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Feudenheim: Der geplante Austausch der historischen Lampen im „Gaslaternenviertel“ durch elektrische Straßenleuchten stößt auf Widerstand

Gaslaternen sollen nicht mehr brennen

Archiv-Artikel vom Freitag, den 21.05.2010

Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Jansch

Das alte Gaslaternenviertel in Feudenheim wird wohl bald seinen Namen verlieren. Stadt und MVV planen, bis spätestens 2012 alle 67 Gaslaternen gegen elektrisch betriebene Leuchten auszutauschen. Die Anwohner sind empört. Sie wollen ihre liebgewonnenen Gaslampen behalten. "Wir haben Wichtigeres zu tun", beschwerte sich Anwohnerin Ulrike Beck unlängst bei der Bezirksbeiratssitzung über diese aus ihrer Sicht unnötige Maßnahme.

Dabei haben Stadt und Energieversorger durchaus edle Absichten. Mit der neuen energieeffizienten LED-Technik soll der derzeitige Energiebedarf - pro Jahr sind das immerhin 17,5 Millionen Kilowattstunden - bis zum Jahr 2020 um drei Prozent gesenkt werden. Da kommen die alten, Strom fressenden und wartungsintensiven Gaslampen gerade recht. 411 davon gibt es noch im ganzen Stadtgebiet - in Käfertal, Sandhofen, in der Oststadt, auf dem Lindenhof (Stephanienufer) und im Stadtteil Pfingstberg.

Laternen gehören zum Stadtbild

Was speziell die Feudenheimer ärgert, ist die Tatsache, dass in der Oststadt die historischen Laternen - wenn auch elektrifiziert - bestehen bleiben, während sie aus dem Feudenheimer Ortsbild ganz verschwinden sollen. FDP-Bezirksbeirat Dr. Achim Ding kann die Aufregung der Leute verstehen, dass ausgerechnet im Jahr der 100-jährigen Eingemeindung Feudenheims hier die Laternen abmontiert werden und nur noch als "Ersatzteillager" für die Laternen in der Oststadt herhalten dürfen. Aus Sicht der FDP-Fraktion gehören die Gaslaternen auch über die Oststadt hinaus zum gewachsenen Stadtbild.

Stadt und MVV argumentieren mit der Kosteneffizienz. Der Energiebedarf einer Gasleuchte beträgt bei einer Brenndauer von 4000 Stunden im Jahr 316 Euro pro Lampe, bei einer elektrischen, energieeffizienten Leuchte gerade mal 48 Euro. Auch die Wartung ist vergleichsweise kostspielig: So erfordert der Betrieb einer Gasleuchte ein halbjährliches Wartungsintervall. Glühkörper und Batterien müssen regelmäßig ausgetauscht und die Lampen gereinigt werden. Bei einer elektrischen Leuchte muss nur alle vier Jahre das Leuchtmittel ausgetauscht werden. Dadurch liegen die Wartungskosten bei Gasleuchten viermal höher als bei elektrischen.

Diese Zahlen haben auch Dr. Achim Ding überzeugt. "Die Gasbefeuerung lässt sich nicht rechtfertigen", räumt er ein, nachdem er die jährliche CO²-Menge, die eine einzelne Gaslaterne pro Jahr produziert, hochgerechnet hat: "Eine drei Viertel Tonne." Nach den Plänen der Stadt sollen in Feudenheim dekorative Außenleuchten neu installiert werden, die sich durch modernste Lichttechnik und -lenkung auszeichnen und in Form und Wirkung in die jeweilige Umgebung einpassen. Der städtebauliche Aspekt werde mit dem Fachbereich Städtebau abgestimmt, heißt es in einer Stellungnahme.

Das wiederum passt der FDP nicht, die eine Kompromisslösung anstrebt. Schließlich, so argumentiert Stadträtin Birgit Sandner-Schmitt ganz im Sinne der Anwohner, seien die historischen Gaslaternen vielen Mannheimern in ihrem Stadtteil ans Herz gewachsen und gehörten einfach zum Ortsbild dazu. In einer Informationsvorlage habe die Stadt selbst die Anlagen der Straßenbeleuchtung als "wichtiges Element für die Standortattraktivität" bezeichnet. Die FDP plädiert deshalb für eine Beibehaltung der bestehenden Lampenkörper bei gleichzeitiger Umstellung auf Strom.

Rückendeckung haben die Gegner der Elektrifizierung unterdessen aus Berlin bekommen. In einer offiziellen Stellungnahme fordert der Verein "Pro Gaslicht e.V. - Verein zur Erhaltung und Förderung des Gaslichts als Kulturgut" die Bewahrung der alten Gaslaternen aus stadtgestalterischer und denkmalschützerischer Sicht. Die im Stile des Bauhauses der 20er und 30er Jahre gestalteten Gaslaternen, deren gusseiserne Maste und Kandelaber noch aus dem 19. Jahrhundert stammen, stellten ein industrielles Kulturgut dar, ihr warmes, goldgelbes Licht sei ein nicht unerheblicher Wohlfühlfaktor für die Bewohner.

Genauso sieht es auch Ulrike Beck. "Wir brauchen diese modernen Leuchten nicht", meinte sie bei der jüngsten Bezirksbeiratssitzung. "Bei uns ist es hell genug."

© Mannheimer Morgen, Freitag, 21.05.2010

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