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Tropeninsel voller Schönheit

Von Karsten-Thilo Raab

Madagaskars Norden präsentiert sich als Land der Naturphänomene und lohnt auf jeden Fall das etwas beschwerliche Reisen auf mitunter wenig bequem zu fahrenden Straßen.

Die Menschen auf Madagaskar leben meist von Reisanbau und Fischfang.

Bekannt ist die Insel vor der Ostküste Afrikas für bizarre Kegel aus Kalk- oder Sandstein ...

... und für die Affenart der Lemuren.

Strände und Bars gibt es freilich auch. BILDER: Raab

Keine Frage, Madagaskar ist ein Land der Naturphänomene. Wobei aufgrund der schlechten Infrastruktur der Weg zur Natur in der Regel in einem Allradfahrzeug zurückgelegt wird. Ansonsten sind Autos, Motorräder und Fahrräder insbesondere im Norden der Insel Mangelware.

Die wenigen aber bewegen sich im Zickzack durch die Straßen. Nicht, weil die Fahrer über den Durst getrunken haben, sondern weil überall knietiefe Schlaglöcher warten. Derweil ist das Gros der Madagassen auf Schusters Rappen unterwegs - und dies nicht selten barfuß.

"Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder, man fährt so schnell, dass man über die Löcher fliegt, oder man umfährt jedes langsam", erklärt Haromanda Razafimanantsoa. Der 28-jährige Fahrer konzentriert sich auf ersteres. Manchmal wird er jedoch von knietiefen Rillen, Ochsenkarren oder der "vierbeinigen Landpolizei", wie er die über die Straße schreitenden Kühe nennt, ausgebremst.

Info: Madagaskar Tourismus, www.madagascar-tourisme.com, Tel.: 069-71 91 36 30.

Anreise: Flug mit Air France von Frankfurt über Paris nach Antananarivo, ab rund 1100 Euro.

Einreise: EU-Bürger benötigen einen Reisepass sowie ein Visum, das man bei der Ankunft erhält.

Sprache: Französisch.

Gesundheit: Mücken- und Sonnenschutz sinnvoll.

Mit fast schon halsbrecherischem Tempo geht es über die mäßig ausgebaute Nationalstraße N6 durch Dörfer und Siedlungen. Auf der roten Erde im Schatten von Palmen und Bäumen stehen meist fensterlose Wellblechhütten oder einfache Holzbauten auf kurzen Stelzen. Hinter den bescheidenen Behausungen, die in der Regel weder über Strom noch Wasser verfügen, wird auf kleinen Parzellen Reis angebaut.

Bunt bemalte Gesichter

Beim Anblick eines Europäers winken die Kinder und rufen "Salu Vahza!" - "Hallo Weißer!" Derweil werden die Flüsse und Wasserstellen entlang der Straßen als Waschplätze genutzt. Am Ufer und auf Steinen kauernd, schrubben Frauen mit bunt bemalten Gesichtern Kleider, um diese dann am Straßenrand oder auf Sträuchern zum Trocknen auszulegen.

Antsiranana im Norden des Landes wird der Einfachheit halber Diego (Suarez) genannt. Kolonialbauten mit abgebröckelten Fassaden lassen den Charme von gestern erahnen. Dafür wartet Antsiranana rund um das Cap Min mit prächtigen Stränden auf, die dank des herrschenden Windes beliebte Windsurf- und Kite-Surfer-Reviere sind.

In der Region finden sich erstaunlich viele Eukalyptusbäume. "Die Blätter sind unsere Luftwaffe im Kampf gegen die Moskitos", verrät Thomas Joa, dass viele Familien die Eukalyptusblätter im offenen Feuer verbrennen, um so die stechlustigen Blutsauger fernzuhalten. Joa ist ein Kind des Nordens. Der 54-jährige bestreitet seinen Lebensunterhalt als Bauer, pflanzt Kaffee und Nüsse an, und zeigt Touristen seine Heimat.

"Die Flora und Fauna im Norden Madagaskars sind einzigartig", rührt Joa die Werbetrommel und sagt, dass 39 Prozent der Vögel, 85 Prozent der Pflanzen, 91 Prozent der Reptilien, 99 Prozent der Amphibien und 100 Prozent der Lemuren nur hier vorkämen. Hinzu kommen Schildkröten, 200 Echsenarten und, als einzige gefährliche Tiere der Insel, einige Hundert Krokodile.

Beim Besuch des 18 000 Hektar großen Montagne d'Ambre Nationalparks lenkt Joa den Blick auf die Lemuren, die sich von Ast zu Ast schwingen, und auf das kleinste Chamäleon der Welt, das kaum länger als ein Fingernagel ist.

Mehrheitlich Animisten

Doch das knapp zwei Zentimeter große Zwerg-Erdchamäleon wird wie Echsen und Krokodile von Anhängern der Naturreligion nur wenig geschätzt. "Die schrumpelige Haut zeigt, dass Gott diese Kreaturen noch nicht ganz fertig gestellt hat", erläutert Joa den Denkansatz der Animisten, die mit 52 Prozent die größte Glaubensgemeinschaft in Madagaskar bilden.

Den Animisten sind Teile des Montagne d'Ambre Nationalparks heilig. Die Ahnen wohnen dort im Heiligen Wasserfall, der Cascade Sacrée, und sind Vermittler zwischen Gott und Erdenbewohnern. Junge Frauen drängen sich zum Wasserfall vor und versuchen, etwas Wasser in Behältern zu sammeln. Anschließend trinken sie etwas davon und waschen sich damit. Dies soll Glück bringen. Im Gegenzug bringen Frauen Honig und Kautabak mit, um den Segen der Ahnen zu erbitten.

Kaum minder spannend präsentiert sich der Ankarana Nationalpark unweit von Amilobe mit seinen ausgedehnten Wäldern, Grotten, unterirdischen Flüssen, Canyons und bizarren Gesteinsformationen, den Tsingys. Diese hoch aufragenden und eng beieinanderstehenden, spitzen Kalksteinkegel bilden so etwas wie einen steinernen Wald inmitten des Areals.

Die deutlich hübscheren Namensvetter, die Tsingy Rouges, südöstlich von Antsiranana, sind dagegen nicht so widerstandsfähig. Die bizarren Sandstein-Formationen sind schnell Opfer der Fluten, werden aber nach jeder Regenzeit neu aufgetürmt.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 06.10.2012
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