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Pop/Klassik: Interview mit David Garrett, der am 6. Oktober in der SAP Arena wieder ein Crossover-Programm spielt

„Ich würde mich weit oben sehen“

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 07.08.2014

Von Jörg-Peter Klotz

Der große Yehudi Menuhin sah in David Garrett einst den "größten Violinisten seiner Generation", der aberwitziges Tempo mit Virtuosität verbinden kann. Vor zwei Monaten spielte der Mittdreißiger mit der blonden Rockstar-Mähne im Mannheimer Rosengarten ein reines Klassik-Programm. Am Montag, 6. Oktober, kehrt Garrett wieder in die Quadratestadt zurück, um in der SAP Arena ein Crossover-Konzert zu geben, das wie sein Album "Music" (2012) Brücken zwischen Beethoven oder Bach und Popgrößen wie Queen, Coldplay oder Justin Timberlake schlägt. Wir sprachen mit dem Star-Geiger über musikalische Grenzgänge, schauspielerische Ambitionen und abnehmendes Rebellentum.

David Garrett bei seinem Klassik-Konzert am 27. Mai 2014 im Mannheimer Rosengarten.

© Rinderspacher

David Garrett vereint die Qualität eines Klassik-Virtuosen mit der Vermarktung eines Popstars.

© -o-

Herr Garrett, Sie gaben Ende Mai im Mannheimer Rosengarten ein reines Klassik-Konzert, am 6. Oktober füllen Sie mit einem Crossover-Programm zwischen Rock, Pop und Klassik wieder die SAP Arena. Was ist für Sie persönlich reizvoller? Oder ist es einfach nur anders?

David Garrett: Ich kann nicht sagen, welches Konzert reizvoller ist. Beides, das Klassik-Programm als auch das Crossover-Programm, sind musikalisch eine sehr anspruchsvolle Herausforderung und begeistern mich persönlich jedes Mal aufs Neue.

Sind für Sie als Ausnahme-Instrumentalisten Popnummern musikalisch und technisch überhaupt herausfordernd genug? Wenn man Sie den "Teufelstriller" oder im Film den legendären Niccolò Paganini spielen sieht, sollte man meinen, bei einfach gestrickten Songs wie "Hey Jude" oder "We Will Rock You" können Sie ihre PS-Zahl nicht wirklich ausfahren . . .

Zur Person: Dass David Garrett an einem 4. September als David Christian Bongartz in Aachen geboren wurde, ist klar. Ob es nun 1980 oder 1981 war, darüber streiten die Fans. Ihrem Star ist das Thema wohl zu egal, um Klarheit zu schaffen - Garrett, nach dem Geburtsnamen seiner Mutter, lässt lieber seine Geigenkünste sprechen. Die wurden zuerst vom eigenen Vater geschult, später von Zakhar Bron und Ida Haendel.

Zur Karriere: Mit zwölf Jahren kam es zum ersten Plattenvertrag, als 13-Jährigen nahm in die Deutsche Grammophon exklusiv unter ihre Fittiche. 2006 startet er mit Hilfe des Veranstaltungskonzerns DEAG seine Crossover-Karriere, die ihm nach drei Klassik- auch drei Pop-Echos einbrachte. Von 2008 bis 2010 verzeichnet ihn das "Guiness-Buch der Rekorde" als schnellsten Geiger der Welt.

Zum Konzert: David Garrett mit neuem Crossover-Programm am Montag, 6. Oktober, 20 Uhr, in der SAP Arena Mannheim. Karten unter 0621/10 10 11 (60,60 bis 99,70 Euro plus Gebühren). jpk

Garrett: In der Musik gibt es für mich kein leicht oder schwer, es kommt mir persönlich bei jedem Stück auf die Perfektion an - und da macht es keinen Unterschied, ob es sich um ein klassisches Stück oder eine Popnummer handelt. Guten Geschmack muss man bei jedem und jeder Musikrichtung immer wieder aufs Neue beweisen.

Es gäbe ja Stücke im Progressive Rock oder etwa von den frühen Metallica, beziehungsweise von anspruchsvollen Alternative-Rock-Bands wie Meshuggah und System Of A Down, die große Komplexität aufweisen - reizt Sie so etwas, oder ginge das zu sehr über die Köpfe des Publikums hinweg?

Garrett: Es kommt immer darauf an, ob ich für mich den Zugang zu einem Stück finde und ob es sich auf der Geige interpretieren lässt. Mein Publikum ist immer sehr offen für Neues und begeistert sich entsprechend für gute Musik.

Apropos komplex: Wäre Jazz irgendwann einmal ein reizvolles Terrain für Sie?

Garrett: Jede Art von Musik ist reizvoll. Wenn ich das für mich richtige Jazz-Stück finde, dann natürlich.

Wie steht es um ihr Improvisationstalent? Das ist bei den meisten klassischen Musikern ja eher mäßig ausgeprägt...

Garrett: Bei mir ist das ähnlich, ich bin ja mit rein klassischer Musik aufgewachsen. Allerdings begeistere ich mich immer gerne für neue Dinge. Improvisation ist etwas, was ich über die letzten paar Jahre verbessert habe, aber es ist mit Sicherheit noch ausbaufähig.

Bei ein, zwei Gelegenheiten habe ich Rapper mit Orchestern auftreten sehen - etwa die MCs der Söhne Mannheims mit dem SWR Sinfonieorchester. Dabei konnte man den Eindruck gewinnen, die Montagekunst Hip-Hop mit ihrer mitunter komplexen Rhythmik sei geeigneter als Rock oder Pop, um neue Crossover-Kunst zu schaffen - also keine Coverversionen. Könnten Sie sich so etwas für Ihre eigene Arbeit vorstellen?

Garrett: Nein, das überlasse ich sehr gerne anderen, insbesondere weil mir das nicht bekannt ist. Es werden oft Orchestersamples benutzt, was ich allerdings für qualitativ nicht hochwertig halte. Es wäre sicherlich interessant, mit hohem Anspruch auch in dieser Musik das klassische Orchester mit einzubeziehen.

Was einem als Pop- und Rockjournalist massiv auffällt, ist der oft gleiche Umgang der Klassik-Kritiker mit David-Garrett-Programmen - der Hauptteil der Besprechung dreht sich um Vermarktung und Äußerliches, dann wird eher widerwillig zugestanden, dass es durchaus auch beeindruckende Konzertmomente gab - lässt Sie das generell kalt, oder will man es den Kritikern zeigen?

Garrett: Ein Kritiker ist jemand, der eine eigene, persönliche Meinung publiziert. Genau diese persönliche Meinung gestehe ich natürlich jedem Musikliebhaber zu. Wie diese Meinung, was meine Person angeht, im Detail ausfällt, ist mir nicht wichtig.

Klassik-Kritiker scheinen sich durch die Superlative bei der Vermarktung Ihrer Person provoziert zu fühlen - eigentlich wären diese angesichts Ihrer Verkaufszahlen und der Größe der stabilen Fangemeinde doch auch gar nicht mehr nötig, oder?

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