobusse und -autos. Einzige Ausnahmen mit Knattermotor: Krankenwagen und Schneeräumer.

Immerhin, Fünf-Sterne-Luxus konnte Saas Fee den Popstars damals schon bieten - im kurz zuvor eröffneten "Walliserhof", dem heutigen Hotel "Ferienart". Michael bezog die "Adlerhorst-Suite" mit Sauna und Whirlpool. An der Rezeption schwärmte die damals 20-jährige Sybille Meyer für den smarten Beau. "Bis ich ihn auf dem Flur traf - ungeschminkt", erinnert sich die heutige Betreiberin des Hotels "Elite". Komplett bräunungscremefrei war er dann doch nicht mehr ihr Traumtyp.

Pikanter Hintergrund

Andrew Ridgeley, zweiter Wham!-Mann, wollte im Hotel möglichst weit entfernt von Michael wohnen. Gemeinsame Fotos der beiden aus Saas Fee gibt es nicht. Pikant - angesichts der damals zu drehenden Video-Handlung: Michael verschenkt sein Herz an eine Frau, die jedoch tags drauf schon einen anderen hat - gespielt von Ridgeley. Mit diesem Lover taucht sie nun - ein Jahr später - zur Weihnachtsfeier in Saas Fee auf.

Gedreht wurde das vor einem Chalet und im Kulturzentrum am Ortsrand. Dorthin kommt, wer auf den Spuren eines anderen Promis wandelt: Schriftsteller Carl Zuckmayer lebte seit 1957 dort und wurde nach seinem Tod 1977 mit einem Wald-Wanderweg geehrt. Der bietet Spaziergängern einen 1a-Panoramablick auf Saas Fee und ist Teil einer kurvigen Rodelstrecke.

Doch für die Wham!-Crew war 1984 die Dorfstraße Herausforderung genug. Denn beim Transport vom Hotel zum Drehort verschwand die Brosche, die Michael seiner Angebeteten "Last Christmas" schenkte. Zurbriggen fegte mit fünf Helfern jeden Quadratzentimeter des Weges ab: "Alle im Dorf haben uns ausgelacht, gefunden haben wir die Brosche nach Stunden vorm Hotel."

Preis der Prominenz

Eine solche Aufregung hat der heutige Inhaber eines Sportgeschäfts nie wieder erlebt, obwohl reichlich Prominente nach Saas Fee kommen: Tina Turner, Michael Schumacher, Michelle Hunziker, Nena oder Seal. Sie alle genießen die Abgeschiedenheit des Ortes. Die musste Wham! noch etwas rustikal durchsetzen lassen. Zurbriggen nämlich wollte nach Tagen des Chauffeur-Daseins quasi beim "Après-Dreh" mit Michael George & Co anstoßen. Das taten dann unmissverständlich zwei Bodyguards, aber nicht mit Gläsern, sondern mit breiten Schultern. "Kein Zutritt!"

Robert Anthamatten, ein weiterer Helfer beim Dreh, hatte mehr Glück: Der damals 15-Jährige schleppte Michael die Koffer in die Suite und Gulasch zum Set. Dafür ergatterte er ein Autogramm von Michael - sogar auf seiner Skiweste. Die jedoch beförderte Mutter Anthamatten wenig später beherzt in die Altkleidersammlung.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 22.12.2012
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