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Hintergrund: Mannheims Ex-GMD Adam Fischer berichtet, wie Ungarns konservative Regierung Kulturpolitik nach Gutsherrenart betreibt

Geld bekommen nur Ja-Sager

Archiv-Artikel vom Freitag, den 04.03.2011

Von unserem Korrespondenten Norbert Mappes-Niediek

"Stellen Sie sich vor", sagt Adam Fischer, "das Nationaltheater in Mannheim veranstaltet eine Lesung zu Stuttgart 21, und der Ministerpräsident kürzt daraufhin die Subvention um 20 Prozent." Ein handliches Beispiel aus seinem Heimatland Ungarn hat der Dirigent, der von 2000 bis 2005 Generalmusikdirektor in Mannheim war, zwar nicht zur Hand. Das macht es aber nicht besser. Kein ungarisches Theater, meint er, würde eine solche Lesung überhaupt erst ansetzen. "In Ungarn müssen die Künstler die Politiker wie Sponsoren behandeln", sagt Fischer, der nach massiven Interventionen aus der Regierung im vergangenen Herbst die Leitung der Staatsoper in Budapest niederlegte. "Wie viel jemand bekommt, entscheidet der Minister ganz freihändig."

Über Ungarn "beschweren"

Klassische Partei- und Klientelpolitik macht der Kritiker aus. Wer für mich ist, kriegt Geld, wer gegen mich ist, kriegt keines: Entschieden wird direkt, und die Kriterien sind nur allzu offensichtlich. So liest Adam Fischer auch das Interview, das Zoltan Kocsis, Chefdirigent der ungarischen Philharmoniker, der "Süddeutschen Zeitung" gab. Die konservative Regierung unter Viktor Orban sei "absolut demokratisch", hatte Kocsis gesagt und sich über Kollegen mokiert, die sich "in einer ausländischen Zeitung" über Ungarn "beschweren". So etwas liest man in der Regierung gern. Nur zwei Tage nach dem Interview habe Kocsis für das nächste Jahr eine Million Euro mehr bewilligt bekommen, sagt Fischer.

Auf die heftige Polarisierung der Gesellschaft will der Autor und Regisseur Bela Pinter jetzt mit einem Stück über die Revolution antworten - ein ambivalentes und deshalb schlaues Thema in einem Land, in dem gerade die Konservativen sich auf die Revolutionen der Jahre 1848 und 1956 berufen. In der freien Theaterszene in Budapest ist das unmittelbare Verhältnis zwischen Künstlern und deren Sponsoren mit Händen zu greifen. Der Autor und Regisseur Bela Pinter betont: "Wir haben Fans auf beiden Seiten des politischen Spektrums."

Wichtigster Impuls der Kulturpolitik, meint Pinter, sei tatsächlich der Sparzwang, wie ihn die ungarische Filmförderung schon erdulden musste. Bei den Theatern geht entsprechend die Furcht um. Per Gesetz bekommt die freie Szene zehn Prozent dessen, was die großen Theater erhalten . "Schon im letzten Jahr waren es dann nur acht Prozent." An zweiter Stelle sieht auch er die Versuche der Mächtigen, ihre eigenen oder wenigstens hinreichend loyale Leute in wichtige Positionen zu hieven. Wie bei der Staatsoper, wo ein Regierungskommissar Adam Fischer massiv ins Ruder griff, gab es auch beim ungarischen Nationaltheater den Versuch eines Putschs von oben. Er scheiterte, weil der konservative Ersatzmann dann doch nicht zur Verfügung stand.

Ein eigenes Kulturministerium gibt es seit dem Amtsantritt der konservativen Fidesz-Partei im vergangenen April nicht mehr. Minister für "menschliche Ressourcen" mit so unterschiedlichen Ressorts wie Kultur und Gesundheit ist der Mediziner Miklos Rethely, kulturpolitisch ein unbeschriebenes Blatt. Auch der aus Rumänien stammende Staatssekretär für Kultur, der Dichter Geza Szöcs, hat sich bisher nicht mit strategischen Schachzügen hervorgetan. Eine Rede über Ungarns nötige "Öffnung zum Osten" statt zum Westen löste Befremden aus und fand keine Fortsetzung. Für eine ideologische Offensive fehlt den Konservativen einfach das Personal.

Paranoia gegenüber dem Westen

Adam Fischer hat mit seinem Abgang von der Staatsoper und seinem Protest gegen das Mediengesetz viel dazu beigetragen, dass die westliche Öffentlichkeit auf Ungarn aufmerksam wurde. Zur Kulturpolitik der Fidesz aber sagt Fischer: "Es war nie anders." Selbst die Einigelung und die Paranoia, die bei westlicher Kritik jetzt zutage träten, seien nichts Neues. "Niemand versteht uns" - die reflexartige Abwehr von Vorwürfen aus dem Ausland begründet Fischer auch mit der Einzigartigkeit der ungarischen Sprache sowie den mangelnden Fremdsprachenkenntnissen der Ungarn.

Die Zahlen geben Adam Fischer recht: Nur 13 Prozent der Ungarn können sich auf Englisch unterhalten, so wenige wie in keinem anderen EU-Land. Zwar sprechen immerhin 20 Prozent Deutsch. Mehr als die Hälfte der Ungarn verfügt nach eigenem Bekunden über "keinerlei Fremdsprachenkenntnisse" - wie sonst nur Briten, Iren und Spanier, die aber das Glück haben, ohne Mühe mit einer Weltsprache gesegnet zu sein.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 04.03.2011
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