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KÖPFE: Interview mit Dancehall-Pop-Star Sean Paul, der am 31. August Ludwigshafen einheizen will

„Meine Marke ist stärker als viele Trends“

Von Steffen Rüth

Sean Paul Hernandez, geboren und aufgewachsen in gehobenen Verhältnissen in Jamaikas Hauptstadt Kingston, war mal eine richtig coole Socke. Für sein zweites Album "Dutty Rock" bekam er 2004 völlig verdient einen Grammy, Dancehall-Reißer wie "Gimme The Light" waren einfach hypnotisch und klasse. Jetzt sind Reggae und Dancehall seit einiger Zeit nicht mehr so gefragt, Raggaton in der Nische geblieben, und was macht Sean Paul? Pop. Ähnlich wie die jüngeren Kollegen Flo Rida oder Pitbull setzt der 39-Jährige jetzt auf tanztaugliche Massenware. Sein aktuelles Album "Tomahawk Technique" klingt deshalb auch ein wenig austauschbar.

© dpa

Sean Paul, der Hype um Reggae und Dancehall, der um die Jahrtausendwende geherrscht hatte, ist lange abgeflaut. Aber Sie sind immer noch da und hoch in den Charts. Woran liegt das?

Sean Paul: Ich habe immer geliebt, was ich mache und mein Bestes gegeben. Ich habe eine Stimme, die wiedererkennbar ist, ich habe einen klar definierten Look, Melodien sind mir sehr wichtig. Zudem versuche ich immer neue Ansätze und Kniffe zu finden, mit denen ich relevant bleibe. Ich habe ein Stück weit ganz einfach auch die Marke "Sean Paul" geschaffen, die stärker ist als viele Trends. Und deshalb bin ich im sechzehnten Jahr meiner Karriere immer noch hier.

Welche Kniffe sind das? Es fällt auf, dass Ihr neues Album sehr viel poppiger ist als der frühe Sean Paul?

Zur Person: Sean Paul Hernandez wurde am 8. Januar 1973 in Kingston geboren. Gleich mit seiner Debütsingle "Baby Girl (Don't Cry)" konnte er 1996 in Jamaika einen Hit landen. Der globale Erfolg folgte 2000 mit seinem ersten Album "Stage One". Das nächste Werk "Dutty Rock" (2002) verkaufte sich weltweit über 6 Millionen mal und hielt sich 100 Wochen in den deutschen Albumcharts. In den USA gewann Sean Paul dafür einen Grammy. "The Trinity" (2005) verkaufte sich 4,5 Millionen mal und etablierte Sean Paul vollends als Jamaikas erfolgreichsten Musiker der Gegenwart. Er hat gute Chancen, in die Fußstapfen seines Idols Bob Marley zu treten.

Zum Konzert: Sean Paul spielt am Freitag, 31. August, 20 Uhr, mit dem Hamburger Rapper Das Bo im Vorprogramm in der Friedrich-Ebert-Halle Ludwigshafen. Karten unter 0621/10 10 11 (43,85 Euro).

Sean Paul: Mann, klar, ich habe früher echt cooles Zeug gemacht. Ich habe mich früh bereits an populärer Kultur orientiert, also an dem, was auf MTV lief. Ich bin nie diesen klassischen Reggaeweg gegangen, mein Stil war immer schon eine Mischung aus jamaikanischem Sommergefühl, Party und moderner Popmusik. Manche werfen mir jetzt vor, dass ich meine Dancehall-Wurzeln verraten hätte. Aber das ist nicht richtig. Ich gehe einfach weiter und entwickle meine Musik.

Was war denn Ihr Ansatz für "Tomahawk Technique"?

Sean Paul: Die letzten vier Alben waren klar an Dancehall orientiert. Dieses Mal ist die Produktion immer noch Dancehall, die Blickrichtung kommt aber von Pop- und R&B-Produzenten. Einfach gesagt mache ich Dancemusic. Dance ist einfach der größte Trend der Welt, es wäre unklug, diesem Trend nicht zu folgen.

Selbst wenn Sie Ihre Identität dabei aufs Spiel setzen?

Sean Paul: Das tue ich nicht. Ich erweitere meinen Stil, doch vieles an meinen Songs ist immer noch unverwechselbar. Auch eine Beyoncé richtet sich danach, welcher Musikstil gerade populär ist. Ich bin nicht nur Musiker, ich bin auch an einem guten Geschäft interessiert. "She Doesn't Mind", die Single, ist unheimlich stark am Pop orientiert, natürlich. Und ist es einer meiner größten Hits? Jawohl, ist es. Ich kann nicht ausschließlich meinen Wurzeln huldigen und dann nicht im Radio gespielt werden. Ich will Spaß haben, Erfolg und weiter oben im Mainstream mitschwimmen.

Ihre Videos, Ihre Songtexte, die ganze Popfigur Sean Paul ist unheimlich eng verbunden mit hübschen Mädchen. Würden Sie ohne schöne Frauen keine Platten verkaufen?

Sean Paul: Ich mag Mädchen, die tanzen können. Und die Regisseure, mit denen ich arbeite, teilen offenbar meine Vorliebe. Ich habe auch andere Songs gemacht, aber die finden nicht so viel Gefallen.

Finden Sie noch neue Ansätze oder ist irgendwann alles über Sex, Verlieben, Tanzen und Rundungen gesungen?

Sean Paul: Natürlich gibt es immer neue Wendungen. Ich habe in der Vergangenheit über Mädchen gesungen, die sich nicht pflegen, oder über Mädchen, mit denen ich einfach nur Händchen halten will. Dieses Mal gibt es einen Song, der "Body" heißt und sich nur darum dreht, den Körper des Mädchens anzuschauen, weil er so unglaublich schön ist.

Käme so etwas Bürgerliches wie eine Ehe für Sie infrage?

Sean Paul: Der Gedanke, mich fest an ein einziges Mädchen zu binden, der macht mir Angst (lacht).

Gibt es irgendein ein Stück auf "Tomahawk Technique", das nichts mit der Damenwelt zu schaffen hat?

Sean Paul: "Hold On". Das ist meine Sporthymne. Ich singe, dass es wichtig ist, an seinen großen Traum zu glauben. Der Song ist meinem Landsmann und Freund Usain Bolt gewidmet. Ich hoffe sehr, dass er bei den Olympischen Spielen in London wieder gewinnt. Und ich hoffe, dass ich vielleicht dabei bin - als Musiker, nicht als Sportler. Ich war als Jugendlicher in der Wasserballnationalmannschaft Jamaikas, doch seit letztem Jahr habe ich ein kaputtes Knie und kann nur noch schwimmen und Fahrrad fahren.

Ist Aufreißen eigentlich ein Sport, in dem Sie gut sind?

Sean Paul: Früher war das so. Ich war wirklich ein verrückter Junge, der nicht genug bekommen konnte. Jetzt bin ich reifer, älter geworden, abgeklärter. Ich muss nicht mehr jedes Mal ein Mädchen mit nach Hause nehmen, wenn ich in den Club gehe. Was ja ebenfalls nicht mehr so oft vorkommt, denn ich muss einfach wahnsinnig viel arbeiten. Es ist definitiv auch in Ordnung, die Nacht ohne Beischlaf zu verbringen.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 12.07.2012
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