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Musiktheater: Jens-Daniel Herzog bringt am Nationaltheater Verdis „Don Carlo“ neu heraus 

Konflikte sichtbar machen

Von Eckhard Britsch

Jorge Lagunes und Roy Cornelius Smith.

© Hans Jörg Michel

Mannheim. Politische und gesellschaftliche Zwänge nagen an persönlicher Integrität. Im Netz von Liebe und Intrige, Unterdrückung und Freiheitsglaube werden verfangen sich die Figuren, und die Ideale von Menschenwürde und Befreiungskampf bleiben auf der Strecke. Friedrich Schiller hat mit seinem 1787 im Wesentlichen abgeschlossenen Drama "Don Karlos" seine politisch-philosophische Gedankenwelt auf der Folie eines geschichtsmächtigen Konflikts entwickelt.

Das Spanien im 16. Jahrhundert leidet unter totaler Erstarrung, der scheinbar mächtigste Herrscher der damaligen Welt, Philipp II., lebt in stetiger Angst vor dem Großinquisitor und kann den privaten Konflikt mit dem Infanten Don Karlos nicht lösen, der seine Stiefmutter liebt.

Dann kommt zu allem Elend auch der Freiheitswille der flandrischen Provinzen, es dämmerte eine Art Untergang des Abendlandes, und Schillers Anspruch an die Mächtigen gipfelt so: "Sire, geben Sie Gedankenfreiheit".

„Don Carlo“ am NTM

Termine: 2.2. (19.30 Uhr, Premiere), 9.2. (19 Uhr, Premiere B), 22.2. (19.30), 3.3. (19), 10.3. (18), 15.3. (19.30), 27.3. (19.30), 10.4. (19.30), 19.4. (19.30), 27.4. (19), 11.7. (19.30), 18.7. (19.30 und 23.7. (19.30).

 

Info und Karten:

0621/1680 150

 

www.nationaltheater-mannheim.de

Giuseppe Verdi hat nach dem Libretto von Josephe Méry und Camille de Locle 1867 seine Oper "Don Carlo" an der Großen Oper Paris herausgebracht, dann 15 Jahre später das Werk überarbeitet. Diese "Mailänder Fassung" wird im Mannheimer Nationaltheater als Neuinszenierung am Samstag, 2. Februar, 19.30 Uhr, Premiere haben. Jens-Daniel Herzog führt Regie, Bühne und Kostüme besorgt Matthis Neidhardt, es dirigiert Alois Seidlmeier. Jens-Daniel Herzog, sechs Jahre lang Schauspieldirektor in Mannheim, hat sich in den letzten Jahren zunehmend der Oper zugewandt, so inszenierte er in Mannheim die Mozart-Opern "Così" und "Entführung"; Wagners "Meistersinger" trafen nicht auf ungeteilten Zuspruch beim Publikum. Seit 2011 möchte Herzog als Opernintendant in Dortmund Aufbruchstimmung erzeugen.

In Verdis "Don Carlo" will er ein Staatswesen am Scheideweg zeigen, das zur Erneuerung nicht fähig ist. Für Herzog ein zeitloses, sich in der Geschichte immer wiederholendes Phänomen, weswegen er keine vordergründige Aktualisierung vornimmt. Auch funktioniere das Stück nicht ohne die historische Situation; wir schreiben das Jahr 1560, Philipp II. von Spanien kämpft mit dem Schatten seines übermächtigen Vater Karl V., in dessen Reich die Sonne nicht unterging, während seines an den Rändern zerfranst. Wichtig ist Herzog darzustellen, dass Menschen, die "große" Politik machen, auch von ihrer Psyche und ihren Leidenschaften bestimmt sind, woraus sich extreme Auswirkungen ergeben können. Der Kontrast, das Nebeneinander und die innige Verschränkung von öffentlichem Raum und Privatem sei hier eines der großen Themen.

"Don Carlo" gilt als wesentlicher Markstein in Verdis Entwicklung. An die Stelle einzelner Arien treten mehr die durchgestalteten Szenen in dramatischer Charakterisierungskunst.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 31.01.2013
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