Planspiel:
Jugendlichen der Hilda-Werkrealschule und der Schimper-Realschule bekommen von Fachleuten wichtige Hinweise zur Ausbildungsplatzsuche
Für Bewerbung gut vorbereitet
Von unserem Mitarbeiter Volker Widdrat
MM_91-S_ssz_1_417918799.jpg
Großer Andrang herrscht am "Checkpoint", von dem aus DGB-Jugendbildungsreferent Kayed Sagalla und sein Kollege Christian Störtz (v. l.) die Jugendlichen an die verschiedenen Stationen des Planspiels schicken. Thomas Huck, Hausleiter von Möbel Höffner (u. v. r.) gibt Patrick Fischer im "Vorstellungsgespräch" Tipps.
© Widdrat
Patrick Fischer freut sich. Der 16-jährige Schüler hat einen Ausbildungsvertrag zum Einzelhandelskaufmann in der Tasche. Zwar keinen wie im "realen Leben", aber immerhin einen von "Ready Steady Go", dem biografischen Planspiel zur Berufsorientierung, das derzeit im Jugendzentrum "Go In" über die Bühne geht.
Rund 50 Schüler der Hilda-Werkrealschule sind zu Gast, um sich beim Übergang von der Schule ins Berufsleben Unterstützung zu holen. Das Planspiel initiiert der Deutsche Gewerkschaftsbund in Zusammenarbeit mit dem KÜM-Team der Hilda-Schule, erläutert "Joblotsin" Angelika Redder, die mit ihrem Kollegen Samir Glassen die Jugendlichen betreut.
Das Planspiel vermittle ein reales Bild der Berufsorientierung und Lebensplanung von jungen Menschen, beschreibt Karlheinz Seitz, der Leiter des Jugendzentrums, die Zusammenarbeit der Schulen mit zahlreichen Firmen und Institutionen. Patrick war eben noch zum Vorstellungsgespräch bei Thomas Huck. Am Anfang sei er noch "sehr nervös" gewesen, sagt der Schüler. Der Schwetzinger Hausleiter von Möbel Höffner hat dem Schüler empfohlen, möglichst viele Bewerbungen zu schreiben: "Das Planspiel macht viel Sinn, weil die Jugendlichen dadurch lernen, was alles auf sie zukommen kann." An den anderen Tischen sitzen die - zum Teil realen - Personalchefs von anderen Firmen: beispielsweise von der KKH/Allianz, der Barmer Ersatzkasse und der BASF Jobmarkt GmbH oder vom Bonhoeffer-Kindergarten. "Fast alle wollen erst einmal die Schule weiter machen", bilanziert Regine Grethlein-Bernhardt, die Geschäftsführerin des Autohauses Bernhardt, ihre jüngsten Vorstellungsgespräche.
Draußen warten schon die nächsten aufgeregten Jugendlichen darauf, sich vorstellen zu dürfen. Andere sind bereits zur nächsten Station gegangen. In einem Büro beraten Mirjam Knemöller und Silke Dienelt von der Agentur für Arbeit in puncto Ausbildungsmöglichkeiten. Berufsberaterin Anke Lenk hat dem 15-jährigen Timo Baumann, der Industriemechaniker werden will, geraten, auf jeden Fall erst die Mittlere Reife zu machen und sich dann bei der BASF zu bewerben.
Im großen Raum des Jugendzentrums vermitteln derweil die Firmenvertreter den Mädchen und Jungen, wie man sich korrekt bewirbt und worauf man in einem Bewerbungsgespräch ankommt. Die "Station Schule" bietet einen Überblick über die schulischen Qualifizierungsmöglichkeiten und die Möglichkeiten von Online-Bewerbungen. Eine Sozialberatungsstelle ist zuständig für die Besprechung der im Spielverlauf auftretenden Probleme sowie die Ausarbeitung möglicher Lösungswege.
"Wir bauen noch das eine oder andere Problem in die Bewerbung mit ein", erzählen DGB-Jugendbildungsreferent Kayed Sagalla und sein Kollege Christian Störtz vom "Checkpoint", von dem aus die Jugendlichen über ihre Ereigniskarten an die verschiedenen Stationen geschickt werden. Etwa, dass die Eltern mit der Berufswahl ihres Sprösslings nicht einverstanden seien oder ein junger Auszubildender im Bäckerhandwerk feststellen müsse, dass er eine Mehlallergie habe.
Chiara DeLuca hat bereits ein halbes Dutzend Stationen hinter sich. Die 16-Jährige möchte Einzelhandelskauffrau werden und hat einen fiktiven Ausbildungsvertrag von Möbel Höffner in der Tasche. Über die Jahre habe es aber auch schon einige reale Ausbildungsverträge gegeben, freut sich Karlheinz Seitz, dass das Planspiel zur Berufsorientierung so viel Anklang findet.
Heute und morgen sind noch rund 110 Schüler der Schimper-Realschule dran. Dann haben die 9. Klassen die Möglichkeit, sich realitätsnah auf den Übergang in das spätere Berufsleben vorzubereiten. Vertreter und Personalchefs von Barmer, dm-Drogeriemarkt, Friatec, AOK, DAK, Henkel, Kaufland, Daimler und der Agentur für Arbeit stehen zwei Tage lang bereit, damit die Jugendlichen wissen, worauf es bei der Berufswahl ankommt. "Ein äußerst wichtiger Baustein in unserem Programm zur Berufsorientierung", freut sich Gerd Becker, an der Schimper-Realschule für die Unternehmenskooperationen zuständig, auch darüber, dass durch das Planspiel über die Jahre schon der eine oder andere "richtige" Ausbildungsvertrag für seine Schüler zustande gekommen ist.
Leser-Kommentare
Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen