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Dienstag, 22.07.2014

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Rock: Interview mit Selig-Sänger Jan Plewka und Bassist Leo Schmidthals zum aktuellen Album „Magma“

„Bei uns brodelt es in der Mitte“

Christian Neander (Gitarre), Leo Schmidthals (Bass), Jan Plewka (Gesang), Stephan Eggert (Drums) und Malte Neumann (Keyboards).

© hf

Wenn Selig-Sänger Jan Plewka erst einmal ins Plaudern kommt, so wie an diesem Winternachmittag in einem Berliner Kneipenclub, in dem er mit dem nur unwesentlich schweigsameren Bandkollegen und Bassisten Leo Schmidthals in einer Sofalandschaft sitzt, dann stoppt den 42-Jährigen so schnell niemand. Erst recht kein Medienvertreter. Denn was kann es Schöneres geben als einen engagierten Musiker, der offenkundig für sein Schaffen brennt und bereits alle Fragen beantwortet, bevor sie gestellt werden. "Brennen" ist überhaupt ein gutes Stichwort. "Magma" heißt es schließlich, das jüngste Album der längst verstreut lebenden fünf Hamburger, die nach wie vor in ihrer Urbesetzung zusammen spielen. Am Donnerstag, 4. April, treten sie im Mannheimer Kulturzentrum Alte Feuerwache auf.

 

Die Herren, warum haben Sie Ihr Album nach jener glühend heißen Gesteinsmasse im Erdinneren benannt, die oberirdisch zu Lava wird - also "Magma"?

Info

Zur Band: Sänger Jan Plewka, Gitarrist Christian Neander, Bassist Leo Schmidthals, Keyboarder Malte Neumann und Schlagzeuger Stephan Eggert gründeten 1992 die Band Selig. Ab 1993 wurden sie dank intensivem MTV-Einsatz von Videos wie "Sie hat geschrien", "Wenn ich wollte" oder "Ohne dich" zur deutschen Antwort auf Grunge aufgebaut. Beim dritten Album "Blender" (1997) wirkten die Hamburger ausgebrannt und trennten sich. 2008 kam es zu einer überraschenden Wiedervereinigung mit dem starken Comeback-Album "Und endlich unendlich" (2009).

Zum Konzert: Selig spielen am Donnerstag, 4. April, 20 Uhr, in der Alten Feuerwache Mannheim. Karten unter 0621/10 10 11 (29,45 Euro). jpk

Jan Plewka: Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Band stand der Albumtitel tatsächlich schon ganz am Anfang fest. Also noch bevor wir auch nur einen einzigen Song für die Platte aufgenommen hatten.

Ja, und warum ausgerechnet "Magma"?

Plewka: Es ist so: Wenn wir fünf uns in einem Raum befinden, dann entsteht ein Kraftfeld, bei dem es in der Mitte brodelt. Deshalb "Magma". Irgendwann muss das Magma raus aus dem Inneren, weil der Druck zu groß wird. Und so ist es auch bei uns - eine Weile können wir stillhalten, aber dann muss einfach wieder eine neue Platte her.

Also, was bedeutet Musikmachen konkret für Sie? Ist es nur ein Ventil?

Plewka: Es ist alles. Es ist eine existenzielle Aufgabe. Jeder von uns fünf hat den richtigen Beruf erwischt. In den zehn Jahren, in denen Selig getrennt waren, hat ja auch jeder von uns weiter Musik gemacht, daran kann man das schon sehen. Musik ist für uns eine Bocksache. Wir machen das nicht für die Kohle.

Selig feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen, Sie sind alle Anfang 40. Kann man Sie als altmodische Band bezeichnen?

Leo Schmidthals: Natürlich. Wir sind vom alten Schlag. Unsere Stärke war immer handwerklich gute, raue Musik, die man hervorragend und leidenschaftlich live präsentieren kann. So war das früher schon in Hamburg, auf dem Kiez, wo wir großgeworden sind.

Plewka: Unlängst haben wir das komplette Album zum ersten Mal vor Publikum gespielt, unter anderem im Hamburger Molotov, einem richtig kleinen, aber geilen Schuppen. Das war toll, einfach nur toll.

Was bedeutet Ihnen das 20-jährige Jubiläum?

Plewka: Verdammt viel. Wir fühlen uns richtig vereint, es ist so harmonisch zwischen uns wie höchstens ganz am Anfang. Wir haben eine heulend schöne Beziehung, so richtig zusammengewachsen. Wir sind jetzt auf Tour zum ersten Mal wieder im Nightliner, also im Schlafbus, unterwegs. Sonst hatten wir immer Hotels, damit man die Tür zumachen und seine Ruhe haben konnte. Aber jetzt wissen wir, wir gehen uns nicht auf den Keks.

Das war nicht immer so. Nach drei Alben in den Neunzigern sowie großen Erfolgen mit Songs wie "Wenn ich wollte" oder "Ohne dich" sind Sie zehn Jahre lang getrennte Wege gegangen. Erst 2008 haben Sie sich wieder vereinigt. "Magma" ist seitdem jetzt das dritte Album, das sechste insgesamt. Warum funktionierte es damals nicht mehr?

Schmidthals: Wir hatten keine Kraft mehr. Wir waren jung und haben heftig gelebt. Alles ging eine Spur zu schnell. Wir brauchten damals Zeit für uns, Zeit zum Verweilen.

Der Song "Alles auf einmal" vom "Magma"-Album scheint den damaligen Zusammenbruch explizit zum Thema zu haben, oder?

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